Die Schwertkämpfer sind durch die Rüstung, wattierte Kleidung und Protektoren gut gegen Hiebe und Schläge geschützt.
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Die Schwertkämpfer sind durch die Rüstung, wattierte Kleidung und Protektoren gut gegen Hiebe und Schläge geschützt.

Kurioser Sport

Wie die Ritter: Schwertkämpfer zeigen ihr Können in Nidda

  • vonOliver Potengowski
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Bei der Qualifikation zur Schwertkampfweltmeisterschaft in Spanien haben sich die Teilnehmer in schwerer Rüstung mit Schwertern und Äxten bekämpft. Der Sport ist aber icht nur etwas für Männer.

Nidda - Ein besonderes Interesse an der Geschichte bewegt mehr als 50 Besucher aus ganz Deutschland, die sich am Samstag im Schlosshof in Nidda getroffen haben. Ausgestattet mit Schwertern und schwerer Rüstung, trugen sie dort die deutsche Qualifikation zur Vollkontaktweltmeisterschaft im Schwertkampf aus, die im Mai in Spanien stattfindet.

»Es ist mal wieder Leben im Schlosshof«, freut sich Iris Pfnorr. Wie zahlreiche andere Besucher steht sie um ein Gatter aus Holzbalken, das zwischen den historischen Gebäuden aufgestellt ist und als Ring für die Schwertkämpfe dient. Wobei das nur eine Disziplin dieses sehr speziellen Kampfsports ist. Denn in manchen Kämpfen nutzen dessen Anhänger alle Waffen, mit denen sich zuschlagen lässt. Außer Schwertern sind das Äxte und Beile sowie runde Stahlkugeln am Ende von Stöcken.

Deren Wirkung ist an den Rüstungen zu erkennen. Vor allem viele Helme, aber auch Brustpanzer sind mit Dellen gezeichnet. Denn die Vollkontakt-Schwertkämpfer, die in Deutschland in der Eisenliga organisiert sind, führen keine Schaukämpfe aus. Bei ihren Turnieren geht es darum, den Gegner zu besiegen. Dabei fließt jedoch kein Blut, außer nach kleineren Kratzern. Vor größeren Verletzungen schützen die Rüstung, die den ganzen Körper bedeckt, und wattierte Kleidung. Viele Schwertkämpfer tragen darunter noch moderne Protektoren, etwa aus dem Motorradsport.

Schwertkampf in Nidda: Kraft, Kondition, Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn gefragt

Das Ziel der Kämpfe ist es, den Gegner zu Boden zu werfen. Deshalb entwickeln sich nach anfänglich weit ausholenden Hieben bei den meisten Kämpfen Rangeleien mit innigen Umarmungen. Letztlich entscheiden dann Kraft, Kondition oder Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn, wer sich länger auf den Beinen halten kann.

Maximal 10 Minuten dauert eine Kampfrunde. Diese Zeit ließe sich in einer solchen Umklammerung durchaus überstehen. Doch spätestens im Buhurt, der Massenschlacht, wenn bis zu jeweils 10 Kämpfer von zwei Mannschaften aufeinander treffen, wachsen die Herausforderungen.

Ziel ist es, den Gegner zu Boden zu bringen. Dafür wird nicht nur das Schwert, sondern auch der Körper eingesetzt.

Was für den unvoreingenommenen Beobachter wie Raufereien großer Jungs aussieht, ist keineswegs nur eine Männersportart. Auch Frauen stürzen sich in das Kampfgetümmel. Melanie Gras aus Boppard ist seit fünf Jahren Vollkontakt-Schwertkämpferin. Angefangen hat die Begeisterung für dieses spezielle Hobby bei der 38-jährigen Schwimmmeisterin und Personaltrainerin mit dem Besuch von Mittelalter-Märkten.

»Ich finde Geschichte sehr interessant«, sagt sie. Dazu locke sie die besondere Atmosphäre. »Wenn man Mittelaltermärkte besucht, das entschleunigt. Dort gibt es keine Computer, kein Smartphone.« Dazu kommen die persönlichen Beziehungen. »Die schonen sich überhaupt nicht, die hauen sich voll auf die Mütze und am Abend feiert man zusammen.« Außerdem seien die Schwertkämpfe ein internationaler Sport, bei dem man mit der ganzen Welt in Kontakt komme. »Ich war schon in 12 Ländern durch den Sport«, sagt Gras.

Schwertkampf in Nidda: Mit Rüstung ins Fitnessstudio

Auch Nicole und Axel Friedersdorf haben bereits an einer Reihe internationaler Wettkämpfe teilgenommen. »Es ist unsere siebte WM in Folge«, erklärt Axel Friedersdorf, der mit seiner Frau um Plätze im Nationalteam kämpft. Sie freuen sich, dass die Qualifikationskämpfe zu Hause in ihrem Schlosshof stattfinden. »Geplant war eigentlich nur ein Trainingsturnier«, erläutert Nicole Friedersdorf. Dann habe der Verband gefragt, ob man nicht auch die Qualifikation in Nidda austragen könne. Denn bei diesen Wettkämpfen, die immer zu Jahresbeginn stattfinden, sei es schwer, geeignete Hallen zu finden. Sporthallen würden wegen der empfindlichen Böden ausscheiden, in Reithallen sei es zu schmutzig. Weil an diesem Wochenende auch noch das Wetter mitspielte, war der historische Schlosshof eine ideale Wahl.

Doch nicht nur die Kämpfe sind Teil des Trainings. »Ab nächster Woche beginne ich mit dem Ausdauertraining«, berichtet Nicole Friedersdorf. Dann joggt sie in voller Rüstung drei bis fünf Kilometer durch die Niddaer Umgebung. Sie habe auch schon in Rüstung auf dem Laufband im Fitnessstudio trainiert, erzählt sie. Obwohl die Szenerie etwas von »Verstehen Sie Spaß?« gehabt haben muss, habe sie aber niemand angesprochen, sagt ihr Mann Axel.

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