Norman Reaves unterrichtet Geige in Friedberg und Bad Nauheim und hat für seine Schülerinnen und Schüler eine praktikable Lösung gefunden. FOTOS: HMS
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Norman Reaves unterrichtet Geige in Friedberg und Bad Nauheim und hat für seine Schülerinnen und Schüler eine praktikable Lösung gefunden. FOTOS: HMS

Musikunterricht übers Tablet

  • vonHanna von Prosch
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Die Schultüren bleiben bis nach den Osterferien zu, nicht nur in den Grund- und weiterführenden Schulen, sondern auch in der Erwachsenenbildung, der VHS und in den Musikschulen. Aber Musik erfordert tägliches Üben und Kontrollieren. Die Musikschulen in der Wetterau haben dabei schnell und kreativ reagiert.

Wenn Kinder per Facetime, WhatsApp oder Skype zusammen spielen und lernen, ist das in Corona-Zeiten eine willkommene Abwechslung und macht sogar Spaß. In einem Klaviertrio oder einem Bläserquintett aber online zu musizieren, das geht beim besten Willen nicht. Kommt es dabei doch auf das feine Hören und Reagieren im direkten Kontakt an.

Perfekt für Einzelunterricht

Auch das Chorsingen stößt schnell an die Online-Grenzen. Aber für den instrumentalen Einzelunterricht nutzen die meisten Musikschulen diesen Weg. Der Bad Nauheimer Schulleiter Ulrich Nagel ist sich sogar sicher: "Werden wir dadurch einen großen Wissensschatz bekommen, der uns noch ganz andere Möglichkeiten eröffnet." Zuerst aber hält "online" die Lehrkräfte und auch die Verwaltungen gründlich auf Trab.

Die Musikschulen in Friedberg, Bad Nauheim, Bad Vilbel/Karben und Büdingen haben diesen alternativen Unterricht schon in den ersten Tagen der Schulschließung angeboten. Das hat den Vorteil, dass die Kinder weiterhin kontrolliert üben und den Kontakt nicht verlieren. Ein positiver Zusatzeffekt: die Lehrkräfte sind weiter beschäftigt, was besonders den freiberuflichen nützt, die somit keinen Verdienstausfall haben.

Wie und wann der Unterricht abläuft, wird individuell besprochen. Die alternativen Unterrichtsangebote erführen von allen Seiten eine durchweg positive Resonanz, bestätigen die Schulleitungen. Voraussetzung: Die technische Ausstattung stimmt auf beiden Seiten. "Wir beraten, wie man die Tonqualität so optimiert, dass wichtige musikalische Parameter überhaupt wahrnehmbar sind.

Eltern müssen helfen

Die Kinder und überraschend viele Jugendliche brauchen elterliche Unterstützung, weil sie keine Ahnung haben, wie man den Klang eines Smartphones verbessert, ein externes Mikrofon anschließt oder sich für ein Portal wie Skype anmeldet", erklärt Bert Jonas, Musikschulleiter in Friedberg.

Das Online-Angebot ist vielseitig: Beratung zu Übetechniken, Literaturauswahl, gegenseitiges Vorspielen und Zuhören, verstärkte Einbeziehung von Noten- und Harmonielehre, Gehörbildung, Musikgeschichte und -epochen, Instrumentenkunde, aber auch Feedback- und Zielvereinbarungsgespräche im Rahmen des Qualitätsmanagements.

Für die Kleinsten und die Elementarpädagogik werde es schwieriger, meint Jonas: "Videos zur Einstudierung von Kinderliedern oder auch Tänzen müssen von den Eltern unterstützt werden und bieten bei Weitem nicht die Erlebnisräume wie Präsenzunterricht. Es fehlt einfach die Gruppendynamik." Laut Schulleiterin Corinna Probst bieten die Bad Vilbeler Lehrkräfte auf ihrer Website altersgerechte Stundenbilder an mit Videos, Bastelanleitungen, Ausmalbilder und kleinen Aufgaben.

"Musik zu Hause" heißt ein Ideenplan der Elementaren Musikpädagogik der Friedberger Musikschule mit 24 Übungen, die auf Hören und Mitmachen ausgerichtet sind und bei denen die Kinder Punkte sammeln können. Die Musik- und Kunstschule Büdingen wolle darüber hinaus Unterricht, den Eltern nicht wahrnehmen können, nachholen, sagt Benedikt Bach.

In Butzbach will man, laut Schulleiterin Marion Adloff, erst in den Online-Unterricht einsteigen, wenn die schulfreie Zeit über die Osterferien hinausgehen sollte. Das Angebot sei dann sowohl für Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler freiwillig.

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