Zurück in die Freiheit: Dagmar Dohnalek lässt den genesenen Rotmilan frei. Wäre er nicht gefunden worden, hätte er wahrscheinlich nicht überlebt.
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Zurück in die Freiheit: Dagmar Dohnalek lässt den genesenen Rotmilan frei. Wäre er nicht gefunden worden, hätte er wahrscheinlich nicht überlebt.

Rotmilan wieder frei

  • vonInge Schneider
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Nidda(im). Ende Juni erhielt die Ranstädter Naturgärtnerin und Wildvogelexpertin Tanja Schnell einen Anruf. Ihre Bekannte Angelika Hennrich war am Telefon und berichtete, dass zwei Reiterinnen aus Schwickartshausen, Tanja Felten und Mira Felten, während eines Ausritts einen im Gras liegenden Rotmilan gefunden hätten. Dieser habe sich bei ihrer Ankunft totgestellt, ein kurzes Fauchen habe aber signalisiert, dass der Vogel noch lebe. Tanja Schnell riet den beiden Reiterinnen, mit einem Karton an die betreffende Stelle zu fahren und den Greifvogel mit aller Vorsicht und unter Selbstschutz zu sichern. Die übersandten Fotos des Tieres ließen sie mutmaßen, dass es sich um einen Jungvogel handele, der zu früh aus seinem Nest geflogen oder gefallen sei.

Schnell selbst telefonierte mit ihren langjährigen Ansprechpartnern: dem Falkner Walter Reinhart von der Pflege- und Auffangstation Eichenfürst und Ronneburg sowie mit Linda Geske, vogelkundiger Tierärztin in Echzell, die auch an diesem Abend noch bereit waren, mit Rat und Tat zu helfen.

In der Falknerei aufgepäppelt

Vor Ort in Schwickartshausen fanden die Feltens, mit einem Karton zurückgekehrt, den jungen Milan allerdings zunächst nicht wieder. Wie sich herausstellte, war er mithilfe von Schnabel und Krallen mühsam auf einen kleinen Baum geklettert, von wo man ihn gemeinsam mit einer Nachbarsfamilie herabholte und zügig zu Tanja Schnell nach Ranstadt brachte. "Er hätte die Nacht mutmaßlich nicht überlebt", mutmaßt sie und fuhr den Rotmilan nunmehr in einer bequemen Softbox nach Echzell.

Die Untersuchung durch Linda Geske erfolgte gegen 23 Uhr. Die Tierärztin konstatierte, man habe einen sehr jungen, dehydrierten und sehr dünnen Rotmilan vor sich, der sich bei seinem verfrühten Flug oder Sturz aus dem Nest allerdings keinerlei Brüche zugezogen habe. Versorgt mit einer Infusion überstand der Jungvogel die Nacht und nahm morgens zum Frühstück zwei aufgetaute Mäuse zu sich. Derart gestärkt, wurde das Tier von Tanja Schnell in die Falknerei Ronneburg gebracht, wo es von Walter Reinhart und seiner Lebensgefährtin Dagmar Dohnalek liebevoll aufgepäppelt wurde.

Vor einer Woche konnte der Rotmilan schließlich in Gegenwart vieler an der Aktion Beteiligter an seiner Fundstelle in Schwickartshausen wieder in die Freiheit entlassen werden. "Ohne Menschen, die mit offenen Augen durch die Natur gehen, wären solche Rettungsaktionen gar nicht möglich", sagte die Ranstädterin Tanja Schnell, nachdem sich der junge Greifvogel mit ausgebreiteten Schwingen, nunmehr stark und souverän, in die Lüfte erhoben hatte. "Ich danke allen, die mitgemacht und sofort die Experten kontaktiert haben. Gerne mache ich darauf aufmerksam, dass aktuell noch immer über 40 verwaiste Greifvögel und Eulen zu Füßen der Ronneburg untergerbacht sind und fachkundig bis zur Auswilderung großgezogen werden."

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