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Die Burgruine. Vor über 800 Jahren hat hier Kuno, der Erbauer der Burg, gelebt.

Archäologie erleben

Geheimgang und Küchenbrand - was die alten Burgmauern erzählen

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Archäologin Lisa Schichtel erzählt in ihrer Führung auf der Burg Münzenberg von den archäologischen Arbeiten in den 1960ern - und von dem einen oder anderen kuriosen Ereignis.

Die meisten Hinweise verbergen sich in den Details. Zum Beispiel in der Anordnung der Fenster im Palas der Burg Münzenberg. Dort war einst ein Festsaal. Um das Jahr 1200, als der Erbauer der Burg, Kuno I., dort lebte. Drei Stockwerke hatte sein Haus, im obersten war der Saal für die Feste. Die Fenster darin, erklärt Archäologin Lisa Schichtel, sind so gebaut, dass man einen Ausblick über die Wetterau hat. Und der war - damals wie heute - beeindruckend. Die Vermutung dazu, wie die Archäologin schmunzelnd sagt: »Ich kann mir vorstellen, dass Kuno vor seinen Gästen gerne damit geprotzt hat.«

Es sind diese Art von Geschichten, die die alten Mauern erzählen - und die Schichtel den Besuchern ihrer Führung vermittelt. Die Archäologin arbeitet bei der Firma Spau GmbH in Münzenberg, ist normalerweise auf Grabungen in der Region unterwegs, aber bietet auch regelmäßig Führungen an. Wie ihre neueste, die gestern Premiere hatte: »Wenn alte Mauern erzählen: archäologische Geheimnisse der Burg Münzenberg«. Darin gehe es nicht nur um die Geschichte der Burg, sondern vor allem darum, wie diese archäologisch belegt werden konnte.

Zu verdanken ist das hauptsächlich einer großen Grabung, die der Archäologe Günther Binding in den 1960ern geleitet hat. Anhand zahlreicher Funde - etwa Keramikscherben, jahrhundertealtem Müll oder Löffeln - lässt sich heute viel über die Burg und ihre früheren Bewohner erzählen.

Da die Burg im 12. Jahrhundert erbaut worden ist, ist das schriftliche Quellenmaterial dürftig. Zwar gibt es eine Urkunde, erzählt Schichtel, aber die belegt lediglich, wie Kuno I. zum Besitzer des Hügels wurde, auf den er Mitte des 12. Jahrhunderts eine Burg bauen ließ.

Welches Gebäude zuerst stand, wo und wie die Aufteilung war - diese Fragen lassen sich dank der Grabungen beantworten. So haben u. a. Spuren des ursprünglichen Estrichbodens viel über die Baugeschichte erzählt. »Wo heute Gras ist, war früher befestigter Fußboden.« Der südliche Gebäudekomplex, die sog. Falkensteiner Bauten, sind etwa 100 Jahre später als der südliche Teil errichtet worden, erklärt Schichtel. Das weiß man, weil das Gebäude auf den damals bereits vorhandenen Fußboden gebaut worden ist.

Ein Ereignis, das sich dank der Archäologie rekonstruieren lässt, ist ein Brand der Burgküche im 13. Jahrhundert. Brandspuren am früheren Dach des Turms und Trümmer sowie Asche in der Erde unter der Küche haben die Hinweise gegeben. Was die Ursache war? Ob das Feuer des Kamins übergegriffen ist, weil jemand vom Küchenpersonal nicht aufgepasst hat? All das sind Fragen, die sich die Archäologin zwar stellt, auf die sie aber nie eine Antwort bekommen wird.

Ebenso wenig wie auf die Frage, was es mit dem rätselhaften Gang in der Mauer der Küche auf sich hat. Möglichkeiten gibt es zwei: »Entweder es war der einzige Geheimgang, um im Falle eines Angriffs zu flüchten. Oder der Gang war dazu da, um Essen in die Küche zu liefern.« Die Chancen, es herauszufinden? Null, sagt Schichtel. »Da würde ich mir schon wünschen, mal in der Zeit zurückreisen zu können.«

Bei ihrer Führung auf der Burg macht sie das mit den Besuchern, so gut es die Erkenntnisse und Funde erlauben.

In der Erde nach Geschichte suchen

Im Wehrgang zum Beispiel zeigt sie eine Besonderheit: In den dicken Mauersteinen sind an mehreren Stellen die gleichen Zeichen zu finden. Über zehn Mal. »Mit der Markierung hat sich der Steinmetz vor über 800 Jahren verewigt«, erklärt Schichtel. Dadurch wiederum ließ sich herausfinden, dass derselbe Mann in Gelnhausen tätig gewesen war. Dort sind die gleichen Zeichen in Steinen gefunden worden.

All diese Geschichten wird Lisa Schichtel in ihren Führungen erzählen - was sich in den Mauern versteckt und wie man diese Spuren längst vergangener Zeiten als Archäologe entdeckt. Das ist oft mühsam und zeitaufwendig, sagt sie. Und nicht selten ein Knochenjob, da Archäologen bei der Feldarbeit vor allem mit Schaufel und Spaten arbeiten. Vor allem, sagt sie, ist es aber jeden Tag aufs Neue spannend.« Weil ich, wenn ich aufstehe, nie weiß, was ich heute finde.«

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