Der "Apfelking" findet in Büdingen die Muße zum Schreiben. Sein richtiger Name sei ihm zu trivial, um seine Buchcover zu zieren, sagt er. FOTO: IHM
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Der "Apfelking" findet in Büdingen die Muße zum Schreiben. Sein richtiger Name sei ihm zu trivial, um seine Buchcover zu zieren, sagt er. FOTO: IHM

Mörderische Ruhe

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Der Autor des neuen Thrillers "Die Lazarus-Akte" ist ein geheimnisvoller Typ, denn er nennt sich lediglich "Apfelking". Seinen richtigen Namen verrät der 68-Jährige aus Büdingen nicht, der in fünf Jahren bekanntester Krimi-Autor der Republik sein will.

Der "Apfelking" wohnt dörflich in einem Stadtteil von Büdingen. "Meine Lebensgefährtin und ich sind aus Frankfurt vor vier Jahren hergezogen und genießen die Ruhe", sagt der Autor, der seinen richtigen Namen nicht preisgeben will. Weshalb das so ist, erzählt er am Ende des Gesprächs, kommt zuerst auf seine Schriftstellerei zu sprechen.

Seine Manuskripte bringt der 68-Jährige stets in seiner Schreibstube aufs Papier, wo 1200 Bücher stehen. "Der größte Teil ist gelesen", fügt er hinzu.

Seit seiner Kindheit schreibt "Apfelking", damals hieß er noch nicht so. Er begann mit Ritterromanen von zwei, drei Seiten Länge, ließ die Schriftstellerei später aus beruflichen Gründen erst einmal brachliegen. Personalchef in einem Industrieunternehmen war er, dann 15 Jahre Dienstleister am Frankfurter Flughafen in der Logistikbranche. "Irgendwann sagte ich ›Mir langt der Stress‹ und ich ging in den Ruhestand." Der Zeitpunkt für das Schreiben war da.

Sein erster Krimi war "Alexanders Nachhilfe", welches er im eigenen Verlag herausgab, wie all seine Bücher, die er im Großen und Ganzen nicht über Buchhandlungen vertreibt. Die "Ochsentour" durch die Geschäfte wollte er sich nach einigen Frusterlebnissen seinerzeit ersparen, daher entwickelte er ein eigenes Vertriebskonzept.

Ein Männchen in seinem Kopf

Wie es aussieht, verrät er allerdings nicht gern, um die Konkurrenz nicht auf den Plan zu holen. Zehn Bücher schrieb der Autor schon, sein elftes hat er gerade fertiggestellt, der Plot für das zwölfte steht ebenfalls fest. Samstags und sonntags morgens oder auch unter der Woche setzt sich "Apfelking" an den Schreibtisch. "Morgens um sechs Uhr sind die besten Ideen", erklärt er. Kein Lärm störe, alles schlafe noch und er sei frisch. Er schreibt schnell, wie er sagt. "In zwei bis drei Stunden schaffe ich drei bis vier Seiten. Das ist, als säße ein Männchen in meinem Kopf, das alles anleitet. Und die Hände setzen es in Buchstaben um."

Den Plot legt sich der "Apfelking" gedanklich zurecht, gewisse weitere Aspekte fallen ihm beim Schreiben ein. Erste Leserin ist stets seine Lektorin, die es sehr genau damit nehme. Sein neuestes Buch "Die Lazarus-Akte" erschien vor wenigen Wochen, wegen der Corona-Krise konzentriert sich "Apfelking" nun aber doch vermehrt auf den stationären Buchhandel als Vertriebspartner. Von der "Lazarus-Akte" habe er schon einiges verkauft, insbesondere in Bad König und Erbach (Odenwald), wo er sehr bekannt sei. "Wenn ich schreibe, sind das stellenweise Dinge, die ich erlebt habe und stellenweise Fiktion. Manchmal bin ich selber überrascht, was am Ende rauskommt", sagt er.

In seinem neuen Roman geht es um biometrische Gesichtserkennung. Heldin Ursula, eine israelische Agentin, kommt nach Frankfurt, wo sie zwei Palästinenser umbringt. Sie wird dabei gefilmt, merkt aber nichts davon. Sie verliebt sich in einen Bundeswehroffizier, quittiert ihren Dienst, verabredet sich mit ihm in einem Luxus-Hotel. Im Foyer erkennt sie ein Zeuge, der ihren Anschlag beobachtet hatte. Mit den Methoden der biometrischen Gesichtserkennung wird sie endgültig ausfindig gemacht, worauf ein Rachefeldzug beginnt.

Auf sein Pseudonym kam der Schriftsteller, weil er dreieinhalb Jahre Äpfel im Schwabenland verkaufte, "es war die schönste Zeit meines Lebens". Sein richtiger Name sei ihm zu trivial, um seine Buchcover zu zieren, welche Fiona Donnevert künstlerisch gestaltet. "Apfelking" will innerhalb von fünf Jahren der bekannteste Buchautor Deutschlands werden, "meine Themen sind sehr spannend". Oft bekomme er zu hören: "Ich habe das Buch in einer Nacht durchgelesen." Eingängig, gut lesbar, mit manchmal deftiger Ausdrucksweise - so beschreibt der Autor sein Werk.

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