Carola und Hans Bohm spielen den Scorpions-Klassiker "Rock you like a Hurricane" ein. Erika Druschba wird im Online-Orchester wohl die einzige Musikerin mit Bassflöte sein.	FOTOS: PV
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Carola und Hans Bohm spielen den Scorpions-Klassiker »Rock you like a Hurricane« ein. Erika Druschba wird im Online-Orchester wohl die einzige Musikerin mit Bassflöte sein. FOTOS: PV

Musizieren für den Weltrekord

  • vonHarald Schuchardt
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Wer normalerweise in einem Orchester spielt, hat es derzeit nicht leicht. An gemeinsame Proben und Auftritte ist nicht zu denken. Es sei denn man fügt einzelne Musiker in einem Video zusammen. Drei Ockstädter Geschwister machen bei einer Aktion mit, die sogar mit einem Weltrekord gekrönt werden könnte.

Erika Druschba, Hans Bohm und Karola Bohm sind Geschwister und im Musikzug Ockstadt sowie in der Flötengruppe »Tinnitus« des Gesangverein Frohsinn aktiv. Derzeit finden natürlich keine Proben statt. Musikalisch aktiv sind die Geschwister dennoch: Sie nehmen an der Aktion »Corona-Orchester« im Internet teil und wollen in der kommenden Woche sogar zu einem Weltrekord beitragen.

Idee stammt aus Norddeutschland

Die Idee, ein solches Online-Orchester zu gründen, hatte Musiklehrer Jens Illemann aus Wewelsfleth, einem Dorf an der Elbe in der Nähe von Glückstadt in Schleswig-Holstein. Illemann gehört dem Norddeutschen Filmorchester und der Formation »Rockin’ Symphony« an, deren Aktivitäten aktuell auch ruhen.

Zunächst spielte er mit dem Norddeutschen Filmorchester den Rockklassiker »Eye of the Tiger« ein. Jeder Musiker spielte seinen Part für sich zu Hause und schickte das Video an Illemann, der das Orchester »virtuell« dirigiert. Nach der Veröffentlichung des ersten Videos in sozialen Medien wie Facebook und Youtube am 16. März meldeten sich immer mehr Musiker über die Internetseite des »Corona-Orchesters« an und machten mit.

Durch eine Mitmusikerin erfuhr Erika Druschba von der Aktion und beschloss gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern: »Da machen wir natürlich mit.« Druschba nahm mit ihrer Bassflöte, Schwester Karola mit der Querflöte und Bruder Hans mit dem Englischhorn Rockklassiker wie die AC/DC-Hymne »Highway to Hell«, Europes »The Final Countdown« und »Smoke on the Water« von Deep Purple auf.

Mit Scorpions-Hit den Versuch wagen

Die Zahl der Teilnehmer stieg rasant von 70 beim zweiten Video aus drei Nationen auf aktuell über 500 Musiker aus 20 Ländern, von den USA und Kanada über viele europäische Länder bis hin zu Australien, Nepal oder Südafrika. Veröffentlicht wurden die Videos immer samstags um 18 Uhr.

Der große Erfolg brachte Illemann auf die Idee, einen Weltrekordversuch zu starten. Auf 1500 Videos sollen Musiker drei Minuten lang »Rock you like a Hurricane« spielen und so das größte virtuell spielende Musikensemble der Welt bilden.

Das Geschwistertrio aus Ockstadt hat seine Videos bereits aufgenommen und an Illemann geschickt. »Das hat richtig Spaß gemacht«, sagt Druschba, die sich sicher ist, dass der Weltrekordversuch erfolgreich enden wird. Bei den sechs Videos haben bisher schließlich schon 1500 Musiker - wenn auch zum Teil mehrmals - mitgemacht.

Mit dabei ist nun auch Lucia Gröninger, Mitspielerin des Geschwistertrios in der Tinnitus-Blockflötengruppe, die sich spontan entschlossen hatte, beim Weltrekordversuch dabei zu sein. Sie schickte inzwischen den Gesangspart des Scorpions-Klassikers per E-Mail an Illemann, der aus allen eingesandten Videos dann das Gesamtwerk erstellt. Zuvor hatte sich Gröninger, wie alle anderen Teilnehmer auch, angemeldet und daraufhin ein Klangbeispiel und die Noten erhalten.

Noch bis zum 30. April kann jeder mitmachen, der singt oder ein Instrument spielt. Dann heißt es auch für die Ockstädter abwarten bis zum Samstag, 8. Mai. Pünktlich um 18 Uhr soll das Video auf verschiedenen Facebook-Seiten und Youtube-Kanälen veröffentlicht werden. Bis dahin kann man sich die bisher veröffentlichten sechs Videos des »Corona-Orchesters« auf Youtube anschauen. Und bei mehrmaligem Durchsehen erkennt man für eine Sekunde oder weniger auch die Musiker aus Ockstadt. Druschba: »Wir haben uns erst nach mehrmaligem Ansehen gefunden.«

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