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Eigentlich wollte Aaron Wenzel Börsenmakler werden. Doch erst als Koch-Azubi fand er Beruf und Berufung. Ab heute kämpft er im Jugendnationalteam bei der Koch-Olympiade. FOTO: VKD

Kochen um die Goldmedaille

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Nidda(im). Die Spannung steigt: Am heutigen Freitag beginnt die Olympiade der Köche in Stuttgart. 2000 Köchinnen und Köche aus rund 70 Nationen treten nach dem Entzünden des Olympischen Feuers an, um miteinander unter den kritischen Augen von 50 Juroren um die Goldmedaillen zu wetteifern. Mittendrin: Aaron Wenzel aus Nidda.

Der 22-Jährige ist seit 2018 Auszubildender unter Meisterkoch und Hotelier Hubertus Schultz im Schlosshotel Gedern. Der Betrieb ist bereits des Öfteren als Talentschmiede hervorgetreten, hat mit Christiane Eismann soeben eine 1,0-Absolventin in der Ausbildung zur Jungköchin hervorgebracht.

Erst Büfett, dann Drei-Gang-Menü

Und nun folgt Aaron Wenzels große Woche: Gemeinsam mit dem Team der Jugendnationalmannschaft der Köche unter Bundestrainer Paul Emde und Teammanager Ronny Pietzner tritt er gegen die besten jungen Küchenteams der Welt an. Am Mittwoch werden die Sieger geehrt.

"Allein die Teilnahme an diesem ältesten und größten internationalen Wettbewerb der Kochkunst ist für jeden, der dabei sein darf, eine große Auszeichnung und eine Riesen-Chance, zu zeigen, was in ihm steckt", freut sich der bodenständige junge Mann, der sich mit seinen Kollegen seit Monaten in vielen Trainingseinheiten vorbereitet hat.

Zwei Wettkampftage sind vorgesehen. "Wir Junioren erstellen am Samstag innerhalb weniger Stunden ein Büfett für zwölf Personen, am Montag ist ein Drei-Gang-Menü für 60 Personen von uns gefordert. Das Menü wird anschließend im Restaurant der Nationen verkauft und am Tisch serviert."

Die Vorgaben für beide Teile des Wettkampfs sind seit einem Jahr bekannt und wurden vom Träger der Olympiade, dem Verband der Köche Deutschland, und der Jury festgelegt. "Das Menü wird aus einer vorwiegend warmen Vorspeise mit Fisch, einem Hauptgang mit Fleisch sowie einer Kreation mit zwei verschiedenen Texturen zum Dessert bestehen. Das Büfett umfasst kaltes und warmes Finger-Food, eine warme Hauptspeise, ein veganes Gericht, Meeresfrüchte, Wild und verschiedene Desserts."

Von der badischen Oma beeinflusst

Mit dem Schwerpunkt "Heimische Produkte - regional und saisonal", den sich die deutschen Senioren und Junioren gemeinsam gesetzt haben, kommt Aaron Wenzel bestens zurecht. Nichts anderes hat er von Kindheit an bei seiner badischen Großmutter kennengelernt, seine laufende Ausbildung bei Hubertus Schultz im Schlosshotel Gedern hat diese Prägung noch verstärkt. "Dabei wollte ich eigentlich Börsenmakler werden, habe dann in Nidda mein Abitur am Gymnasium abgelegt und mich nach der Bundeswehr als Student versucht", erzählt der 22-Jährige. Doch Schreibtisch und Bibliotheken waren nicht sein Ding. Erst als Koch-Azubi fand er Beruf und Berufung, verblüffte Chef und Berufsschullehrer in Butzbach mit seinem Talent.

Aaron Wenzel hat zahlreiche junge Kollegen überholt und ist doch voller Spannung: "Ob die vielen Handgriffe und Abläufe, an denen unser Team seit Monaten feilt, auch unter Stress funktionieren, das zeigt sich erst am Samstag und am Montag - und bei der Siegerehrung", weiß er. Der Gesamttitel "Olympiasieger 2020" wird aus den Punktzahlen in den Kategorien "National", "Jugend", "Gemeinschaftsverpflegung" (für Küchenteams im Dienst von Mannschaften, Camps und Großveranstaltungen) und "Streitkräfte" (für Teams im Dienst des Militärs) vergeben. Zusätzlich gibt es Olympiatitel und Goldmedaillen in jeder einzelnen Kategorie. Aaron Wenzel hofft, dass die Deutsche Jugendnationalmannschaft den Platz ganz oben auf dem Treppchen erobert - und Deutschland als Ganzes selbstverständlich den Gesamttitel.

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