Störer im Ostergottesdienst

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Nidda (sax). Wegen eines Zwischenfalls im Vorfeld des Ostergottesdienstes in der Niddaer Stadtkirche ermittelt der Staatsschutz gegen drei bisher noch unbekannte Täter. Diese hatten anscheinend alkoholisiert Gottesdienstbesucher beleidigt und islamische Parolen gerufen. Obwohl eine Polizeistreife noch während des Gottesdienstes eintraf, konnten die Täter bisher noch nicht identifiziert werden.

Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen ist nicht Weihnachten, sondern Ostern das wichtigste Fest des Christentums. Dabei haben die Ostergottesdienste am frühen Sonntagmorgen eine herausragende Bedeutung. Bereits das zweite Jahr in Folge wird es den Gemeinden erschwert, diesen wichtigsten Gottesdienst des Jahres zu feiern.

In Nidda war es immerhin einer begrenzten Anzahl von Gläubigen, die sich vorher angemeldet hatten, möglich, den Beginn des Ostermorgens zusammen in der Kirche zu erleben. Doch noch während die Vorbereitungen liefen, störten drei junge Männer diese offenbar so massiv, dass die Auswirkungen auch den Gottesdienst und die folgenden Stunden überschatteten.

Zuerst bemerkten nach einer Pressemitteilung der Kirchengemeinde zwei Konfirmandinnen, die mit ihren Angehörigen zur Kirche kamen, die drei Männer, die von der Schlossgasse gekommen seien und sich beim Brunnen niedergelassen hätten. Dort hätten sie kurz darauf eine andere Gottesdienstbesucherin beleidigt.

Besucher mit Handys gefilmt

Offenbar seien die jungen Männer durch die eintreffenden Besucher und die beleuchtete Kirche auf den bevorstehenden Gottesdienst aufmerksam geworden, beschreibt die Gemeinde die weiteren Ereignisse. Zwei von ihnen seien durch den Seiteneingang in die Kirche gekommen. Dabei hätten sie ihre Handys auf die Gottesdienstbesucher gerichtet und diese anscheinend gefilmt. Außerdem hätten sie Flaschen, in denen vermutlich Alkohol war, dabei gehabt.

Pfarrerin Hanne Allmansberger forderte die jungen Männer auf, die Kirche zu verlassen, weil diese weder zum Gottesdienst angemeldet waren, wie Allmansberger ihnen erläuterte, noch eine Mund-Nasen-Schutzmaske trugen. Doch statt der Aufforderung zu folgen hätten die Störer mehrfach »Es gibt nur einen Gott, und das ist Allah« und »Allah ist der Größte« gerufen. Dabei hätten sie das Geschehen offenbar weiter gefilmt.

Erst als Pfarrerin Allmansberger sie nochmals energisch aufforderte, die Kirche zu verlassen und inzwischen auch weitere Besucher aufstanden und zum Seiteneingang gingen, durch den die jungen Männer hereingekommen waren, hätten diese die Kirche wieder verlassen. Zusammen mit dem dritten jungen Mann, der vor der Tür gewartet hatte, seien sie weggegangen.

Als bedrohlich empfunden

Vor allem die Kinder und Jugendlichen hätten die Situation als bedrohlich empfunden, berichtet die Kirchengemeinde. Aber auch erwachsene Teilnehmer des Gottesdienstes seien über den Vorfall sehr erschüttert gewesen. »Der Osternachtsgottesdienst war von den Geschehnissen überschattet, bei Teilnehmern und Mitwirkenden hielt der Schreck über das grenzüberschreitende, ungebührliche und als bedrohlich empfundene Verhalten der jungen Männer noch einige Zeit an. Glücklicherweise verlief der Gottesdienst selbst ebenso wie die weiteren Ostergottesdienste ohne Zwischenfälle.« Es gab aber Sorgen, dass die Störer später, vielleicht auch während des um 6 Uhr beginnenden Gottesdienstes wieder kommen würden. Deshalb informierte eine Besucherin die Polizei, die auch noch während der Feier eintraf. Die Pressestelle der Polizei Mittelhessen bestätigt den Vorfall und dass der Staatsschutz Ermittlungen wegen Störung der Religionsausübung aufgenommen hat. Derzeit würden noch Zeugen vernommen.

Bürgermeister Hans-Peter Seum erklärte, dass er bisher weder von der Polizei noch von der Gemeinde über den Vorfall informiert worden sei. Der Polizeiposten Nidda habe ihm auf Anfrage die Ereignisse bestätigt. Die evangelische Kirchengemeinde betont, »dass das Christentum Toleranz gegenüber anderen Religionen verlangt und auch lebt. Dies muss auch erwartet werden von Menschen, die einer anderen Religionsgemeinschaft angehören.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare