GZW-Geschäftsführer Wolfgang Potinius (54) erschossen

Nidda/Neu-Anspach (dpa/dab). Der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau, Wolfgang Potinius, ist am Montagabend erschossen worden. Der mutmaßliche Täter wurde wenige Stunden später im rund 50 Kilometer entfernten Neu-Anspach im Taunus von der Polizei gestellt. Zur Festnahme kam es allerdings nicht mehr: Der Mann erschoss sich vor den Augen der Beamten.

Potinius’ Frau hatte den 54-jährigen CDU-Politiker gegen 19.45 Uhr schwer verletzt in der Garage ihres Wohnhauses gefunden. Trotz Wiederbelebungsversuchen erlag der Klinikchef wenig später seinen erheblichen Verletzungen, teilten die Polizei in Friedberg und die Staatsanwaltschaft Gießen mit. Ihn hatte jeweils ein Schuss in Kopf und Oberkörper getroffen, wie die spätere Obduktion ergab.

Die Spurenlage am Tatort war so eindeutig, dass die Polizei von Anfang an wegen eines Tötungsdelikts ermittelte. Ute Sehlbach-Schellenberg, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Gießen, sagte, sofort eingeleitete intensive Ermittlungen hätten sehr schnell zu einem 56-jährigen Tatverdächtigen aus Neu-Anspach geführt. Der Mann sei am selben Abend von einer Familienangehörigen als vermisst gemeldet worden.

Bei einer ersten Überprüfung seiner Wohnanschrift konnte die Polizei den Tatverdächtigen nicht antreffen. Die Fahnder entdeckten dort aber später dessen Auto, forderten Verstärkung an. Gegen 1.30 Uhr erschien der Mann plötzlich vor seinem Haus – mit einer Waffe in der Hand. Die Aufforderung der Beamten, sie niederzulegen, ignorierte er. "Er erhob unvermittelt die Waffe und schoss sich in den Kopf", sagte Sehlbach-Schellenberg. Der 56- Jährige verstarb vor Ort.

Die weiteren Ermittlungen hätten den Tatverdacht gegen den Neu-Anspacher erhärtet – inwiefern, dazu schwiegen sich die Behördenvertreter aus. "Zu den genauen Hintergründen der Tat können derzeit keine Angaben gemacht werden." Ob die beiden Männer sich kannten, ob der mutmaßliche Täter sogar ein früherer Mitarbeiter des Gesundheitszentrums Wetterau war, dazu wollte Sehlbach-Schellenberg sich ebenfalls nicht äußern.

Dies hat die WZ allerdings aus sicheren Quellen erfahren. Demnach war der 56-Jährige aus Neu-Anspach bis 2007 beim GZW beschäftigt, in leitender Position. Dann wurde gegen ihn wegen des Verdachts der Unterschlagung und des Betrugs ermittelt. Das Verfahren wurde zwar gegen Auflagen eingestellt. Seinen Job war der Mann dennoch los. Er wurde in die Kreisverwaltung versetzt, wo er bis vor eineinhalb Jahren beschäftigt war, bis zu seinem Ausscheiden in den Vorruhestand aus gesundheitlichen Gründen.

"Keine Anhaltspunkte" gibt es laut Ermittlungsbehörden für das anfängliche Gerücht, dass es sich um eine Beziehungstat gehandelt haben könnte, genauer: dass Eifersucht das Motiv der Bluttat war.

Die Leiche des mutmaßlichen Täters soll am Dienstag untersucht werden. Mit Ergebnissen wird am frühen Nachmittag gerechnet.

Wolfgang Potinius wurde 2005 mit der Gründung des Gesundheitszentrums Wetterau einer von zwei Geschäftsführern, seit 2007 übte er diese Funktion alleine aus. Zuvor war er Betriebsleiter, später Wirtschaftsdirektor und Kaufmännischer Direktor des Hochwaldkrankenhauses in Bad Nauheim. Außerdem war der 54-Jährige einer von zwei Geschäftsführern der "Gourmet-Werkstatt".

Politisch engagierte sich Potinius bei der CDU, vor allem in seiner Heimatstadt Nidda. Er war Parteichef, Fraktionsvorsitzender und lange Jahre Parlamentschef. In der Kreis-CDU führte er zuletzt die Kasse.

Er hinterlässt eine Frau und eine Tochter.

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