Wenn Mährroboter auch nachts ihren Dienst versehen, kann das für Nachbarn nervig sein. Daher bittet die Stadt Nidderau darum, die Geräte so zu steuern, dass sie nur tagsüber für kurzgeschorenen Rasen sorgen.
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Wenn Mährroboter auch nachts ihren Dienst versehen, kann das für Nachbarn nervig sein. Daher bittet die Stadt Nidderau darum, die Geräte so zu steuern, dass sie nur tagsüber für kurzgeschorenen Rasen sorgen.

Laute Gartenhelfer

Mähroboter: Auch Ruhestörung? Weitere Gefahr bei Betrieb in der Nacht

  • vonJürgen W. Niehoff
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Englischer Rasen ist etwas Schönes - für den Eigentümer genauso wie für dessen Nachbarn. Doch bei der Pflege scheiden sich oftmals die Geister. Wegen der Lautstärke der kleinen automatischen Gartenhelfer und nicht nur das.

An und für sich sind die kleinen Rasenroboter im Vergleich zu ihren Brüdern, den Benzin schluckenden Motorrasenmäher, nicht sehr laut. Im Durchschnitt um die 60 Dezibel. Auch wenn das in etwa der Lautstärke einer normalen Unterhaltung entspricht, so wird das vor allem nachts schon als störend empfunden. Und da liegt das Problem. Denn auch wenn die Roboter auf die Minute genau für ihre Tätigkeit programmiert werden können, so dass die gesetzlich verordneten Ruhepausen während der Mittagszeit zwischen 13 und 15 Uhr und der Nachtzeit zwischen 22 und 6 Uhr morgens problemlos eingehalten werden können, überlassen immer mehr Gartenbesitzer ihren Mährobotern die Entscheidung, wann sie ihre Runden drehen. Auch nachts.

Vorbei sind anscheinend die Zeiten, in denen Gartenbesitzer die freien Wochenenden damit verbringen muss, seinen großen und lauten Rasenmäher vor sich her zu schieben, um dem wachsenden Gras und Unkraut den Garaus zu machen. Der kleine Rasenroboter fährt vielmehr selbstständig im Garten herum und macht kurzen Prozess mit dem Grünzeug - was aufgrund der Größe des Elektrogeräts aber eine Weile dauern kann, eventuell sogar bis in die Nachstunden.

Da dies gerade in der Sommerzeit, wenn die Fenster der Schlafzimmer nachts geöffnet sind, nicht jedem gefällt, werden immer öfters die Ordnungsämter um Hilfe gerufen. So auch in Nidderau.

Ordnungsamt bittet um Rücksicht

Zu welchen Tages- oder Nachtzeiten Mähroboter betrieben werden dürfen, wird in Deutschland durch verschiedene Vorschriften geregelt. Zunächst einmal gilt bundesweit die 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung). Noch dazu greift bei motorbetriebenen Geräten die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) - ebenfalls bundesweit. Zusätzlich können in Wohngebieten oder im Haus weitere Regelungen gelten - festgehalten in der Hausordnung, dem Mietvertrag oder in Schriftstücken der Eigentümergemeinschaft. Vereinzelt gelten auch bestimmte Vorgaben durch die Gemeinde, gerade in Erholungsgebieten oder Ferienparks.

Da in Nidderau keines davon zutrifft, hat das Ordnungsamt kürzlich in einer Mitteilung die Grundstücksbesitzer um Rücksichtnahme gebeten. »Es häufen sich die Beschwerden der Ruhestörung, weil die Mähroboter Tag und Nacht über den Rasen fahren« heißt es in der Verlautbarung der Stadt.

Und weiter wird festgestellt, dass die Mähroboter zwar nicht der allgemeinen Geräte- und Lärmschutzverordnung unterliegen und es daher für sie auch kein Verbot für das Mähen an Sonntagen gibt, wie etwa bei einem Rasenmäher. Trotzdem nerven aber auch sie und deshalb sollten sie, so die Empfehlung des Ordnungsamtes, im Interesse der Nachbarn nachts möglich ausgeschaltet bleiben.

Neben der Lärmbelästigung spricht aber noch etwas dagegen, Mähroboter nachts laufen zu lassen: Das sind nachtaktive Tiere. Immer wieder passiert es, dass die automatisierten Rasenmäher Tiere wie Igel, Frösche oder Kröten überfahren. Weil Igel Gefahren nicht ausweichen, sondern sich zusammenrollen, fallen sie besonders oft Mährobotern zum Opfer, die sie dann mehrfach anfahren und verletzen.

Gefahr für nachtaktive Tiere

Manfreds Holzapfel, der Nidderauer Vorsitzende der Ortsgruppe des BUND, hat bisher noch Klagen über von Mährobotern verletzte Tiere erhalten, ebenso wenig die Vertreter des NABU Nidderau. »Nein, davon habe ich hier in Nidderau glücklicherweise noch nichts gehört«, sagt Holzapfel gegenüber dieser Zeitung.

Trotzdem bittet Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) um verstärkte Rücksichtnahme: «Auch Mähroboter sollten nur während der üblichen Zeiten tagsüber eingesetzt werden«, appelliert er. »Auf diese Weise können mit einem Schlag unnötige Beschwerden, verletzte Wildtiere und Unmut in der Nachbarschaft verhindert werden.«

Während Rauchmelder oder Kohlenmonoxid-Melder mit ihren 85 Dezibel lauten Alarmsignalen aufschrecken lassen sollen, sollen Rasenmäher möglichst leise sein. Ein Elektro-Rasenmäher verursacht um die 80 Dezibel Lärm, ein mit Benzin betriebener sogar 90 Dezibel. Rasenmäherroboter liegen hingegen bei etwa 60 Dezibel Lautstärke. Zum Vergleich: Regen rauscht mit etwa 50 Dezibel vom Himmel. pm

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