Die Ehrenamtlichen der Hospizhilfe Wetterau hören in einem Vortrag, wie Mitarbeiter schwer erkrankten Menschen Kraft geben können. FOTO: PM
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Die Ehrenamtlichen der Hospizhilfe Wetterau hören in einem Vortrag, wie Mitarbeiter schwer erkrankten Menschen Kraft geben können. FOTO: PM

Memoiren als Erleichterung

  • vonred Redaktion
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Friedberg(pm). Lebenserinnerungen schriftlich festzuhalten, kann eine Möglichkeit sein, schwer kranke Menschen auf ihrem letzten Weg zu unterstützen. Wie genau das funktionieren soll, erklärte Psychologe Jan Gramm im Oktober in einem Vortrag für die Mitarbeiter der Hospizhilfe Wetterau in Friedberg.

"Schönreden ist hier nicht angesagt!", bezog sich Gramm auf ein gemaltes Bild, das ein Glas zeigte. "Das Glas optimistisch als halbvoll und nicht als halbleer zu betrachten, fällt einem schwer erkrankten Menschen, der bald sterben wird, sehr schwer. Für die Betroffenen fühlt es sich an, als ob das Glas, von dem geredet wird, zerbrochen sei." Eine schwerwiegende Erkrankung bedeute eine immense Herausforderung für die Betroffenen und deren Familien. Menschen in dieser Situation seien konfrontiert mit Schmerzen, Ängsten und Verlusten. Das Gefühl, man selbst zu sein, gerate ins Wanken. Hinzukomme die Sorge um jene, die zurückblieben.

Dies sei die Grundlage für die forschungsbasierte "Würdezentrierte Therapie" von H. M. Chochinov. Diese Therapie ziele darauf ab, Betroffene innerlich zu stabilisieren und für ihren weiteren Weg zu stärken. Dies könne mithilfe eines Interviewgesprächs geschehen: Unterstützt durch Fragen können die Erkrankten Ereignisse und Themen aus ihrem Leben besprechen, die für sie wichtig sind. Sie haben die Möglichkeit, Gedanken und Wünsche für die ihnen nahe stehenden Menschen zu formulieren. Daraus wird anschließend ein persönliches Dokument für die Hinterbliebenen erstellt.

Über das eigene Leben zu erzählen, könne eine bedeutsame Erfahrung sein. Vielleicht fänden die Betroffenen Trost darin, zu wissen, dass ihre Erinnerungen, Gedanken und Wünsche für Familie und Freunde festgehalten worden seien.

Die Teilnehmer des Gruppenabends folgten aufmerksam und interessiert Gramms Ausführungen. Nach Angaben der Veranstalter wurde es von den Teilnehmern als hilfreich empfunden, vom Referenten eine Anleitungen für ein unterstützendes Gespräch erhalten zu haben. Mit einem Fragenkatalog an der Hand wurden die ehrenamtlichen Mitarbeiter ermutigt, bei ihrer Tätigkeit als Sterbebegleiter diese Art von Gesprächen auszuprobieren. Jan Gramm ist Psychologe im Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) Wetterau und Mitarbeiter des Instituts für Palliativpsychologie in Mainz.

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