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Dank seiner neuen Maschine kann Steinmetz Martin Röhling (r.) jetzt junge Menschen wie Nils Wegener (l.) zum Naturwerksteinmechaniker ausbilden.

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Die EU verhilft Betrieben aus der Wetterau zum Erfolg

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135 000 Euro, so viel hat die neue Säge von Steinmetz Martin Röhling gekostet. Viel Geld für den kleinen Betrieb in Nidda. Unterstützung kommt von der EU. Jetzt will Röhling anderen ein Vorbild sein.

Wenn Steinmetz Martin Röhling früher eine Küchenarbeitsplatte schneiden musste, hat er dafür rund vier Stunden gebraucht. Heute macht er dieselbe Arbeit in gerade einmal 20 Minuten. Martin Röhling ist nicht plötzlich zum Superhelden geworden. Der Grund für die Veränderung ist eine neue Maschine: Der Steinmetzmeister aus Nidda hat sich einen Traum erfüllt und sich eine vollautomatische und computergesteuerten CNC-Brückensäge zugelegt. Dank ihr geht jetzt alles schneller.

"Mit der Säge können wir alle Formen zuschneiden, die die Kunden brauchen", sagt Röhling. Zum Beispiel Treppen, Küchenarbeitsplatten, Ofenplatten, Fensterbänke oder Oberflächen für Bäder und Duschen. Die Formen werden über einen Computer eingegeben. "Die neue Maschine schneidet so präzise, dass die Steine kaum nachgearbeitet werden müssen", sagt Röhling. Früher habe er die Kanten nach dem Schnitt aufwendig polieren müssen, was ebenfalls viel Zeit gekostet habe.

Mit Sandstein verkleidete Gitarre

Röhling hat seinen Betrieb vor acht Jahren gegründet und sich auf die Bearbeitung von Naturstein wie Granit, Marmor, Travertin, Sandstein oder Schiefer spezialisiert. "Immer öfter kommen die Kunden mit speziellen Wünsche zu uns", sagt Röhling. Zum Beispiel ein Balkongeländer aus Marmor, eine Granit-Arbeitsplatte für eine Außenküche oder eine mit Sandstein verkleidete Gitarre.

Die Brückensäge hat Röhling 135 000 Euro gekostet - die bisher größte Anschaffung, die er getätigt hat. Deshalb ist der Steinmetzmeister froh, dass er bei diesem großen Schritt Unterstützung hatte. Die Säge wurde zum Teil mit Geldern aus dem EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum (Leader) finanziert. Den Tipp, einen Antrag auf Fördergeld zu stellen, hatte er von Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, bekommen, den er auf einer Veranstaltung getroffen hatte. "Die Planung hat mich einiges an Zeit gekostet, die Antragsstellung war aufwendig", sagt Röhling. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. Insgesamt erhielt Röhling eine Unterstützung von 45 000 Euro.

Ein zusätzlicher Mitarbeiter und ein neuer Auszubildender

Davon profitiert nicht nur Röhlings Betrieb selbst: "Andere Steinmetze und Fliesenleger aus der Umgebung können jetzt direkt die gewünschte Form bei mir bestellen und müssen nicht mehr auf Firmen von außerhalb zurückgreifen", sagt Röhling. Damit würden die Wege kürzer, was gut für die Umwelt sei, und die Aufträge könnten insgesamt schneller abgewickelt werden, zur Freude des Kunden. So könne er auch in Konkurrenz mit größeren Betrieben treten.

Durch die Investition konnte Röhling auch einen zusätzlichen Arbeitsplatz in seinem Betrieb schaffen. Außerdem kann er jetzt die Ausbildung zum Naturwerksteinmechaniker anbieten. Der neue Azubi Nils Wegener komplettiert das inzwischen achtköpfige Team.

Röhling ist es wichtig, den Nachwuchs zu fördern: "Die Maschine kann zwar automatisch schneiden, trotzdem braucht es Mitarbeiter, die sie bedienen." Er finde es deshalb schade, dass immer mehr Schulen, die die Ausbildung zum Steinmetz begleiten, geschlossen würden.

Röhling hofft, dass in Zukunft auch andere kleine und junge Handwerksbetriebe auf die Förderung aufmerksam werden und es wagen, einen solch großen Schritt zu gehen. Er will ihnen ein Vorbild sein. "Es ist einfach toll, dass es dank der EU solche Fördermöglichkeiten gibt. Die sollten wir auch nutzen."

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