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Ehrgeiziges Projekt: Revierförsterin Eva-Maria Kirchler an einer der Mulden für die Regenrückhaltung.

Mulden für den Waldaufbau

  • vonChristine Fauerbach
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Sieben teichgroße Mulden auf einer zehn Hektar großen Fläche im Stadtwald Rosbach dienen der Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Wasserrückhaltung im Wald, unterstützen die Trinkwasserneubildung, schaffen und vernetzen Habitate. Auf einer neuen Infotafel im Rosenkranzheckenweg wird das »Prinzip der 1000 Mulden« anschaulich erläutert.

Bei Feuerwehr, Rettungskräften, Polizisten und Autofahrern auf der A 5 haben sich die Bilder der Unwettereinsätze im Juni 2020 ins Gedächtnis eingebrannt. Infolge eines Gewitters nach anhaltender Hitze hatte sich eine Schlammlawine im Bundesforst gelöst und die Autobahn überflutet. Mehrere Autofahrer hatten die Gefahr zu spät erkannt, waren in die Wassermassen gefahren, mussten teils geborgen werden.

»Der Starkregen war ungehindert auf den ausgetrockneten, steinharten Boden aufgetroffen. Die Wassermassen konnten nicht versickern. Sie liefen sturzbachartig ab und rissen Erde mit sich«, beschreibt Eva-Maria Kirchler die damalige Lage.

Konzept zur Wasserrückhaltung

Um die Folgen zukünftiger Extremwetterlagen für Natur und Menschen abzumildern, suchen Fachleute wie die Rosbacher Revierförsterin und ihr Vorgänger Heinz Sill nach Lösungen. Förster Sill entwickelte das »Prinzip der 1000 Mulden«. Dabei handelt es sich um ein Konzept zur Wasserrückhaltung im Stadtwald Rosbach. »Der Wald westlich der Rosenkranzheckenbrücke hat unter drei trockenen Sommern und allen Folgen schwer gelitten«, erklärt Sill.

Die massenhafte Vermehrung der Borkenkäfer begünstigten das Absterben der geschwächten Fichten. So entstanden im Stadtwald Rosbach und im angrenzenden Bundesforst große Freiflächen. »Auf diesen Freiflächen kommt es bei Starkregen durch die fehlende Interzeption der Bäume (das Abfangen von Niederschlägen durch Blätter und Nadeln) zu einem erhöhten Abfluss.« Dies belaste die Kanalisation, gefährde die Ortslage und führe zum weiteren Austrocknen der Waldböden.

Im letzten Oktober und November wurden auf der genannten Projektionsfläche (Abteilungen 103 und 104) sieben weitere unterschiedlich große Mulden angelegt. Sie sind nicht viel tiefer als einen Meter und maximal 200 Quadratmeter groß. Der Bodenaushub wurde mit Wurzelstöcken und Ästen zum Verschließen der Erosionsrinnen genutzt oder auf der zehn Hektar großen Freifläche, die im Süden durch den Rosenkranzheckenweg begrenzt wird, verteilt.

Ausblick auf den Vogelsberg

Durch die fehlenden Bäume bietet sich von hier aus Spaziergängern ein grandioser Ausblick auf den Vogelsberg. Genießen kann ihn Revierförsterin Kirchler nicht, ihr wäre ein gesunder Baumbestand auf dieser Fläche lieber.

Bereits nach einigen Tagen füllten sich die neu an Schnittpunkten alter Erosionsrinnen angelegten Mulden mit aus Gräben abgeleitetem Wasser. Überläufe auf den künstlich aufgeschütteten Dämmen sorgen bei vollgelaufenen Mulden für Wasserablauf in das tiefer liegende Gelände. Zu gleich wurden Erosionsrinnen südlich des Rosenkranzheckenwegs blockiert, um einen erhöhten Abfluss zu verlangsamen und das Versickern im Wald zu fördern. Durch sechs gezielte Abschläge wurde Grabenwasser auf die Fläche mit Anschluss an die Erosionsrinnen geleitet.

»Im letzten Winter konnte man bei der Schneeschmelze sehen wie viel Wasser über die Waldwege und den Wald abläuft«, sagt die Revierförsterin. Wasser sammelt sich jetzt in den Mulden und wird dort zurückgehalten. »Ein positives Ergebnis des Projekts ist bereits nach kurzer Zeit erkennbar.« Nicht notwendig war der Bau eines Durchlasses im Bereich Rosenkranzheckenbrücke, weil hier das Wasser in den nach Norden führenden Graben entlang des Autobahnparallelweges geleitet wird.

Zusätzlich wurden in drei anderen Bereichen vorhandene kleine Teiche entschlammt. Zu den Zielen des »Prinzips der 1000 Mulden« gehören die Verbesserung des Hochwasserschutzes, die Wasserrückhaltung im Wald, die Unterstützung der Trinkwasserneubildung oberhalb des Brunnens Johannishecke sowie die Schaffung und Vernetzung von Habitaten für Amphibien, Insekten und Fledermäuse.

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