Im Kurpark von Bad Salzhausen ist der Bestand des Echten Sellerie auf über 1000 Pflanzen angewachsen. SYMBOLFOTO: M. BOENISCH/JKI
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Im Kurpark von Bad Salzhausen ist der Bestand des Echten Sellerie auf über 1000 Pflanzen angewachsen. SYMBOLFOTO: M. BOENISCH/JKI

Wo der Echte Sellerie wächst

  • vonred Redaktion
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Nidda(pm). Zwischendurch schien er ganz aus dem Kurpark von Bad Salzhausen verschwunden, inzwischen ist sein Bestand dort wieder stabil. Nun ist für den sogenannten Echten Sellerie im Park ein genetisches Erhaltungsgebiet eingerichtet worden.

Der Echte Sellerie ist die Wildform vom Knollen- und Staudensellerie. Diese Art kommt an salzhaltigen Standorten vor und ist deutschlandweit gefährdet bzw. vielerorts bereits ausgestorben. Für die Züchtungsforschung sind Wildformen eine wertvolle genetische Ressource: Sie können Eigenschaften besitzen, die den Kulturformen verloren gegangen sind, Resistenzen gegen Krankheiten etwa. Um Wildpflanzen zu erhalten, die eine solche Bedeutung für die Züchtung besitzen könnten, werden daher genetische Erhaltungsgebiete eingerichtet.

In Nidda gibt es noch einen Standort des wilden Echten Selleries: im Kurpark von Bad Salzhausen. An den Quellen treten dort natürliche Salzwässer aus, und es kommen verschiedene Pflanzen vor, die Salz vertragen. Manche Arten der ursprünglichen Salzflora sind in den vergangenen 200 Jahren durch Veränderungen des Lebensraums verschwunden. Dazugehörte auch der Echte Sellerie. Günter Wagner, der frühere Gartenmeister des Kurparks, hatte 2000 noch auf eine Sellerie-Pflanze hingewiesen, die damals an einem Graben wuchs. In den Folgejahren konnten keine Pflanzen mehr gefunden werden. Die Art galt nicht nur hier, sondern in ganz Hessen als ausgestorben.

Neu gekeimt

Zur Förderung der Bad Salzhäuser Salzflora ließ der Naturschutzfonds Wetterau 2004 eine Bestandserfassung mit Pflegeplan durch die Firma PlanWerk erstellen. In den Folgejahren wurde ein Teil der Maßnahmen von den Gärtnern unter Leitung von Martin Nagorr umgesetzt. So wurden Gehölze entfernt, um die Verschattung der Quellen zu reduzieren, und Schilf gemäht.

2009 hat Kerstin Bär wenige Exemplare des Echten Sellerie wiedergefunden. Die Pflanzen müssen aus den Samen, die im Boden überdauert hatten, neu gekeimt sein, nachdem wieder Licht auf den Boden kam. Unter Obhut der Gärtner ging es stetig bergauf. Die Pflanzen blühen und fruchten jedes Jahr, und jetzt ist ihr Bestand auf über 1000 angewachsen.

Inzwischen hat auch die Fachstelle Wildsellerie am Julius-Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg, das Vorkommen in Bad Salzhausen unter Beobachtung. Nachdem es sich hier offensichtlich (wieder) um einen stabilen Bestand handelt, schlug die Fachstelle vor, ein genetisches Erhaltungsgebiet einzurichten. Neben der Beobachtung des Vorkommens gehört dazu, auch Samen zu entnehmen und in eine Genbank einzulagern. Das erleichtert Wissenschaftlern und Züchtern den Zugang zur Ressource.

Maria Bönisch von der Fachstelle Wildsellerie und Fachstellenleiterin Dr. Nadine Bernhardt kamen jetzt nach Bad Salzhausen. Sie überreichten Bürgermeister Hans-Peter Seum und Dr. Tim Mattern von der Unteren Naturschutzbehörde jeweils eine Urkunde, die die Unterstützung bei der Erhaltung des Selleries festhält. Mit dabei waren Martin Nagorr als leitender Gärtner, Kerstin Bär als Naturschutzbeauftragte der Stadt, Franka Hensen vom Naturschutzfonds Wetterau sowie Wolfgang Wagner und Anna Hannappel von PlanWerk. Bernhardt sagte, das genetische Erhaltungsgebiet setze ein wichtiges Zeichen und stelle eine Investition in die Zukunft unserer Nutzpflanzen dar.

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