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Lieblingskino 2019

Dem Kinosterben trotzen: »Lumos Lichtspiel & Lounge« punktet mit außergewöhnlichem Konzept

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Das »Lumos Lichtspiel und Lounge« stemmt sich gegen das Sterben des Kinos außerhalb der Großstädte. Das »Lieblingskino 2019« setzt auf moderne Technik und eine familiäre Atmosphäre.

Nidda - Drei Quereinsteiger eröffnen ein Kleinstadtkino und stechen die bundesweite Konkurrenz aus - das könnte der Stoff für einen Spielfilm sein. Doch es ist weder Film noch Fiktion: Es ist die Geschichte des »Lumos Lichtspiel & Lounge« in Nidda, das im Januar auf der Münchner Filmwoche als »Lieblingskino 2019« ausgezeichnet wurde.

Dabei scheint das Lumos angesichts des Trends zum Großkino aus der Zeit gefallen: 619 Plätze und sechs Säle - das ist weit von den Megaplexen der Großstädte entfernt. Allerdings ist das 2015 eröffnete Lichtspielhaus auch kein Nostalgie-Kino mit veralteter Ausstattung: Es gibt hochauflösende Digitalprojektoren, moderne Phosphor-Laser-Technologie, 3D-Filme und Couches mit Beinauflage.

Steffen Presse

»Wir müssen uns vor großen Kinos nicht verstecken und können mit familiärer Atmosphäre und Wohlfühlfaktoren punkten«, sagt Steffen Presse, einer der drei Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter. Den Titel »Lieblingskino 2019« bekam das Lumos durch eine Online-Abstimmung mit 62 000 Teilnehmern und eine Jury-Entscheidung des Internetportals Moviepilot. Die Lumos-Betreiber setzten auf »Kino als soziales Zentrum«, lautete die Begründung.

»Ein Kino in einer Kleinstadt muss sich an alle richten«, erklärt Presse. So ist das Lumos gleichzeitig eine Bar. Es gebe Cocktails und Wein, Burger und Flammkuchen. Man könne Tische reservieren. Gezeigt werden Filme von Blockbuster bis Arthouse. Mit diesem Konzept stemmt sich das Lumos gegen einen jahrelangen Trend: Das Sterben des Kinos außerhalb der Großstädte.

Lumos Nidda: Trend zu medienübergreifende Veranstaltungen

Angestoßen worden sei diese Entwicklungen durch das Aufkommen der Großkinos Ende der 1990er Jahre, sagt Erwin Heberling, Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen. Innerhalb der vergangenen 18 Jahre seien Kinos aus 13 Städten und Gemeinden verschwunden. Doch nun spürt die Branche Aufwind. Sind Kinos wie das Lumos die Ursache? Herberling erkennt keine Trendwende: »Das Kinosterben ist keineswegs gestoppt, höchstens verlangsamt.« Auch die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) in Wiesbaden sieht in Kinos wie dem Lumos kein flächendeckendes Phänomen. Es handele sich um »Sonderprojekte, die Leute mit viel Engagement sehr gut aufgezogen haben«, erklärt Wilfried Berauer, Leiter Statistik und Marktforschung der SPIO.

Er bestätigt aber, dass die soziale und ökonomische Funktion der Kinos in Stadtteilen mehr in den Mittelpunkt rückt. Berauer spricht von einer »Renaissance der Ausgehkultur«. Herberling sieht einen Trend den »soziokulturellen Charakter« der Kinos zum Beispiel durch medienübergreifende Veranstaltungen wie passende Lesungen und Musikveranstaltungen zu stärken.

Lumos Nidda: Konkurrenz durch Streamingdienste

Das technische Wettrüsten ist laut der SPIO nicht mehr allein entscheidend im Kinomarkt. »Es ist nur einer von vielen Punkten«, sagt Berauer. 3D-Technik beispielsweise sei anfangs sehr erfolgreich gewesen. Nun sehe mancher Besucher sein Gemeinschaftserlebnis sogar durch die 3D-Brille gestört. Wichtig bleibe für Kinos die Ware Film, von der es zu viel gebe. »Das Angebot steigt immer mehr und der Raum, in dem sie es verkaufen, ist begrenzt«, sagt Berauer. Kinos reagierten darauf, indem sie in Verbünden die Filme kuratierten.

Einig sind sich Filmbüro und SPIO, dass die neue Konkurrenz fürs Kino durch Streamingdienste überschätzt wird. »Die Streamingdienste haben sicherlich Auswirkungen auf den Kinobesuch, vor allem bei den jüngeren Besuchergruppen«, erklärt Heberling. Man könne aber allein aus der steigenden Streamingnutzung keinen Automatismus für die Kinonutzung ableiten.

Lumos Nidda: Mehr Kinos in Hessen

Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) stieg im vergangenen Jahr die Zahl der hessische Kommunen mit Filmtheatern um vier auf 75. Die Zahl der Kinos erhöhte sich um 7 auf 129, die der Säle von 332 auf 346. Laut der FFA liegt das zwar zum Teil an einer geänderten statistischen Zuordnung von Wanderkinos, dennoch gebe es auch ein kontinuierliche Wachstum im Kinomarkt.

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