Ausnahme-Azubi: Aaron Wenzel hat gerade den Rudolf-Achenbach-Preis auf Landesebene gewonnen.	FOTO: IM
+
Ausnahme-Azubi: Aaron Wenzel hat gerade den Rudolf-Achenbach-Preis auf Landesebene gewonnen. FOTO: IM

Kochen auf Meisterniveau

  • vonInge Schneider
    schließen

Nidda/Gedern (im). Er ist wieder im Lande - strahlend, geschmückt mit einer Medaille von der IKA/Olympiade der Köche in Stuttgart und schon mit einem weiteren Preis, nämlich einem Hessenmeistertitel, in der Tasche: Hinter Aaron Wenzel liegt ein ereignisreicher Monat. »Es war anstrengend, aber wunderschön, ich möchte es nicht missen. In Stuttgart wurden wir umsorgt wie die Olympioniken des Sports - und wir haben im Team alle bis zum Schluss die Nerven behalten«, erzählt der 22-jährige Absolvent des Gymnasiums Nidda, der seit Dezember 2018 eine Ausbildung zum Koch im Schlosshotel Gedern bei Hubertus Schultz absolviert (die WZ berichtete). »Unfassbar, dass ich tatsächlich erst im zweiten Lehrjahr bin - es ist inzwischen dermaßen viel passiert«, wundert sich der junge Mann über sich selbst.

Auch sein Chef ist preisgekrönt

Direkt nach der Olympiade der Köche, bei der die deutsche Jugendnationalmannschaft für ihr Büfett eine Goldmedaille, für ihr Menü eine Silbermedaille und für ihre Gesamtteilnahme Platz fünf bekam, stand die nächste Konkurrenz für den Ausnahme-Azubi an: Beim Rudolf-Achenbach-Preis des Verbands der Köche Deutschlands (VKD) errang Aaron Wenzel am Wochenende den ersten Preis. Als Hessenmeister seiner Altersklasse ist er damit qualifiziert für den Bundesentscheid am 25./26. April 2020.

»All das wäre nicht möglich ohne die Unterstützung meines Chefs und meiner Familie«, sagt Aaron Wenzel. Mit Hubertus Schultz hat er einen Ausbildungsleiter an seiner Seite, dessen eigene Preise inzwischen Regale bedecken.

Jüngstes Beispiel: Soeben erhielt Schultz die Auszeichnung »Top-Ausbilder des Jahres 2020« des Fachmagazins »Cooking & Catering Inside«. Dafür filterte eine hochkarätige Jury aus einer Vielzahl von Bewerbungen diejenigen Einzelpersönlichkeiten bzw. Ausbildungsunternehmen heraus, die sich vor allem um den fachlichen Nachwuchs verdient machen.

Gewinner Schultz ist zudem Träger von drei Löwen der Qualitätsgemeinschaft »Hessen à la carte« (verliehen bis 2022) und Leiter eines vom VKD seit Langem zertifizierten Ausbildungsbetriebs. Für den agilen Mann, Jahrgang 1963, 1988 Deutschlands jüngster Küchenmeister, ist das aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Es komme ihm vor allem darauf an, junge Menschen für den Kochberuf zu begeistern und gastronomische Betriebe für die Ausbildung zu motivieren, betont er.

Neben Top-Absolventin Christiane Eismann, die Schultz soeben mit der Abschlussnote 1.0 an das Schlosshotel Kronberg abgegeben hat, gehört Azubi Aaron Wenzel zu seinen Aushängeschildern. »Für den Achenbach-Preis musste er innerhalb von fünf Stunden ein Vier-Gänge-Menü für sechs Personen aus einer Blackbox, also einem vorher unbekannten Warenkorb, zubereiten«, erläutert Schultz. Sein Azubi zählt die einzelnen Gänge auf: »Als Vorspeise ein Duo von der Bachforelle mit Weißwein-Schaum und Tomaten-Lauche-Confit, als zweiten Gang Parmesan-Pasta auf einem Wurzelgemüsebett. Der Hauptgang bestand aus rosa gegartem Lammrücken mit Lammragout, feinem Ratatouille-Gemüse und Kartoffel-Igeln, das Dessert aus Käsekuchenschaum auf einem Weißen-Schokoladen-Ganacheboden, Himbeerpüree und Limetten-Minzquark, dazu gebackenes Quarkbällchen.«

»In fünf Stunden, frisch auf den Punkt: Das ist Meisterniveau - im zweiten Lehrjahr«, freut sich Hubertus Schultz über die außerordentliche Leistung seines Auszubildenden bei diesem Menü, das die Durchschnittshausfrau womöglich vor Probleme stellen würde. Aaron Wenzel lächelt. Der junge Mann, der eigentlich Börsenmakler werden wollte, hat definitiv seine Bestimmung gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare