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Sanierung durch EU-Förderung: Gerüst statt Kurgäste

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Das Gradierwerk sorgt im Kurpark in Bad Salzhausen täglich für frische Luft – doch jetzt braucht das Bauwerk selbst eine Auszeit. Es wird saniert. Die EU unterstützt das kostspielige Projekt.

Augen schließen und einmal tief durchatmen: Das Gradierwerk in Bad Salzhausen ist ein Ort der Erholung. Das ganze Jahr über flanieren viele Besucher um die aufgeschichteten Schwarzdornhecken, an denen die Salzhäuser Sole herunterplätschert. Doch zurzeit ist das anders. Der Bau ist etwas in die Jahre gekommen und bekommt selbst eine Erholungskur. Statt Kurgästen umgibt jetzt ein Gerüst das Bauwerk.

Am Gradierwerk im kleinsten Wetterauer Kurbad Bad Salzhausen hatte der Zahn der Zeit genagt: Die komplette Holzkonstruktion musste saniert werden, genauso wie der Schwarzdorn, über den die Sole läuft. Weil so eine Sanierung aufwendig und ganz schön teuer ist, musste sie in der Vergangenheit immer wieder verschoben werden. Jetzt ist die Maßnahme fast abgeschlossen – nicht zuletzt dank LEADER-Fördermitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Gestaltung der Außenanlage nach historischem Vorbild

Die hatte die Stadt beantragt – und auch bekommen: Mit 200 000 Euro unterstützt die EU das kommunale Projekt. Die Maßnahme kostet insgesamt rund 893 000 Euro brutto. Durch mehrfach erforderliche Umplanungen in der Vergangenheit seien die Kosten stetig gestiegen, und es sei viel Zeit verloren gegangen, sagt Kerstin Alt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Nidda. Mehrfach sei mit der Bewilligungsstelle beim Wetteraukreis nachverhandelt worden. "Wir wurden aber stets positiv begleitet, und man versuchte, alles möglich zu machen."

Die Kosten decken nicht nur den Neuaufbau des Gradierwerks ab. Auch die Außenanlage wird nach historischem Vorbild wieder hergerichtet, mit einer kompletten Wegeführung um den Gradierbau. Außerdem wurden bei der Sanierung frühere Versäumnisse ausgeglichen: Der Gradierbau hat künftig ein Dach, und Fehler in der Konstruktion des Grundskeletts wurden behoben.

Ursprünglich war der Gradierbau in Bad Salzhausen ein Nutzbauwerk

"Das Deutschland nicht nur in den EU-Topf einzahlt, sondern auch Fördermittel daraus erhält, wird viel zu wenig öffentlich dargestellt", sagt Alt. Die verschiedenen EU-Fördermöglichkeiten seien für kommunale Projekte sehr hilfreich, da so eine regionale Benachteiligung ausgeglichen werde. Man freue sich über die Unterstützung. Ohne die Förderung hätte die Stadt nur den Gradierbau sanieren können, ohne die historische Eindachung und ohne Wegebau.

Der Gradierbau ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurparks. Auch wenn das Gradierwerk ursprünglich gar nicht dazu gedacht war, dass die Menschen die salzhaltige Luft, die der an einer Küste nahekommt, zu Therapiezwecken einzuatmen. Eigentlich war der Gradierbau ein Nutzbauwerk. Die Salzhäuser Sole wurde wiederholt durch die Schwarzdornhecken hindurchgeleitet, um eine höher konzentrierte Sole für die Salzgewinnung zu erreichen.

Die Erneuerung des alten Kulturguts und der Anlage dient nicht nur der optischen Aufwertung, die Stadt erhofft sich auch mehr Besucher und damit positive Auswirkungen auf die Gastronomie und den Tourismusbetrieb. Bis Ende April sollen die Arbeiten am Gradierbau abgeschlossen sein. Das Umfeld soll bis Ende Mai fertiggestellt werden. Dann steht der Bau – frisch erholt – wieder allen Besuchern und Kurgästen offen.

Info

Leader-Region Wetterau

Die Arbeiten in Bad Salzhausen sind Teil eines regionalen Entwicklungskonzeptes für die Region Wetterau/Oberhessen, das unter Trägerschaft der Wirtschaftsförderung Wetterau erstellt worden ist. Als eine von 24 Regionen in Hessen ist die Wetterau als Leader-Region anerkannt. "Mit dem Leader-Programm der EU wollen wir die Wetterau als attraktiven Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum sichern und weiterentwickeln", sagte der ehemalige Landrat Joachim Arnold, der 2016 den Zuschuss für die Sanierung in Bad Salzhausen bewilligt hat. (pm)

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