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Abkühlen, viel trinken: Die "Hitzerekord-Stadt" Bad Nauheim, in der es sonst tagsüber sehr lebhaft zugeht, ist am Donnerstag zur Ruhe gekommen.

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Bad Nauheimer Hitzerekord für Hessen hält nur kurz - So wird das Wochenend-Wetter

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Noch nie war es in Hessen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen so heiß wie am gestrigen Donnerstag. Der Bad Nauheimer Rekordwert hielt allerdings nur kurz. Nun informiert der Deutsche Wetterdienst über die Aussichten für das Wochenende.

Update, 26. Juli, 11.40 Uhr: Erstmals sind am Donnerstag in Hessen Temperaturen über 40 Grad gemessen worden. Für wenige Stunden hielt Bad Nauheim den Landes-Hitzerekord, dort wurden um 15 Uhr 40,1 Grad gemessen. Danach aber wurde in Frankfurt ein noch höherer Wert festgestellt: Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind am Donnerstag im Frankfurter Westend 40,2 Grad gemessen worden. Das ist der höchste Wert in dem Bundesland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 

Zuvor hatte der hessische Höchstwert bei 39,6 Grad gelegen, er war 2015 im Frankfurter Westend gemessen worden.

Hitzerekord: Deutschlandweit am Donnerstag an 25 Stationen 40 Grad oder mehr gemessen

"Ein Tag für die Wettergeschichte!", schrieb der DWD am Abend im Kurznachrichtendienst Twitter. Denn am Donnerstag wurde den vorläufigen Messwerten zufolge nicht nur ein neuer deutscher Rekord von 41,6 Grad im niedersächsischen Lingen erreicht, auch in fünf Bundesländern außer Hessen gab es Landes-Temperaturrekorde. An 25 Messstationen betrugen die Temperaturen am Donnerstag 40 Grad oder mehr. An 15 Stationen wurden Werte gemessen, die den von 2015 bis Mittwoch gehaltenen deutschen Rekord von 40,3 Grad im unterfränkischen Kitzingen überschritten.

Hitzerekord: So geht es am Wochenende mit dem Wetter weiter

Auch wenn nach Einschätzung des DWD der Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle erreicht ist, bleibt es am Freitag noch einmal heiß. Die Spitzentemperaturen könnten bei 39 Grad liegen. 

Dann jedoch ist die Extrem-Hitze vorerst überstanden. Spätestens in der Nacht zum Samstag ziehen Schauer und Gewitter über Hessen hinweg, die für einen spürbaren Temperaturrückgang sorgen.

Am Samstag werden noch 28 bis 32 Grad erreicht, am Sonntag liegen die Temperaturen dann nur noch bei deutlich angenehmeren 24 bis 28 Grad.

Erstmeldung, 25. Juli, 18.32 Uhr: Die Fußgängerzone ist um die Mittagszeit wie leer gefegt, Geschäfte sind annähernd verwaist. Das Personal schwitzt still vor sich hin, macht höchstens eine kurze Bemerkung über die extremen Temperaturen. Die Hitze hat Bad Nauheim im Griff. Tatsächlich scheinen die Werte in der Kurstadt höher zu sein als andernorts. Zwei von vielen Schlagzeilen, die genau ein Jahr auseinanderliegen, sprechen für diese Annahme: "Bad Nauheim wieder bundesweit wärmster Ort" (25. Juli 2018) und "Frankfurt und Bad Nauheim heißeste Orte in Hessen" (25. Juli 2019). 

Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich von der Pressestelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) relativiert solche Schlussfolgerungen. "Bei den Tageshöchstwerten tauchte Bad Nauheim in den letzten Jahren ein paar Mal auf, genauso wie viele andere Städte." Dabei spielten Zufälle, die das jeweilige Mikroklima beeinflussten, eine wichtige Rolle. "An diesem Tag muss an der Messstation nur kurz eine besonders heiße Windböe auftreten, schon liegt der Höchstwert dort ein Zehntel höher als woanders", nennt Friedrich ein Beispiel. 

Ohnehin habe die Standortwahl für die gut 500 Messstationen des DWD in Deutschland entscheidenden Einfluss auf die Rekordwerte. Die Meteorologen versuchen, alle Landschaftstypen und Lebensbedingungen abzubilden, gemessen wird auf dem hohen Berg, in der Talmulde, in der City oder – wie in Bad Nauheim – am Stadtrand. Wobei nach international anerkannten Normen konstruierte Messstationen immer gleich aussehen. Die kleinen Lamellenrondells sind auf einem zwei Meter hohen Mast montiert, der auf einer Wiese steht. "Darin befinden sich zwei Sensoren, die parallel arbeiten, um Falschmeldungen durch technische Probleme auszuschließen", erläutert Friedrich. 

Hessischer Hitzerekord in Bad Nauheim: Donnerstagnachmittag 40,1 Grad

Alle zehn Minuten meldet die Messstation ihre Werte automatisch an die Zentrale. Die Lage der Bad Nauheimer DWD-Messstation ist nach Ansicht des Wölfersheimer Wetterexperten Daniel Rüd prädestiniert für hohe Werte. "Sie ist auf dem Gelände von Johannitern und Feuerwehr zu finden. Rundherum sind viele Asphaltflächen und Gebäude, die Hitze abstrahlen", erläutert Rüd, der für die "Wetterfirma" von Jörg Kachelmann arbeitet. Die ermittelte Höchsttemperatur könne an einem solchen Standort um bis zu 0,5 Grad höher liegen als bei einer Station in der Nähe, die in einem großen, unbebauten Gelände steht. Natürlicher Boden könne Sonnenstrahlen besser absorbieren.

Nach Aussage von Rüd kommt es deshalb in Innenstädten erst am späten Nachmittag zu den höchsten Temperaturen. Asphalt oder Beton nehme Sonnenlicht auf und strahle Hitze langsam ab. Dadurch wärme sich die Luft zeitverzögert auf. Das wird vom DWD-Meteorologen Friedrich bestätigt: "Gegen 17 oder 18 Uhr, wenn die Sonne bereits recht niedrig steht, werden die höchsten Temperaturen erreicht. Die Annahme, im Sommer herrsche mittags die größte Hitze, ist falsch." Apropos Rekord: Am Donnerstagnachmittag meldete die Messstation der privaten "Wetterfirma" Meteo Group in der Talaue 39,6 Grad Celsius. Der DWD gab den Wert für Bad Nauheim gar mit 40,1 Grad an – wieder ein neuer Höchstwert für Hessen.

Zusatzinfo: Messstationen in der Wetterau

Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der eine Bundesbehörde und damit die amtliche Quelle für meteorologische Daten ist, betreibt in der Wetterau nur die Messstation in Bad Nauheim. Es gibt allerdings einige Privatunternehmen, die mit der Meteorologie Geld verdienen, etwa die Kachelmann GmbH oder die Meteo Group. Diese Firmen arbeiten unter anderem mit Versicherungen zusammen, um Risikoanalysen zu erstellen. Meteo Group betreibt in der Bad Nauheimer Talaue eine Messstation. Die Kachelmann GmbH hat zwei Stationen in Södel und Assenheim installiert.

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