Kamerafrau Katja Brinkmann filmt, während die Teilnehmer des Gesprächskreises erzählen. Das Foto zeigt (v. l.) Claudia Bernhardt, Bernhard Laux, Rudolf Pantze, Uli Betz, Heike Sucky und Margit Zeder.
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Kamerafrau Katja Brinkmann filmt, während die Teilnehmer des Gesprächskreises erzählen. Das Foto zeigt (v. l.) Claudia Bernhardt, Bernhard Laux, Rudolf Pantze, Uli Betz, Heike Sucky und Margit Zeder.

TV-Dreh in Steinfurth

Nahtoderlebnis: Der Moment, der alles verändert

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Für Menschen, die eine Nahtoderfahrung machen, ist danach nichts mehr, wie es war. In Steinfurth trifft sich alle drei Monate ein Gesprächskreis bei Bernhard Laux - diesmal vor der Fernsehkamera.

Tun Sie einfach, als sei ich nicht da, und schauen Sie bitte nicht in die Kamera«, sagt Katja Brinkmann zu den Menschen am Tisch. Sie ist die Kamerafrau, die den Gesprächskreis im Abschiedshaus Laux in Steinfurth filmt. Anlass ist ein Beitrag über Nahtoderfahrungen, den die Hessenschau in der Karwoche im Rahmen einer Wochenserie ausstrahlt. »Der Tod mitten im Leben - das Leben mitten im Tod« lautet der Titel.

Sechs Personen bilden an diesem Tag die Runde, darunter der Ansprechpartner der Gruppe, Bestatter Bernhard Laux. Acht bis zwölf Leute sind es meistens, die zusammenkommen, etwa Uli Betz aus Freigericht, der vor 23 Jahren eine eindrückliche Erfahrung gemacht hat.

Nahtoderlebnis: Begegnung mit der toten Schwester

»Ich hatte Fußball gespielt, verbunden mit einem Grillevent, und muss im Schlaf einen Hirninfarkt erlitten haben«, beschreibt er das Erlebnis im Gespräch mit dieser Zeitung. Morgens, beim Aufwachen in einem VW-Bus, tat ihm alles weh. »Nachts war ich in einer Situation gewesen, als setzte man mich aus der Welt raus. Ein Mann sagte mir, gleich werde etwas Wunderbares passieren - und auf einmal kam meine verstorbene Schwester um die Ecke. Es war kein Traum, sie stand mit Leib und Seele vor mir«, erzählt der 57-Jährige. Sie habe ihm das Jenseits gezeigt, das ein wunderschöner Ort gewesen sei, voller Leichtigkeit, Harmonie und Angenommensein.

Als er schließlich zurück ins Leben musste, habe er zunächst nicht gewollt. »Denk an unsere Eltern - und außerdem wirst du noch gebraucht«, habe seine Schwester daraufhin gesagt. Er sei zurück gegangen, habe allerdings große Schwierigkeiten gehabt, sich wieder zurechtzufinden. »Da habe ich eine Weile gebraucht, denn ich wollte wieder dorthin und diese Glückseligkeit erleben«, schildert Betz.

Reinkarnationstherapie gemacht

Erst später, durch Nahtod-Kontakte mit der mittlerweile verstorbenen Mutter, habe er sich arrangiert. Sie habe ihm geraten, das Leben zu genießen. »Ich bin wieder voll hier, stehe fest im Boden und freue mich an den kleinen Dingen«, sagt Uli Betz.

Vor zwei Jahren wurde bei einer MRT-Untersuchung der mittlerweile vernarbte Hirninfarkt bei ihm diagnostiziert. »Überlegen Sie, ob Sie vor 20 Jahren einen Schlag auf den Kopf bekommen haben«, sagte der Arzt. Tatsächlich erinnerte sich Betz an so etwas, denn ein halbes Jahr vor dem nächtlichen Erlebnis hatte er in eine Schlägerei eingegriffen.Als er zum ersten Mal zum Gesprächskreis gekommen sei, sei es wie eine Erlösung gewesen. »Ich habe gemerkt, du bist nicht allein.«

Bernhard Laux hat als junger Mann eine Nahtoderfahrung gehabt, als er in einer depressiven Phase gewesen ist. Er hat eine Leichtigkeit erlebt, die alles für ihn verändert hat.

Wie Fernsehautor Stefan Venator erläutert, sei er durch eine Internetsuche auf die Gruppe aufmerksam geworden. »Das Thema passt in die Bandbreite dieser Wochenserie«, erläutert er. Um beim Einzelinterview mit Gruppengründerin Heike Sucky aus Hattersheim nicht zu stören, gehen die anderen Teilnehmer in die Küche von Laux. Rudolf Pantze aus Wisselsheim erzählt, wie er zu dem Kreis gestoßen ist. »Ich habe bei Rüdiger Dahlke eine Reinkarnationstherapie gemacht und dabei von früheren Leben erfahren«, berichtet er. Nach einem Lektürestudium, auch über Nahtoderfahrungen, recherchierte er und fand den Kreis.

Nahtoderlebnis: Eine Leichtigkeit, die alles veränderte

Von morgens bis zum späten Nachmittag ist das Drehteam in Steinfurth. Die Fernsehleute verabschieden sich nun, Bernhard Laux geht mit raus. Als der 54-Jährige sein Nahtod-Erlebnis hatte, war er Ende 20 und depressiv. Er habe das Leben nicht mehr als lebenswert empfunden, allerdings ohne Selbstmordgedanken. Aber er habe beschlossen, sich von allem zurückziehen, worauf es auf der Autofahrt nach Hause passiert sei, erinnert sich Laux. Er habe die Silhouette einer goldenen Stadt gesehen, und das Universum habe sich ihm offenbart. Sein Gemütszustand habe sich gedreht, hin zu einer Leichtigkeit, die alles verändert habe. Ängste habe er seither nicht mehr, auch nicht vor dem Tod, denn den gebe es nicht. »Wir leben wie auf einer Theaterbühne, und wenn wir vor den Vorhang geschoben werden, wissen wir nicht, dass hinter dem Vorhang eine Regie existiert. Wir leben aber hier - und das sollten wir auch tun.«

Nahtoderlebnis: Treffen alle drei Monate

Deutschlandweit gibt es nur wenige Gesprächsgruppen zum Thema Nahtod - etwa in Berlin, Augsburg und München. Der Gesprächskreis Nahtoderfahrungenin Steinfurth trifft sich einmal pro Quartal am ersten Sonntag des betreffenden Monats um 10 Uhr. Nächster Termin ist Sonntag, 3. Mai. Treffpunkt sind die Räume in der Alten Schulstraße 13. Wer sich anschließen möchte, ist willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Infos gibt es auf der Homepage www.nte-hessen.de. Der Sendetermin des Hessenschau-Beitrags mit dem Arbeitstitel »Nahtoderfahrungen« steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig in dieser Zeitung bekanntgegeben. Geplant ist die Serie des HR mit dem Titel »Der Tod mitten im Leben - das Leben mitten im Tod« für die Karwoche (6. bis 12. April).

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