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Die CNC-Brückensäge nimmt Martin Röhling (l.) und Nils Wegener, inzwischen nicht mehr Lehrling, sondern Geselle, einige Arbeit ab. Genug zu tun ist trotzdem - gerade zurzeit.

In Steinmetzbetrieb

Nils Wegener als »Lehrling des Monats« geehrt

  • VonOliver Potengowski
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Bei einer Feierstunde auf dem Hof des Steinmetzbetriebs von Martin Röhling hat der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Stefan Füll, den 19-jährigen Nils Wegener als »Lehrling des Monats« ausgezeichnet.

Die seit 1999 mit dem Titel geehrten Lehrlinge sollen die Vielfalt des Handwerks zeigen und möglichst auch das Interesse von Schulabgängern bei der Berufswahl wecken.

Kammerpräsident Füll sagte, dass es ein schöner Anlass sei, zur Verleihung des Titels in die Region zu reisen. Er dankte Röhling, dass er Wegener vorgeschlagen habe, weil dieser gute Arbeit leiste und mitdenke. »Er verfolgt das Ziel, den elterlichen Steinmetzbetrieb in Zukunft weiterzuführen«, schreibt Röhling in der Bewerbung. »Dieses Streben merkt man Nils bei der Arbeit positiv an«, lobt er, dass sein früherer Lehrling auch im Verhalten zu Kunden und Mitarbeitern vorbildlich sei.

»Seit der Autobahn sind wir an vier Ausbildungsbetrieben mit ›Lehrlingen des Monats‹ vorbeigekommen«, freute sich Füll über die Stärke des Handwerks in der Region. »Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.« Offenbar gebe es keinen Mangel an motivierten Lehrlingen. Das viele Material auf Röhlings Hof sei ein Indiz für die gute Auftragslage.

Meisterprüfung im Blick

Er lobte Röhling, der bereits vielen jungen Menschen Können, Wissen und Tradition eines der ältesten Handwerke vermittelt habe. »Es muss immer beides passen«, sagte Füll. »Als Lehrling braucht man auch einen Betrieb, in dem man sich entfalten kann.«

Die Summe der Möglichkeiten und auch das Betriebsklima hätten den Ausschlag bei der Wahl seines Ausbildungsbetriebs gegeben, sagte Wegener. Zuvor hatte er sich bei zwei Praktika informiert. Für Röhling habe gesprochen, dass der Betrieb neben Neuanfertigungen z. B. von Küchenarbeitsplatten oder Grabmalen auch stark im Denkmalschutz engagiert ist. So wird Röhling in den nächsten Monaten an vielen Schulen im Kreis Bauelemente aus Sandstein restaurieren. »Ich wollte nicht nur auf dem Friedhof arbeiten.«

Genau genommen kommt der Titel »Lehrling des Monats« ein paar Tage zu spät: Gerade hat Wegener seine Gesellenprüfung abgelegt. Der Handwerkstradition entsprechend, verlieh Röhling ihm ein eigenes Steinmetzzeichen, mit dem er nun seine Werkstücke markieren darf. Wenn Wegener, wie er es vorhat, die Meisterprüfung abgelegt habe, dürfe er das Zeichen auch im Wappen tragen. »Du darfst aber nicht unsittlich werden und den Beruf schlechtreden«, ermahnte Röhling seinen früheren Lehrling scherzhaft.

Zu solchen Befürchtungen besteht offenbar aber kein Anlass. Zwar neckten seine Kollegen Wegener mit Anekdoten über Missgeschicke während der Lehrzeit. Doch dabei bestand keinerlei Zweifel, dass er ein würdiger Vertreter des Handwerks ist. Auch Alfred Graf von der Steinmetzinnung Oberhessen zeigte sich »stolz, dass wir einen ›Lehrling des Monats‹ in der Innung haben«.

LEADER-Erfolg

Dass Nils Wegener als Lehrling des Monats Juni bei der Niddaer Firma Röhling ausgezeichnet werden konnte, ist auch ein Erfolg des LEADER-Förderprogramms, ein EU-Programm zur Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum. Martin Röhling bekam aus dem Förderprogramm einen Zuschuss von 45 000 Euro zum Kauf einer Fünf-Achsen-CNC-Brückensäge, die insgesamt 135 000 Euro kostete.

Voraussetzung für die Förderung war, dass die computergesteuerte Säge in der Region innovativ ist und auch andere Betriebe sie nutzen können. Eine weitere Bedingung war, im Zusammenhang mit der Anschaffung der Maschine einen neuen Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz zu schaffen. Diese Bedingung zu erfüllen, fiel Röhling nicht schwer, denn seit er vor zehn Jahren den Steinmetzbetrieb mit inzwischen sechs Mitarbeitern übernommen hat, wurden sechs Lehrlinge zu Steinmetzgesellen ausgebildet. Zwei neue Azubis, die im August ihre Lehre beginnen, zeigen, dass Röhling der Erhalt des Traditionshandwerks wichtig ist.

Die CNC-Brückensäge hingegen weist in die Zukunft. Weil sie Werkstücke nicht nur computergesteuert zuschneidet, sondern auch automatisch auseinander setzt, spart sie viel Zeit. Röhling erläutert, dass Zuschnitte, für die vorher vier Stunden benötigt wurden, jetzt in 20 Minuten fertig sind. Darüber hinaus können vor allem sehr komplizierte Formen mit Rundungen automatisiert zugeschnitten werden.

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