Fast wie zu Hause: Das Haus Atemzeit ist gemütlich eingerichtet, damit schwer kranke oder mehrfachbehinderte Kinder und ihre Eltern sich dort wohlfühlen.	FOTOS: PM
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Fast wie zu Hause: Das Haus Atemzeit ist gemütlich eingerichtet, damit schwer kranke oder mehrfachbehinderte Kinder und ihre Eltern sich dort wohlfühlen. FOTOS: PM

Ein Ort zum Luftholen

Das Haus Atemzeit in Wohnbach ist ein Zuhause für den Übergang. Es bietet Kindern, die nach einem langen Krankenhausaufenthalt einer besonderen Pflege bedürfen, und ihren Eltern die Möglichkeit, sich in Ruhe mit der Situation zurechtzufinden. Die Wetterauer Zeitung unterstützt den Verein mit einer Spende von 2500 Euro.

Seit vier Jahren hilft das Haus Atemzeit besonderen Familien mit besonderen Kindern. Die Mädchen und Jungen bedürfen einer intensiven Pflege, weil sie schwer krank oder mehrfachbehindert sind. Die Mittelhessische Druck- und Verlagshaus GmbH & Co. KG (MDV), zu der auch die Wetterauer Zeitung gehört, hat den Verein Atemzeit mit einer Spende in Höhe von 2500 Euro unterstützt. Die Weihnachtsspende wird normalerweise von Dr. Max Rempel, Chefredakteur und Geschäftsführer der MDV, persönlich übergeben. Wegen der Corona-Pandemie war dies 2020 nicht möglich.

Im Haus Atemzeit in Wohnbach können Eltern mit ihren Kindern nach einem Krankenhausaufenthalt einen Zwischenstopp einlegen. Dort bekommen sie Hilfe, aber auch Zeit, um mit der neuen Situation zurechtzukommen.

Alle Sinne ansprechen

Die Gründe für einen Aufenthalt im Haus Atemzeit sind vielfältig: Es gibt Kinder, die mit einem Herzfehler geboren wurden, bei manchen liegt eine schwerwiegende neurologische Einschränkung vor, einige wurden viel zu früh geboren, manche benötigen eine Atemhilfe, und bei anderen ist es zu einer Verschlechterungen des Krankheitsbildes gekommen. Eines aber haben alle Eltern gemeinsam: die Sorge um ihr Kind.

In dieser schwierigen Phase möchte Atemzeit den Familien Halt geben. In der Einrichtung gebe es keinen Druck und auch keine Frist, wann ein Kind mit seinen Eltern wieder nach Hause gehen müsse. »Wenn alle so weit sind, wird die Überleitung in das ›echte‹ Zuhause gemeinsam geplant. Zuvor sollen sich alle Familienmitglieder im Haus Atemzeit ein kleines bisschen wie zu Hause fühlen«, sagt Nina Jäger, die zweite Vorsitzende des Vereins.

Um die Patienten optimal auf den Alltag daheim vorzubereiten, lege der Verein großen Wert auf die Förderung der motorischen Fähigkeiten. »Die Physiotherapeuten kommen nach ärztlicher Verordnung ins Haus. Zur weiteren Stärkung stehen im Aufenthaltsraum unterschiedliche Kontaktflächen zur Verfügung«, erklärt Jäger. Es gebe Matten, Liegewiesen und Bälle sowie eine Indoor-Schaukel für die Kleinsten. Um die Motivation zur Bewegung zu steigern, sollten auch alle Sinne der Schützlinge angesprochen werden. » Denn neugierig, die Welt zu erkunden, sind alle im Haus. Jeder so, wie er kann, und in seinem möglichen Rahmen« , betont Jäger. So spiele das Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen bei der Betreuung der Patienten eine große Rolle. Schritt für Schritt würden alle Sinne angesprochen - ob durch laute und leise Geschichten, Leuchten in verschiedenen Farben und Formen oder das eigens hergestellte Fühlbrett.

Eltern werden in Pflege geschult

Währenddessen werden die Eltern von den Mitarbeitern geschult, um das Krankheitsbild ihres Kindes besser zu verstehen. »Sie erlernen die notwendigen Maßnahmen, die das Überleben des Kindes sichern oder einen erneuten Klinikaufenthalt verhindern«, sagt die Vize-Vorsitzende. Die Familien würden auch bei Arztbesuchen und Terminen in der Klinik begleitet.

Neben der medizinischen Versorgung sei eine zentrale Aufgabe des Hauses, die Eltern im Umgang mit Ämtern und Behörden zu unterstützen und ihnen beim Ausfüllen von Anträgen zu helfen. »Diese Aufgabe alleine zu bewältigen ist für die Sorgeberechtigten in vielen Fällen unmöglich, weil die Welt für sie Kopf steht«, sagt Jäger.

Die Eltern hätten während des Aufenthalts mit ihrem intensivpflegebedürftigen Kind die Möglichkeit, für sich herauszufinden, welcher Pflegebedarf notwendig ist und wo genau sie Unterstützung benötigen. Weil die Eltern im Haus Routine in der Pflege und medizinischen Versorgung bekommen und ihre Kinder Fortschritte in der Entwicklung machen, reduziere sich in den meisten Fällen die Zeit, in der Unterstützung durch einen Pflegedienst benötigt werde. Dies ermögliche ein »Mehr« an Familienzeit.

Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, dass die Familien die Einrichtung verlassen, unterstützten die Mitarbeiter von Atemzeit die Eltern bei der Organisation der häuslichen Pflege. »Inzwischen durften schon 44 Kinder zwischen 0 und 16 Jahren wohlbehütet in die Häuslichkeit übergeleitet werden«, sagt Jäger.

Die Spende der MDV soll unter anderem dafür eingesetzt werden, den Bereich der Sozialpädagogik auszubauen. »Es ist wundervoll, dass es das Haus Atemzeit gibt, um Familien in dieser schwierigen Situation Halt zu geben. Das unterstützen wir von ganzem Herzen«, sagt Dr. Max Rempel.

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