Fahriye Mamaci ist als mobile Kinderärztin in Bad Nauheim und Umgebung unterwegs. Seit Kurzem hat sie eine kassenärztliche Zulassung, die sie verlieren wird, wenn sie keine Räume findet.	FOTO: IHM-FAHLE
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Fahriye Mamaci ist als mobile Kinderärztin in Bad Nauheim und Umgebung unterwegs. Seit Kurzem hat sie eine kassenärztliche Zulassung, die sie verlieren wird, wenn sie keine Räume findet. FOTO: IHM-FAHLE

Unterwegs zu Patienten

Mobile Kinderarzt-Praxis in Bad Nauheim

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Klingelt bei Kinderärztin Fahriye Mamaci das Telefon, vereinbart sie einen Termin und fährt mit dem Auto los. Seit Anfang des Jahres ist die 37-Jährige mit ihrer mobilen Privatpraxis unterwegs.

Kinderärztin Fahriye Mamaci ist verzweifelt. Schon wieder ist die Hoffnung auf Räume für ihren Kassenarztsitz in Bad Nauheim zerplatzt. »Es war eine ehemalige Bankfiliale, die wir kaufen und umbauen wollten«, schildert die verheiratete Familienmutter. Alles habe gepasst, aber zwei Parteien aus der Eigentümergemeinschaft hätten Angst vor der eventuellen »Lärmbelästigung« gehabt. Es ist nicht der erste Rückschlag für die 37-Jährige, seit sie auf der Suche nach Praxisräumen ist.

Mamaci ist gebürtig aus Hagen, hat in Essen Medizin studiert. Sie absolvierte die Facharztausbildung in Kinderheilkunde, lebt seit neun Jahren in der Gesundheitsstadt. Drei Jahre arbeitete sie bei einem Bad Nauheimer Kinderarzt, bis sie sich zum Schritt in die Selbstständigkeit entschloss.

Wie gut ist die Kurstadt versorgt?

Mit ihrem Antrag auf Sonderbedarfszulassung eines Kassenarztsitzes klappte es Mitte 2019 zunächst allerdings nicht. Ihre mobile Privatpraxis, die sie momentan führt, ist daher als Übergangslösung gedacht gewesen. »Auf Dauer ist es für mich nicht befriedigend, weil ich so nicht den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden kann«, sagt sie. Auch gesetzlich Versicherte seien an ihren Leistungen interessiert, es sei aber schade, wenn jemand Kassenbeiträge entrichte und trotzdem die Ärztin bezahlen müsse. Die pädiatrische Versorgung in Bad Nauheim mit bisher zwei Kinderarztpraxen reicht Mamacis Worten zufolge nicht aus. Für ihren Antrag hätten ihr denn auch Eltern schriftlich bestätigt, keinen Kinderarzt gefunden zu haben, »Hebammen haben es mir auch bestätigt«.

Doch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) lehnte den Antrag ab, weil es angeblich genug Kinderärzte in der Region gab. »Ende letzten Jahres wurde der Bedarf aber neu errechnet«, fährt Mamaci fort. Sie bewarb sich erneut, woraufhin ihr der Zulassungsausschuss der KV Anfang April einen neuen Kassenarztsitz in Bad Nauheim zusprach. Dafür sucht sie nun dringend nach Räumen.

Raumsuche immer wieder gescheitert

Zwischenzeitlich hatte sie bereits in das Konzept für die mobile private Kinderarztpraxis investiert. »Die Idee war mir gekommen, da eine Bekannte als mobile Friseurin unterwegs ist«, erzählt sie. Auto, Kleidung, ärztliches Gerät, Laptop, Software, ein mobiler Drucker, Logo und die Website www.kinderarztpraxis-mamaci.de waren schon da. »Und am 15. Januar hatte ich angefangen.«

Über WhatsApp, Facebook, Flyer und Mundpropaganda war sie schnell bekannt genug gewesen, um einen kleinen Patientenstamm überwiegend privat Versicherter zu haben. Eltern kennen sie, auch durch eine Schwangerschaftsvertretung, die sie in Teilzeit in Butzbach gemacht hat. »Mittlerweile könnte ich von meiner mobilen Praxis schon leben, aber ich möchte gerne mehr Patienten betreuen«, sagt die Ärztin. Doch da ist das leidige Raumproblem, mit dem sie sich schon seit Anfang 2019 herumschlägt. Bereits damals musste sie der KV eine Praxisadresse für die Anträge angeben.

Mit ihrem Latein ist Mamaci mittlerweile bald am Ende. Ehemalige Arzträume waren ihr mehr oder weniger zugesagt, doch dann zog die Eigentümerin selbst ein. In einem anderen, quasi sicheren Fall wurde plötzlich das Haus verkauft. Ein dritter Vermieter versprach, umzubauen und die Nutzungsänderung zu beantragen, entschied sich aber um. Mamaci klapperte Apotheken, Ärzte und Kliniken ab, war bei Immobilienmaklern, Bauherren, der Industrie- und Handelskammer und Bürgermeister Klaus Kreß. Bisher ohne Erfolg.

Im eigenen Haus kommt eine Praxis nicht infrage, weil die Familie in einem reinen Wohngebiet lebt. Aktuell hat sie eine Option in einem Dachgeschoss, befürchtet aber, dass auch das schiefgeht. »Ich könnte mich ab Juli niederlassen, wenn ich denn Räume hätte.« Trete sie bis Oktober nicht an, verfalle der Kassenarztsitz. »Ich hoffe weiter.«

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