Vince Ebert kommt auf der Bühne nicht an Corona vorbei: "Christian Drosten hat jetzt auf Facebook mehr Follower als Mario Barth", witzelt er. FOTOS: LOD
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Vince Ebert kommt auf der Bühne nicht an Corona vorbei: "Christian Drosten hat jetzt auf Facebook mehr Follower als Mario Barth", witzelt er. FOTOS: LOD

Von Manhattan nach Friedberg

  • vonHarald Schuchardt
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50 Mal moderierte Vince Ebert im Café Kaktus die Comedy-Mix-Show "Brennpunkt Zwerchfell". Im Februar 2008 war damit Schluss. Nun kehrte der längst bundesweit etablierte Kabarettist mit seinem neuen Programm "Make Science great again" zurück nach Friedberg.

Im Juli letzten Jahres zog Vince Ebert mit seiner Frau für ein Jahr nach New York, um in den legendären Stand-up-Comedy-Clubs neue Erfahrungen zu sammeln. Hier erwischte ihn der Lockdown. Eine Folge: Er hatte viel Zeit ein Buch und ein neues Programm zu schreiben, in dem der studierte Physiker seine Eindrücke verarbeitete.

"Ich habe das Programm in der Hochphase der Pandemie mit doppeltem Zeilenabstand geschrieben. Es besteht keine Ansteckungsgefahr", witzelte der in Amorbach im bayerischen Odenwald geborene Kabarettist zum Auftakt seines ersten Auftritts seit dem 8. März.

Zuvor hatte Veranstalter Harry Thyssen ein kurzes positives Fazit der Veranstaltungsreihe "Sommer im Rathauspark" gezogen. Mit 200 Besuchern war die Abschlussveranstaltung restlos ausverkauft. Thyssen dankte der Stadt, allen Sponsoren, aber auch seiner ganzen Familie für die Unterstützung, wies aber auch auf die schwierigen Zeiten für die Veranstaltungsbranche hin. "Es muss weitergehen", sagte Thyssen abschließend.

Dem konnte Ebert nur zustimmen. Seine Situation beschrieb er so: "Von Manhattan nach Friedberg - das ist der logische Weg". Das "Testpublikum" (Ebert) war begeistert. Natürlich zogen sich die Auswirkungen der Pandemie wie ein roter Faden durch den Abend.

Immer wieder beschrieb Ebert die kuriosen Folgen des Corona-Ausbruchs. "Christian Drosten hat jetzt auf Facebook mehr Follower als Mario Barth", war eine dieser Feststellungen, die von den Fans in der Vorpremiere mit vielen Lachern und spontanen Beifall quittiert wurden.

Wissenschaft trifft Kabarett

Der Lockdown ist für den 52-jährigen nicht nur die große Zeit der Wissenschaft geworden, sondern auch der Verschwörungstheoretiker. Hervorragend gelang ihm der Spagat zwischen ernsthaften wissenschaftlich fundierten Gedanken und kabarettistischen Spitzen. "Im Internet tobt der Irrsinn", sinnierte Ebert, um dann ein kurioses Beispiel zu geben: "Da wird ernsthaft diskutiert ob es strafbar ist, sich selbst die Haare zu schneiden."

Als "innerliches Wrack" nach 20 Jahren "Sex, Drugs and Rock’n’Roll" erläuterte er drei Strategien des älteren Mannes, um die Midlife-Crisis zu überwinden: Scheiden lassen, und mit der Sekretärin zusammenziehen, Marathon oder Iron Man laufen und schließlich innere Einkehr im Kloster suchen.

Aus wissenschaftlicher Sicht versuchte er, den Besuchern den Unterschied zwischen dem "Mythos American Dream" und den Ansichten der Deutschen zu verdeutlichen. "Warum gibt es in den USA 173 Toastbrotsorten, aber nur zwei Parteien?", war eine der Fragen, die er nicht wirklich beantwortete. "Der Bezugspunkt verändert die Realität und das gilt auch für unterschiedliche Kulturen", war eine der allgemeinen Erklärungen Eberts.

Eine weitere Ebert’sche These während seines USA-Deutschland-Vergleichs: "Wenn es um Präzision geht, sind wir Deutsche Spitze." Das gelte vor allem für den Gesundheitsbereich, auf dem der Deutsche besonders fixiert sei. Ebert: "Das ist der Grund, dass es uns in der Welt so weit gebracht hat."

Das "unorthodoxe Verhalten von Donald Trump", die Gründe für den amerikanischen Nationalstolz, der deutschen Lieblingsthemen Klimawandel und Umweltschutz sowie das Genderthema sprach Ebert ebenfalls an: "Menschen sind nun mal komplex und widersprüchlich."

Am Ende wurde Ebert noch einmal ernst. Er forderte eindringlich mehr Respekt und Toleranz, gerade in den sozialen Medien. "Wie lange wollen wir den Irrsinn noch mitmachen? Wir müssen wieder miteinander reden", meinte der Kabarettist, der - wie es in den amerikanischen Clubs üblich ist - auf die typisch deutsche Tradition der Zugabe verzichtete.

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