sda_birkenhof_310721_4c
+
sda_birkenhof_310721_4c

Von Supermärkten und Privathaushalten

Andreas Emmel sammelt aussortierte Lebensmittel für Tiere

  • VonAndreas Chuc
    schließen

Tiere liegen ihm sehr am Herzen. Das beweist Andreas Emmel auch durch seine besondere Initiiative: Er beliefert Tierheime mit aussortierten Lebensmitteln zum Beispiel aus Supermärkten.

Die Tiere waren ein Grund. Ein anderer die vielen Lebensmittel, die Tag für Tag in deutschen Mülltonnen landen. Als Andreas Emmel, genannt Randy, überlegt hat, wie er seine freie Zeit sinnvoll nutzen kann, ist ihm deswegen die Idee gekommen, die beiden Dinge zusammenzubringen. Seit über einem Jahr fährt er regelmäßig Lebensmittel von A nach B - zum Beispiel von Supermärkten aussortierte Lebensmittel ins Tierheim.

Die Idee kam ihm im April 2019. Wegen der Frührente aufgrund von Krankheiten hatte der heute 43-Jährige Zeit, wie er erzählt. »Ich habe mich gefragt: Was machst du jetzt? Du bist noch viel zu jung, um nur zu Hause rumzusitzen.«

Tiere, erzählt er, haben ihm schon immer sehr am Herzen gelegen. »Vor allem Hunde. Ich liebe Hunde.«

Voll bepackt zu den Tieren

Dass täglich in deutschen Supermärkten und Privathaushalten tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen werden, ist auch kein Geheimnis. Er fragte bei den ersten Supermärkten an, was übrig bleibt, und bei möglichen Abnehmern, was sie bzw. die Tiere brauchen können.

Kurz darauf ging es los: Mit seinem Kombi fuhr er zweimal die Woche, mittwochs und freitags, zuerst die Supermärkte in Nidda und Glauberg ab, um dann mit einem voll bepackten Auto bei den Tieren vorbeizukommen, erzählt er.

Inzwischen hole er aussortierte Lebensmittel - vor allem Obst und Gemüse - in vier Supermärkten. Zudem seien Bäcker und Tankstellen dabei, ebenso Tierfutter-Läden, aber auch Privatpersonen, die Lebensmittel abgeben. Seine Abhol-Tour führt von Nidda über Glauberg, Ortenberg, Florstadt bis nach Echzell.

300 Fahrkilometer am Tag

Wenn das Auto voll ist, geht es auf den Birkenhof nach Nieder-Mockstadt (ein Gnadenhof), auf den Carlshof von Dani Müller (eine Hundepension, ein Gnadenhof und eine Waschbärauffangstation in Bellmuth) sowie zur Kaninchen-Meerschweinchen-Hilfe Wetterau in Nidda.

Pro Fahrtag seien es an die 300 Kilometer, die Randy mit dem Kombi zurücklegt - »200 für die Tiere, 100 für meine Abteilung Tafelarbeit«, denn er betreibt auch eine eigene Tafel und beliefert Privathaushalte.

Mit der Zeit sei die Idee gekommen, einen Verein zu gründen, damit auch Spenden gesammelt werden können.

Sparen auf einen Vereinsbus

Denn: Mit der Tour kommen eine Menge Kosten auf den »Animalfoodcollector« zu. Mittlerweile, erzählt er, fährt er nur noch einmal pro Woche - »mehr kann ich mir spritmäßig nicht leisten«. Sein Kombi sei immer gut gefüllt. Aktuell spare man deswegen auf einen Vereinsbus - damit mehr Lebensmittel pro Fahrt transportiert werden können.

Vergangenes Jahr, am 28. Juli, haben er und zwei weitere Tierfreunde dann einen Verein gegründet. Animalfoodcollectors Wetterau ist der Name. »Wir sind sehr stolz darauf«, sagt er. Der Slogan: »Was Sie wegwerfen, kann Tiere satt machen.« Auf der Startseite der Homepage steht: »12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll.

Großteil aus Privathaushalten

Ein Großteil dieser unglaublichen Menge entsteht in Privathaushalten - 75 Kilogramm pro Person und Jahr.« Und, heißt es weiter: »Schon im Supermarkt greifen wir instinktiv nach der formschönsten Banane, lassen den Salat mit den welken Blattspitzen links liegen und suchen im Joghurtregal ganz hinten nach dem besten Mindesthaltbarkeitsdatum.« Aber: Den Tieren ist es egal, »ob die Möhre eine Macke oder der Apfel eine Druckstelle hat. Man kann sie ja trotzdem essen.«

Ja, sagt Randy, es sei Arbeit, die vielen Lebensmittel einzusammeln, für die jeweiligen Tiere zu sortieren, zu verteilen. Aber: Es mache Spaß und Freude, mitzuhelfen, dass Lebensmittel nicht weggeschmissen, sondern stattdessen noch eine sinnvolle Verwendung finden würden. Außerdem, sagt Randy: »Meine Familie, vor allem meine Mutter, unterstützt mich sehr.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare