Noch halten die Bewohner die laminierten Bilder in der Hand: Ab Dienstag werden die Kunstwerke die Fassade des Hauses Sprudelhof in der Bahnhofsallee 3 verschönern. FOTOS: IHM
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Noch halten die Bewohner die laminierten Bilder in der Hand: Ab Dienstag werden die Kunstwerke die Fassade des Hauses Sprudelhof in der Bahnhofsallee 3 verschönern. FOTOS: IHM

Margarethenhof wird bunt

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Ernesto Filippelli hat schon mit Bewohnern des Bad Nauheimer Margarethenhofs eine Kunstausstellung auf die Beine gestellt. Damit geht es nun weiter. Allerdings in einer besonderen Form: Drin ist eine Ausstellung nicht möglich. Deshalb sind die berührenden Kunstwerke ab Dienstag auf der Fassade des Hauses Sprudelhof in der Bahnhofsallee 3 zu sehen.

Silvia hat den Aliceplatz gezeichnet, an dem ein Mann vorbeiradelt, der sich an die italienische Riviera träumt. "Träume darf man haben", stellt die 56-Jährige fest. Ihr Bild wird ab Dienstag mit anderen Kunstwerken an der Fassade des Hauses Sprudelhof zwei Wochen lang zu sehen sein. Ort ist die Bahnhofsallee 3 in Bad Nauheim.

"Dieses Jahr können wir die Ausstellung wegen der Corona-Krise leider nicht drinnen machen. Daher habe ich die Bilder laminieren lassen, und wir machen es draußen", erklärt Ernesto Filippelli. Der 47-Jährige ist Betreuer in dem Haus des Margarethenhofs der Dorea-Familie, in dem Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen leben. Zudem ist Filippeli Maler, leitet ein Kunstangebot für die Bewohner an. Wie er hinzufügt, werde das Haus von außen bunt, genauso wie die Klienten, die ebenfalls bunt seien. "Jeder ist unterschiedlich, jeder ist anders", fügt Einrichtungsleiterin Yvonne Geist hinzu.

"Im vergangenen halben Jahr haben die Klienten zum Thema Haus und Heimat gearbeitet: ›Wo ist meine Heimat, wo ist mein Haus? Wie stelle ich es mir vor?‹", erläutert Filippelli. Wie Einrichtungsleiterin Geist erklärt, seien einige Bewohner aus Obdachlosigkeit gekommen. "Das war schwierig für sie", sagt sie. Ziel des Projekts sei ein "Denken in Möglichkeiten", sprich, auch die positiven Dinge zu sehen.

Vorurteile abschaffen

Das sei der innere Aspekt, fährt Filippelli fort. "Mein Anliegen war aber auch, dass unsere Leute eine gewisse Aufmerksamkeit in der Stadt bekommen." Denn manch ein Bad Nauheimer habe ein eher negatives Bild der Bewohner. "Deshalb wollte ich die positiven Seiten unserer Leute zeigen und was sie in sich haben. Denn die Bürger draußen kennen die Schicksale unserer Klienten manchmal nicht", sagt er. Laut Yvonne Geist sind die Resonanzen sehr unterschiedlich, welche die Bewohner in der Stadt erzeugen. "Viele Menschen wollen nichts mit ihnen zu tun haben, das ist leider das Gros, aber es gibt auch sehr hilfsbereite Leute."

Mitunter sei es aber auch übergriffig, wenn Anrufer der Einrichtung erklären wollen, was sie zu tun und zu lassen habe. "Die normale Norm darf allerdings ruhig mal ertragen, wenn es ein paar Abweichungen gibt", betont Geist. Filippelli geht nun ins Freie, um die Ausstellungsfläche mit einigen Teilnehmern seines Kunstangebots zu besichtigen. Zu ihnen gehört Christian, der mehrere Bilder gemalt hat. Eines bedeutet dem 49-Jährigen besonders viel, es zeigt einen Waldtümpel bei einer Klinik in Baden-Württemberg, von wo er stammt. "Es ist für mich ein Stück Zuhause", sagt er.

Elke Adolph (55) hat unter anderem die Friedberger Stadtkirche aufs Papier gebracht, weil sie das Gotteshaus mit wichtigen Familienereignissen verbindet.

Das Bild von René Richter (46) zeigt ein Haus, mit Herzen in den Fenstern und Planeten, die in der Dunkelheit darüber schweben. "Es soll symbolisieren, wo ich mit meiner Omi gelebt habe. Sie hat gesagt, ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne, aber am meisten liebe ich dich."

Elisabeth Bergsträßer (58) malte ein breites Haus, das das gesamte Papier ausfüllt: Es soll für sie Stabilität darstellen, da sie als junge Frau ein Jahr auf der Straße lebte. Ursula Wahl hat ebenfalls ein Bad Nauheim-Motiv gewählt, den Kurpark mit Teichhausschloss: "Ich gehe dort gerne spazieren und finde es schön."

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