Eine positive Entwicklung beobachtet das Deutsche Rote Kreuz trotz der Corona-Pandemie: Mehr jüngere Menschen als sonst nutzen das Angebot zur Blutspende.	FOTOS: DPA/SAX
+
Eine positive Entwicklung beobachtet das Deutsche Rote Kreuz trotz der Corona-Pandemie: Mehr jüngere Menschen als sonst nutzen das Angebot zur Blutspende. FOTOS: DPA/SAX

Spender sind jünger

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Die coronabedingten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zeigen unerwartete Nebeneffekte: Mehr Jüngere als sonst gehen zur Blutspende. Das zeigte sich beim regionalen Blutspendezentrum, das die DRK-Bereitschaft Nidda und der Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen an vier Tagen im Bürgerhaus Nidda eingerichtet hatten.

Rund 120 bis 150 Menschen kommen zu normalen Zeiten zu Blutspendeterminen des Roten Kreuzes. Spender und auch ehrenamtliche Helfer kennen sich oft schon von früheren Terminen. Entsprechend locker sind die Gespräche auf den Liegen während der Spende und beim Imbiss danach. »Wo sonst könnte man im Doppelbett mit der Nachbarin liegen, ohne dass es anstößig wäre?«, scherzt Eberhard Weck, Abteilungsleiter beim DRK-Blutspendedienst in Frankfurt.

Doch damit Blutspenden trotz Corona weiterhin möglich sind, musste das DRK die Organisation der Termine verändern. »Das Doppelbett gibt’s nicht mehr«, erklärt Weck. Stattdessen stehen die Spenderliegen gut zwei Meter voneinander getrennt. Und auch ein weiterer geselliger Aspekt ist dem Infektionsschutz geopfert worden. Um Kontakte zwischen den Spendern zu minimieren, können diese nur nach vorheriger Terminvereinbarung kommen. »Zwei Stunden mit den Leuten klönen, die man nur zum Blutspenden trifft, das fällt weg«, stellt Weck fest. Statt eines gemeinsamen Essens mit Eintopf, Schnitzel oder Hackbraten gibt’s jetzt eine Tafel Schokolade zum Mitnehmen.

Auch zusätzliche Beschränkungen gegenüber den früheren Terminen gibt es. Ein Hinweisblatt am Eingang klärt auf, dass Spender, die sich krank fühlen, in den letzten Wochen Kontakt zu Corona-Infizierten oder Verdachtsfällen hatten bzw. im Ausland waren, das im Niddaer Bürgerhaus eingerichtete Blutspendezentrum nicht betreten dürfen. Dazu wird bei allen potenziellen Spendern gleich am Eingang die Temperatur gemessen.

Kein Corona-Test

Getestet, ob die Spender infiziert sind, wird aber nicht. Denn das Ergebnis wäre nicht am selben Tag vor Ort verfügbar. Für das gespendete Blut wäre ein solcher Test auch überflüssig, erläutert Weck. »Dieses Virus wird wahrscheinlich nicht über das Blut übertragen, es funktioniert über die Atemwege.«

Obwohl das Rote Kreuz unter den aktuellen Bedingungen statt vieler kleinerer Termine die Blutspenden zentralisiert anbieten muss, kommen ähnlich viele Menschen wie ohne Beschränkungen. »Die Blutspender zeigen ein besonderes Engagement«, erklärt Markus Hildebrand vom Blutspendedienst. Sogar von Bad Vilbel und Schotten seien sie nach Nidda gekommen.

Etwa 35 der rund 500 Blutspender an diesen vier Tagen seien zum ersten Mal zur Spende gekommen. »Das ist leicht mehr als sonst«, bemerkt Hildebrand. Besonders erfreulich sei, dass auch Jüngere unter den Erstspendern seien. »Der eine oder andere sagt, dass er sonst studieren oder arbeiten muss.«

Weck weist darauf hin, dass Blutspenden wieder dringend benötigt würden. Zu Beginn der Pandemie sei der Bedarf zunächst gesunken, weil viele Operationen abgesagt worden seien. »Seit ein paar Tagen merken wir, dass die Krankenhäuser wieder operieren.« Deshalb sei es gut, dass die neue Organisation der Termine reibungslos funktioniere.

Norman Zinsheimer, Bereitschaftsleiter des DRK in Nidda, berichtet von einem Kommentar bei Facebook, dass das DRK auch nach Corona weiter Termine zur Blutspende vergeben solle. Auch Andreas Rheindt, der für die Johanniter den Rettungshubschrauber fliegt, bestätigt die Vorteile der Terminvergabe. »Man muss nicht mehr anstehen.« Allerdings gebe es auch Nachteile. Weil man einen festen Termin habe, könne man die Blutspende nicht spontan in arbeitsfreie Zeiten legen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare