+

INFO

Manege frei für Nachwuchsartisten

  • vonPatrick Eickhoff
    schließen

Akrobaten, Jongleure, Clowns: Bei der Projekt- woche der Europäischen Schule RheinMain in Dortelweil entdecken selbst die ganz Kleinen ihre verborgenen Talente. Gemeinsam mit dem Projektzirkus Baldini sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Das begeistert nicht nur Eltern.

F ür einen kleinen Moment herrscht Stille im Zirkuszelt. Alle Kinder schauen gespannt in die Manege. Der Vorhang öffnet sich. Es sind nur wenige Schritte, dann stehen Lazar und Suemi im Rampenlicht. »Herzlich Willkommen bei unserer großen Zirkusshow«, ruft der Zehnjährige. Und das Publikum jubelt ihm zu. Als hätten die beiden noch nie etwas anderes gemacht, führen sie auf Deutsch und Englisch durch das Programm. »Ich habe mich von Anfang an gemeldet, als es um die Moderation ging«, sagt Lazar stolz.

Der kleine Showmaster ist nur eines von 722 Kindern, das in diesen Tagen an der Projektwoche der Europäischen Schule RheinMain (ERSM) teilnimmt. »Wir haben jedes Jahr eine große Aktion und hatten seit einiger Zeit die Idee, einen Zirkus anzufragen«, sagt Grundschulleiter Marcus Adams. Er überzeugt sich im Zelt vom Talent der Kinder. »Alle sind mit Freude dabei - sogar Lehrer machen mit.«

Plötzlich wird es dunkel. Ein Raunen geht durch die Menge. Die Jongleure kommen hinter dem Vorhang hervor, drehen Teller auf einem kleinen Stab oder jonglieren mit Tüchern und Bällen. Es gibt viel Applaus, denn gerade sind die Kinder der Vorschulklasse sowie eine dritte Klasse im Zelt. Die Vier- bis Sechsjährigen haben sichtlich Spaß. »Natürlich ist es immer etwas anstrengender mit den ganz Kleinen, weil sie nicht immer so aufmerksam sind«, sagt Marlon Fischer vom Zirkus Baldini. Er ist für die Clowns und Jongleure verantwortlich. »Aber wenn man sieht, wie schnell die Kinder Fortschritte machen und sich begeistern - da sind echte Talente dabei.«

Selbstbewusst vor dem Publikum

Darauf haben sie sich beim Zirkus Baldini spezialisiert. Seit 15 Jahren organisiert dieser Projekte mit Schulen, Kindergärten und Jugendorganisationen. Ziel ist es, den Nachwuchs in die Zirkuswelt zu führen und zu selbstbewussten Akteuren vor Publikum zu machen. »Einige Kinder sind am Anfang etwas skeptisch und trauen sich vieles nicht zu«, sagt Zirkusdirektor Rocky Krämer. Er informiert: »Wir sind sechs Profis, die den Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schnell findet jedes Kind seine Aufgabe, die es dann bei der großen Vorführung stolz dem Publikum und den Eltern vorführen kann.«

Das beweist auch die Akrobatik-Gruppe, die sich zunächst in einer Reihe aufstellt. Dann geht’s los. Den ersten menschlichen Pyramiden folgen kreative Figuren in der Luft. Die Kinder halten sich mit einer Hand an der Leiter fest, strecken den anderen Arm weit von sich. »Sehr schön«, ruft Klassenlehrerin Michelle Tran. »Das ist unglaublich, wie gut sie das machen. Ich bin wahnsinnig begeistert.« Ein Punkt ist für sie besonders wichtig. »Das Schöne ist, dass Kinder aus verschiedenen Klassen zusammenarbeiten. Sie helfen sich bei Übungen, sind füreinander da. Das ist auch ein pädagogisch sehr wertvoller Aspekt.«

Bisher größte Projektwoche

Daran werden Suemi und Lazar wohl kaum denken, als sie wieder die Mitte des Zelts betreten. »Stopp! Das machen wir noch einmal«, ruft Direktor Krämer. »Lasst euch von den Lichtern und dem Nebel nicht irritieren, ihr könnt das.« Nächster Versuch. Routiniert treten die Nachwuchsmoderatoren nach vorne. »Als nächstes freuen wir uns auf die Hundeshow«, ruft Lazar. Suemi übersetzt ins Englische. Gekonnt springen die Vierbeiner durch Reifen, die die Schüler in die Luft halten. Und wie bei fast jeder Nummer folgt großer Applaus.

Noch sitzen die Schüler selbst im Publikum, am Ende der Projektwoche werden sie das Gelernte ihren Eltern und Lehrern vorführen. »In der kommenden Woche ist dann der zweite Teil dran, denn 722 auf einmal wäre etwas viel«, informiert Adams.

Und auch Schuldirektor Tom Zijlstra freut sich auf die Aufführungen. »Eine so große Projektwoche hatten wir noch nicht«, sagt er. »Das Schöne ist, dass Kinder nicht nur Zuschauer, sondern auch Teilnehmer sind.«

Der Familienzirkus Baldini wird in der dritten Generation geführt. Zusammen mit Pädagogen hat die Zirkusfamilie ein Konzept entwickelt, das für Teamgeist und Selbstwertgefühl steht. Mit besonderen Mitteln soll das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesteigert werden. Außerdem können über die Zirkus-Pädagogik Ängste abgebaut werden. Der Lernstress wird spielerisch in den Hintergrund gedrängt und die eigenen Emotionen können ausgelebt werden. wpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare