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Mädchen misshandelt und geschlagen

Nidda/Gießen (hin). Ein 28-jähriger Handwerker hat in Nidda, zusammen mit einigen Freunden, zwei Mädchen geschlagen und misshandelt. Zwei Jahre ist das her. Er wurde für seine Taten angeklagt, das Verfahren wurde eingestellt – gegen eine Arbeitsauflage.

Allerdings hielt der aus Ober-Schmitten stammende Jonas K. (Name geändert, die Red.) es nicht für nötig, die Auflage zu erfüllen, weshalb er in dieser Woche erneut vor dem Gießener Jugendschöffengericht stand. Richterin Beate Mengel verurteilte K. zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Zudem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

K. und seine Freunde hatten die beiden Mädchen am 22. und 23. September 2012 "abgemahnt", wie sie es nannten. Die Mädels, so der Angeklagte, hätten Sachen behauptet, die nicht stimmten, dafür sollten sie bestraft werden. Die Strafe fiel recht drastisch aus. Die Mädchen wurden gleich an zwei Abenden hinter dem Rewe-Markt in Nidda abgefangen, zu Boden gestoßen, geschlagen, getreten und bespuckt. Eines der Mädchen geriet in Panik, als ihr eine Spinne an den Mund gesetzt wurde. Die Männer zogen dem Mädchen die Leggings und Jeans aus und zündeten sie an. Ihre Begleiterin wurde gezwungen, hochprozentigen Alkohol zu trinken. Außerdem wurde ihr Erde in den Mund geschoben. Die Männer filmten die Misshandlungen.

K. sagte während der Verhandlung, er bereue die Taten, habe sich bei den Mädchen entschuldigt. Grund der damaligen "Bestrafung": Ein Mädchen habe behauptet, von K. sexuell missbraucht worden zu sein. "Das habe ich aber nicht", betonte K. Das andere Mädchen habe ihn bestohlen.

"Gutwillige Einrichtung verärgert"

Der Vertreter der Anklagebehörde nahm sich viel Zeit, um dem Beschuldigten den Sachverhalt noch einmal vor Augen zu führen und ihm klar zu machen, wie dumm die Entscheidung gewesen sei, die Chance aus dem ursprünglichen Verfahren nicht zu nutzen. Hätte K. die Arbeitsstunden geleistet, so wie seine Freunde es getan haben, wäre das Verfahren nicht nochmal aufgerollt worden, K. hätte sich zudem die Bewährungsstrafe erspart.

K. hatte von 100 auferlegten Arbeitsstunden des ersten Verfahrens nur drei absolviert. Oft war er nicht zu seinem Dienst erschienen, war zu spät gekommen, hatte sich krank gemeldet oder war schnell wieder verschwunden. In einer Beurteilung seiner Arbeitsleistung stand, K. sollte "keine Gelegenheit mehr erhalten, eine gutwillige Einrichtung zu verärgern".

Um dem Angeklagten die Bedeutung einer Bewährungsstrafe deutlich zu machen, beantragte der Staatsanwalt gleichwohl, die Arbeitsauflage noch zu erhöhen. Die Strafe selbst bewegte sich am unteren Rand des Strafrahmens, auch, um die Verhältnismäßigkeit zu den Strafen der Freunde zu wahren. Verteidiger Konstantin Krauskopf folgte in seinem Plädoyer den Ausführungen des Staatsanwalts. Er stellte keinen konkreten Antrag.

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