Urteil

Wetterauer wegen Verabredung zum Missbrauch eines Kindes verurteilt

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Ein Wetterauer hat sich mit einer Mutter über verabredet, um deren Tochter zu missbrauchen. Nun wurde er verurteilt.

Weil er sich über ein Chatportal mit einer Mutter verabredet hatte, um deren Tochter zu missbrauchen, ist ein 54-Jähriger aus Nidda vom Schöffengericht Büdingen zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Darstellung des Angeklagten, die Verabredung sei nicht ernst gemeint gewesen, standen seine Aussagen im Chat im Juli 2017 entgegen – und eine einschlägige Vorstrafe.

Es war bereits die zweite Verhandlung wegen derselben Tat gegen den Mann. Der erste Prozess war letztes Jahr abgebrochen worden, weil das Gericht durch ein psychiatrisches Gutachten klären lassen wollte, ob der alkoholabhängige Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat nicht schuldfähig gewesen sein könnte oder in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden sollte.

Sie liefern keine Einsicht, dass bei Ihnen etwas nicht ganz sauber tickt

Staatsanwalt

4,5 Promille Blutalkoholkonzentration will der Angeklagte errechnet haben, nachdem er am Tattag zwei Flaschen Schnaps und mehrere Flaschen Bier getrunken habe. Hohe Promillewerte sind bei ihm offenbar nicht ungewöhnlich. Bei einer Hochzeitsfeier im Sommer 2014 hatte er nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt versucht, einen Neunjährigen zu zwingen, ihn oral zu befriedigen. Damals ergab die Blutprobe, dass er zur Tatzeit zwischen 3,38 bis 3,8 Promille gehabt haben müsse, weshalb ihm das Gericht Schuldunfähigkeit zugestand.

Das aktuelle Gutachten jedoch sieht keine Hinweise dafür, dass der Angeklagte die Folgen seiner Handlungen nicht abschätzen konnte. Dagegen sprächen die Protokolle des zweistündigen Chats. Trotz erheblichen Alkoholkonsums zeigten die getippten Antworten keine Rechtschreibfehler.

Angst vor dem Gefängnis

Der Kontakt mit der Mutter, die nach den Nachforschungen von Richterin Barbara Lachmann zwei Töchter hat, begann am 16. Juli relativ harmlos. In einem Forum, dass sich vor allem an Jugendliche ab 14 Jahren richtet, schrieb der Angeklagte, dass er ein junges Mädchen suche. "Ich bin 50, da ist eine 30-Jährige auch noch ein junges Mädchen", versuchte er Richterin Lachmann auf deren Nachfrage zu erklären. Doch in dem Chat ging es definitiv nicht um eine erwachsene Frau, obwohl der Angeklagte ankündigte, auch mit der Mutter Geschlechtsverkehr haben zu wollen. Schnell stand eine angeblich zehnjährige Tochter im Zentrum des Dialogs, mit der der Angeklagte "alles, was geht" machen wollte. Die Verabredung zum Missbrauch eines Kindes wurde im Verlauf des Chats sehr konkret. Zu einem Treffen kam es nicht: Zwei Tage später zeigte die Mutter den Mann bei der Polizei an.

Der Angeklagte bestritt hartnäckig, die Verabredung ernst gemeint zu haben. Überhaupt seien 90 Prozent der Chats "Fake" und auch viele Nutzer des Forums Erwachsene. "Sie sind sehr präzise, Sie schreiben sehr präzise, was Sie für Vorstellungen haben", hielt der Staatsanwalt ihm entgegen.

Der Verteidiger indes sah die Voraussetzungen für eine Verurteilung nicht erfüllt. Es sei zweifelhaft, ob die Chat-Partnerin tatsächlich existent und Mutter von zwei Kindern sei oder nicht sogar ein Polizeibeamter. Zudem sei der Chat nach der Verabredung nicht fortgesetzt worden. Das könne man als Rücktritt von der Tat werten.

Kein Anlass für mildernde Strafe

In teilweise sehr drastischen Worten setzte sich der Staatsanwalt mit der Einstellung des Angeklagten zu Kindern und deren sexuellem Selbstbestimmungsrecht auseinander. Der Angeklagte gebe keinen Anlass für eine mildere Strafe. "Sie liefern keine Einsicht, dass bei Ihnen etwas nicht ganz sauber tickt." Auch Mitgefühl für die Kinder sei nicht zu erkennen.

Richterin Lachmann und die Schöffen hatten keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Verabredung zum Kindesmissbrauch. Das Gericht blieb mit dem Urteil von zwölf Monaten Freiheitsstrafe ein halbes Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Eine auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Strafe hielt Lachmann für vertretbar, weil sie davon ausgehe, dass die Gefahr, ins Gefängnis zu kommen, den Mann von weiteren Straftaten abhalten werde. Um ihn an das Urteil zu erinnern, muss er während der Bewährung jeden Monat 25 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. (Foto: dpa)

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