Rund 1100 Conti-Mitarbeiter könnten 2024 ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Wetterauer Kreistag will die Beschäftigten nun unterstützen. FOTO: PE
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Rund 1100 Conti-Mitarbeiter könnten 2024 ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Wetterauer Kreistag will die Beschäftigten nun unterstützen. FOTO: PE

"Schließung nicht hinnehmen"

  • vonJürgen W. Niehoff
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Nidda(jwn). Mit einer Resolution will der Wetterauer Kreistag die Beschäftigten der Continental Automotive GmbH in Karben bei ihrem Kampf um ihre Arbeitsplätze unterstützen. In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass die Continental Automotive GmbH ihre Tore bis zum Jahr 2024 schließen wird und alle rund 1100 Mitarbeiter damit ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

"Ich bin von der Betriebsleitung in zwei ganz kurzen Telefonanrufen von der Schließung informiert worden. Es gab seitens der Geschäftsleitung weder Gesprächsangebote noch genauere Informationen zum Ablauf der Schließung", berichtete sichtlich verärgert Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) in der jüngsten Kreistagssitzung.

Noch im August Lehrlinge begrüßt

Man dürfe die Ankündigung nicht so einfach hinnehmen und müsste sich stattdessen mit den Arbeitnehmern solidarisch erklären, forderte Rahn weiter. Vor sieben Jahren sei schon einmal die Rede von einer Verlagerung der Fabrik ins Ausland gewesen und auch im vergangenen Jahr sei bereits über Entlassungen gesprochen worden. Aber über eine komplette Schließung wie jetzt bisher noch nie. "Verstehen kann ich dabei auch nicht, warum noch im August die neuen Lehrlinge feierlich und medienwirksam begrüßt wurden", so Rahn.

Sicherlich müsse ein Unternehmen auf Gegebenheiten am Markt reagieren können. Aber dies dürfe doch nicht einseitig auf den Rücken der Arbeitnehmer geschehen und ohne die Suche nach einer allseits verträglichen Lösung.

Nach Vorstellungen von CDU, SPD und den Grünen soll sich deshalb der Kreisausschuss bei der Unternehmensleitung des Conti-Werkes dafür einsetzen, dass der Standort Karben erhalten bleiben soll und gegenüber der Landesregierung, dass diese darauf hinwirken soll, das Werk und die Arbeitsplätze zu erhalten. "Eine Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland ist jedenfalls nicht die Lösung", stellte auch Grünen-Sprecher Michael Rückl lautstark fest.

Die FDP unterstützte zwar ebenfalls die Solidaritätserklärung an die Arbeitnehmerschaft im Conti-Werk, sieht aber als Ansprechpartner weniger die Geschäftsleitung des Unternehmens. Denn die Ursache für die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Autoindustrie und damit auch beim Zulieferer Conti seien eindeutig von der Politik zu verantworten. Die habe den Klimaschutz ohne Rücksicht auf Verluste vorangetrieben und die Autoindustrie mit ihren über 800 000 Arbeitsplätzen damit vor riesige Probleme gestellt.

Nach Ansicht der FDP solle deshalb der Kreisausschuss gegenüber der Landesregierung zum Ausdruck bringen, dass die europäischen Rahmenbedingungen für die Fahrzeugindustrie nicht über Gebühr zulasten der deutschen Automobilindustrie verändert werden dürfen. Diesem Aspekt folgte die Mehrheit des Kreistages am Ende zwar nicht, jedoch wurde der Ursprungsantrag von CDU, SPD und Grünen schließlich einstimmig angenommen. FDP und AfD enthielten sich der Stimme.

Zuvor hatte der Kreistagsvorsitzende Armin Häuser (CDU) noch einmal eindringlich an die Kreistagsabgeordneten appelliert, dem Antrag doch zuzustimmen und ein starkes Signal der Unterstützung nach außen zu senden: "Hier geht es schließlich um Menschen und da darf Parteipolitik keine Rolle spielen", sagte Häuser.

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