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Frisches, sauberes Wasser: Dank des Wasserprojektes, das die Organisation »NePals« ins Leben gerufen hat, sprudelt das Wasser jetzt direkt im Dorf aus einem Brunnen und ist für die Schulkinder sogar kostenlos.

Nachhaltig in Nepal

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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Frisches, erschwingliches Wasser, eine saubere Umgebung, eine Arbeit, für die es angemessenen Lohn gibt und die nicht gefährlich für die Gesundheit ist. Viele Menschen in Nepal haben das nicht. Deshalb hilft die Organisation »NePals«. Direkt und ehrenamtlich. Eine der Freiwilligen ist Louisa Fischbach aus Reichelsheim-Beienheim.

Sie stehen in Bergen von Müll, suchen nach Plastik, um es zu verkaufen: Eine unmenschliche Arbeit für die »Waste Picker« in Nepal. So nennt man dort die Menschen, die versuchen täglich 75 Kilogramm Plastik zu sammeln und zu verkaufen, um gerade einmal den Mindestlohn zu erhalten.

Dagegen und für viele Not leidenden Menschen in Nepal setzt sich die Organisation »NePals« ein. Eine der Freiwilligen ist Louisa Fischbach aus Reichelsheim-Beienheim. Sie studiert im dritten Semester Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt und engagiert sich seit dem Anfang ihres Studiums für »NePals«.

Mit ihrer Hilfe und der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher haben einige Dörfer in Nepal seit 2019 frisches, sauberes und erschwingliches Trinkwasser. Ein spezieller selbstreinigender Filter macht das möglich. Dieser Filter ist das Herzstück des dortigen Wasserzentrums, von dem rund 7000 Menschen profitieren. Die Organisation »Nepals« hilft vor Ort, indem Einheimische direkt eingebunden werden. »Es geht nicht um Nothilfe, sondern um Nachhaltigkeit«, betont Fischbach. Das Wasserzentrum ist mittlerweile an eine nepalesische NGO übergeben worden.

Alles, was erledigt werden muss, machen die Menschen in Nepal selber. Das hilft besonders jetzt in der Pandemie, denn im Mai mussten die letzten Freiwilligen zurück nach Deutschland. Alle Beteiligten sind allerdings sehr gut digital vernetzt. Das sei auch schon vor der Pandemie so gewesen. Einmal pro Woche gibt es sonntags einen »Update-Call« per Videochat. »Da ist es gar nicht so gravierend, dass wir momentan nicht vor Ort sein dürfen«, sagt Fischbach.

Das Wasserzentrum bietet Jobs für die Menschen vor Ort, die dort gezielt ihr Wissen einbringen können. Das Ergebnis: Das Zentrum hat zwar rund 30 000 Euro gekostet. Es finanziert sich aktuell komplett selber. Das Wasser kann dadurch sehr günstig an die Nepalesen verkauft werden, rund ein Drittel günstiger, als das saubere Wasser, das vor Ort sonst in Flaschen zu bekommen ist. Für Schulkinder - so hat es »NePals« ausgehandelt - ist das Wasser sogar kostenlos.

Giftige Dämpfe durch Verbrennen

Nachdem das Zentrum so gut angelaufen ist, wollte Fischbach sich weiter engagieren und hat sich einem neuen Projekt zugewandt: Dem Recycling-Projekt: »Nepal ist überfüllt mit Plastik«, weiß Fischbach. Jährlich entstehen ungefähr 430 000 Tonnen Müll. Viele verbrennen den Plastikmüll und atmen die giftigen Dämpfe ein, Abfall landet vielerorts auch auf dem Boden oder im Meer und gelangt so ins Grundwasser. Ähnlich zur Idee des Wasserzentrums möchte »NePals« ein besonders Recycling-Zentrum bauen. Es wird als »Waste-to-Value-Center« bezeichnet. Der Müll soll am Ende also wieder einen Wert haben. Entstehen soll es direkt neben den riesigen Müllbergen, auf denen die Müllsammler arbeiten. Sie sollen dann im Zentrum angestellt werden, Lohn und Sozialversicherung bekommen. Außerdem werden sie aufgeklärt, wie schädlich für Gesundheit und Umwelt das Verbrennen von Plastik ist. Die »Waste Picker« hätten im Zentrum die Aufgabe, den Müll zu schreddern und können den Abfall zu einem höheren Preis an die nepalesischen Recycler verkaufen. 80 Prozent des Plastikmülls könnten so wiederverwertet werden.

Für die restlichen 20 Prozent gibt es ein aktuelles Forschungsprojekt am Fraunhofer-Institut. Es arbeitet daran, Rohstoffe aus dem Plastik als Bitumen-Ersatz für den Straßenbau einzusetzen. Eine erste Teststrecke für Autos gibt es dafür in Österreich. »Hintergrund ist, dass Elemente aus Plastik für die Herstellung von Bitumen benötigt werden und dafür in Europa teilweise extra Plastik hergestellt wird,« erklärt Fischbach. Das müsse nicht sein.

Die nepalesische Gemeinde unterstützt die Idee und hat »NePals« das Grundstück für den Bau des Recycling-Zentrums zur Verfügung gestellt. Auch sonst seien die Verantwortlichen vor Ort sehr kooperativ.

Wie die Planung und der Bau vorangeht, möchte Fischbach sich bald vor Ort anschauen. Geplant war die Reise bereits, doch durch Corona kam alles anders.

Unmengen von Plastikmüll türmen sich vielerorts in Nepal. Dagegen wird die Organisation »NePals« jetzt etwas tun und ein Recycling-Projekt starten.
Die »Waste-Picker« durchwühlen die Müllberge nach Plastik, um es zu verkaufen.
Louisa Fischbach aus Reichelsheim-Beienheim engagiert sich ehrenamtlich für »NePals«.

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