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»Nebelflößer«: Fantasy und doch nicht irreal

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Die Geschichte spielt im späten 18. Jahrhundert in und - das ist Fakt und Märchen zugleich - über Großbritannien. Sarah Meinhardt präsentiert ihr neues Buch »Nebelflößer«. © PM

Sarah Meinhardt aus Unter-Widdersheim steckt voller Geschichten. Ihre Erzählungen haben komplett verschiedene Richtungen. Ihr neues Buch ist wieder ein Fantasy-Roman.

Sarah Meinhardts neuester Roman »Nebelflößer« ist dieser Tage als e-Book herausgekommen und ist ab heute in allen gängigen Buchhandlungen sowie über den Online-Shop der Autorin bestellbar. Auch wenn die Geschichte ein Fantasy-Roman ist, reflektiert die 31-Jährige darin ein Stück weit ihre eigenen Erlebnisse.

Die Geschichte spielt im späten 18. Jahrhundert in und - das ist Fakt und Märchen zugleich - über Großbritannien. Die Hauptprotagonistin Willow lebt unter den Nebelflößern, einem indischstämmigen und vertriebenen Volk. Magische Kometensplitter haben das Volk vor über 300 Jahren in den Nebeln und über den Wolken ihre Heimat finden lassen. Willow hingegen wurde auf der Erde geboren, ist aber unter den Nebelflößern aufgewachsen. Dies bringt für sie einige Schwierigkeiten mit sich, denn sie gehört nirgendwo so richtig hin. Sie muss sich beweisen. Als plötzlich die Erdlinge in Heißluftballons die Lüfte entdecken und der junge Wissenschaftler Jackson Smith auf ihrer Wolke landet, wirbelt das Geheimnisse auf. Die Nebelflößer stehen vor einer Bedrohung. Kann Willow ihre Lieben retten?

Ein persönliches Buch geworden

In Willow steckt ein Stück Sarah. »Nebelflößer ist ein sehr persönliches Buch geworden. Die Idee dazu kam mir mit vierzehn Jahren, als ich unter extremem Mobbing litt und täglichen Torturen in der Schule ausgesetzt war. Wenn sich andere mit ihren Freunden nach dem Unterricht getroffen haben, saß ich an meinen Geschichten und entwickelte meine eigene Welt, in der die Protagonistin stark war. Stärker, als ich es damals sein konnte«, beschreibt die junge Frau aus Unter-Widdersheim.

Mit einem Schulwechsel entspannte sich die- Situation, sie wurde geschätzt, konnte neu anfangen. Die 31-Jährige hat heute die Vertriebsleitung für den Export in einer Firma inne.

Das Schreiben blieb ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben. Mit Nebelflößer verarbeitet sie einige der damaligen Erfahrungen. Das macht das Buch authentisch. Freundschaft, Ablehnung sowie Akzeptanz sind Themen, mit denen viele junge Menschen hadern.

Der Roman wurde innerhalb von vier Monaten fertig. Auf ihrem Youtube-Kanal redet Sarah Meinhardt sehr offen über die Schulzeit. Manche Erinnerungen setzen ihr sichtbar zu. Das war während des Schreibens ähnlich. »An manchen Tagen war ich fix und fertig und ziemlich aufgelöst.«

Ihren Romanfiguren gewährt sie ein gewisses Eigenleben, soll heißen, sie lässt deren mögliche Gedanken und Handlungen fließen, um sie, wie Sarah Meinhardt beschreibt, später wieder einzufangen. Das war zum Beispiel notwendig, als sie merkte, dass sie plötzlich drei Bösewichte und Konflikte erschaffen hatte und diese Eigendynamik und Turbulenzen schließlich zu einer Schreibblockade führten. Wenn die junge Autorin von einer Blockade spricht, fallen einem so manche Dichter ein, die über Monate oder Jahre an ihren Werken verzweifelten, bis sie wieder die Feder schwangen. Im »Tempo Meinhardt« heißt das drei Tage und das anschließende Löschen von etwa 10 000 Wörtern. Ein Aderlass, der dem Buch letztlich guttat, sagt sie. Der Knoten war gelöst.

Bittersüßes statt rosarotes Ende

»Das Ende meines Romans wurde dann auch anders als geplant«, erzählt sie. Vorgesehen war ein Happy End, doch nun sei es bittersüß.

Ihre Figur Willow erfährt Ausgrenzung, trifft im letzten Teil des Buches ihren Peiniger, muss sich mit ihm zusammenschließen. Und sie lernt zu verzeihen und zu akzeptieren, dass sich Menschen ändern können. »Als ich den Roman beendet hatte, war dies auch für mich ein gewisses Abschließen und ich gewann viele Erkenntnisse während des Schreibens, die mir vorher nicht bewusst waren. Dass man an den schlimmen Momenten, die einem angetan wurden, auch wachsen kann.«

Was sie besonders freut, ist, dass sie in Gesprächen mit einer Lehrerin des Gymnasiums Nidda ist, um dort den einen oder anderen Deutschkurs zu besuchen und über das Schreiben und Lesen zu sprechen.

Die Überlegungen zu einer Fortsetzung der »Nebelflößer« sind da. Auch Leser des neu erschienen Buches fragen schon nach einem zweiten Band, was auch mit dem Wunsch verbunden ist, dass das Ende nicht zwingend »bittersüß« bleiben muss.

Sarah Meinhardt will ihr Buch auch vertonen lassen. Das sei nicht gerade günstig, wenn man es mit einem professionellen Sprecher umsetzen möchte, sagt sie.

Daher hat sie ein Spendenprojekt auf »Kickstarter« ins Leben gerufen. Sollte die Summe zusammenkommen, wird das Buch von Solidaudio und dem bekannten Sprecher und Synchronschauspieler Linus Kraus vertont. Die junge Frau aus Unter-Widdersheim hat bereits das erste Kapitel vertonen lassen. Dieses kann man auf Youtube einsehen.

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