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Hier schließt sich für Theo Hues ein Kreis: Hinten zwei seiner ersten »Fragmente«, auf der Staffelei ein frisch leuchtender »Horizont im Quadrat«.

Magie des Augenblicks

  • VonAnnette Hausmanns
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»Horizont im Quadrat« nennt Theo Hues seine jüngste Bilderserie. Erstmals zeigt der freischaffende Künstler die minimalistischen Meereslandschaften an diesem Wochenende zur Eröffnung seiner »Galerie 22« im Bad Nauheimer Höhenweg. In einer Retrospektive nimmt Hues außerdem mit zu den Schaffensphasen seiner meist aufrüttelnden seriellen Kunst.

Abstrakte Meereslandschaften spiegeln die Schönheit der Natur wider«, lächelt Theo Hues. Himmlische Blautöne verlaufen über farblich abgesetzte Horizonte in stimmungsvolles Meerblau. In minimalistischer Manier hat der in Bad Nauheim lebende Künstler seine jüngsten Werke in Öl oder Acryl auf quadratische Leinwände gebracht. Magisch wird der Betrachter in die fein changierenden Stimmungen hineingesogen.

»Die blauen Farbtöne stehen für Klarheit, Sehnsucht und Ferne, sie geben mir die Weite des Meeres, wirken glücklich wie eine Befreiung«, merkt Hues an und möchte einladen, tief einzutauchen in Ruhe und Strahlkraft. Als »einfach, aber gut«, beschreibt Hues seine Serie »Horizont im Quadrat« Er wisse selbst nicht, warum er thematisch so einfach geworden sei. Die Erklärung mag mit seiner intensiven künstlerischen Auseinandersetzung mit sozialen Themen zusammenhängen - und mit einer lebensbedrohenden Erkrankung, aus der sich der rührige Kunstpädagoge und freischaffende Künstler zurück ins Leben kämpfte.

Weitblick auf Bad Nauheim

Mit der Einrichtung der eigenen »Galerie 22« erfüllt sich der Künstler nun einen Lebenstraum mit buchstäblichem Weitblick auf Bad Nauheim und die Wetterau. Als würde der Pinselstrich weitergezogen, reiht sich der reale Horizont in Hues‹ serielle Kunst ein. Als würde man durch die Zeiträume seines künstlerischen Schaffens schreiten, findet man in der klar strukturierten Galerie mit integriertem Atelier aber auch Auszüge aus Hues’ vorangegangener seriellen Kunst.

Besondere Bedeutung für den Künstler hat die in satten Blau- und Rottönen leuchtende Reihe »Fragmente«. Einer Autobiografie gleich nimmt sie mit zu Stationen in des Künstlers Leben ebenso wie zu den Ursprüngen der Erdgeschichte. Pastös aufgetragene Ölfarbflächen gehen eine Verbindung ein mit Naturfunden wie Kalkstein, Kohle, Fossilen, Lava oder Holz. Soleablagerungen in kristalliner und versteinerter Form reflektieren Hues’ Leben in Bad Nauheim.

Im nächsten Raum geben sich in raffinierten Rasterstrukturen erstellte Porträts berühmter Persönlichkeiten ein beredtes Stelldichein. Die Serie »Pace« appelliert an die Wahrung der Schöpfung und den Einsatz für Frieden. Mit etwas Abstand betrachtet, fügen sich in den computeranimierten Bildcollagen Tausende sinnträchtige Pixel (Uhrzeiger, Tibet-Flagge, Kindergesichter, Kriege) zum warnenden Atompilz zusammen, zu Konterfeis von Nelson Mandela, Barack Obama, dem Dalai Lama oder dem »Augenblick« eines Kindes. In grellen Farben hinterfragt Hues’ Sequenz »Western Illusion« ein auf Lustgewinn orientiertes Leben. Die übermalten Fotocollagen und Reproduktionen wollen ebenso aufrütteln wie seine junge Reihe »Integration?«. Besonders deutlich wird im Bild »naked« - einer schrittweise in geometrische Abstraktion aufgelösten weiblichen Brust - ein Prozess der Erkenntnis: Oberflächliche Ideale lösen sich bei näherer Betrachtung in Form und Farbe auf. Mit Makrofotos von Beatmungsschläuchen verarbeitet Hues die eigene Erkrankung.

Einige seiner Pixelbilder wie das handsignierte Porträt des Dalai Lama oder »One World« mit 400 Kindergesichtern versteigerte Theo Hues zugunsten internationaler Kinderhilfsprojekte. Vor diesem Hintergrund knüpfte Hues auch Kontakte zu Wolfgang Niedecken oder Udo Lindenberg und stellt seine gesellschaftskritischen Bilder regelmäßig im In- und Ausland aus.

An sozialer Ungerechtigkeit habe er sich immer künstlerisch abarbeiten müssen, erklärt Hues. Das habe ihm, wie er sagt, mitunter zugesetzt, er habe aber auch viel bewegen können, blickt Hues dankbar zurück und ist zugleich gespannt, wie es weitergehen wird.

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