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Diese Fundamente im Limeshainer Wald stammen vermutlich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Rätselhafte Pyramiden

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Limeshain (pm). Sie sehen aus wie kleine Betonpyramiden ohne Spitze. Die rätselhaften, moosbewachsenen Bauten im Limeshainer Wald dienten wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg als Fundamente für Funkmasten oder Flakstellungen, in Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Wehrmachtsflugplatz Altenstadt. Diese Relikte einer längst vergangenen Zeit gehören zu den neuesten Zugängen des Kulturlandschaftskatasters des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main.

Darin sind Kulturdenkmäler wie Boden- und Baudenkmäler sowie - nicht denkmalgeschützte - kulturhistorische Landschaftselemente erfasst. Von Letzteren gibt es in der Online-Kartenanwendung rund 1800, dazu sind den vergangenen Monaten 232 dazugekommen, wie der Verband mitteilt. Einige davon, wie die genannten Betonfundamente, stammen aus der neu hinzugekommenen Verbandskommune Limeshain.

Barbarossas Steuergeschenke

Die Neuzugänge bei den Landschaftselementen sind vor allem den Hinweisen engagierter Ehrenamtlicher zu verdanken. Rouven Kötter (SPD), Erster Beigeordneter des Regionalverbands, betont: »Zur Erfassung der historischen Kulturlandschaft sind Heimatforscherinnen und -forscher sowie Geschichtsvereine eine enorm wichtige Quelle. Ohne sie wäre das Kulturlandschaftskataster nicht das, was es ist.«

Für die Gemeinde Limeshain ist es das erste Mal, dass die historische Kulturlandschaft kartiert wird. 56 kulturhistorische Landschaftselemente hat der Verband in Limeshain identifiziert und in das Kataster aufgenommen, die meisten davon sind Grenzsteine. Es gibt aber auch einen Hohlweg, Hügelgräber, Grenzbaum und -graben, Ackerterrassen, einen Hutebaum und anderes. Am Rand der Altstadt des Ortsteils Rommelhausen liegt der »Barbarossabrunnen«. Um ihn rankt sich die Sage, dass Kaiser Friedrich Barbarossa von den armen Einwohnern Wasser aus dem Brunnen angeboten bekam und ihnen deswegen die Steuern erließ.

Einen ganz anderen Einblick in die historische Kulturlandschaft bietet Friedrichsdorf weiter westlich im Verbandsgebiet. Rund um den Dillinger Hof sind heute noch die Spuren landwirtschaftlicher Nutzung zu entdecken. Der Hof entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg, und die Flächen um ihn herum dienten als Äcker. Die damaligen Bauern nutzten wohl einen Pflug, der sich nicht wenden ließ, was bis ins 18. Jahrhundert hinein üblich war. Dieser warf die Erde nur in eine Richtung, sodass im Laufe der Zeit Wölbungen entstanden, die heute noch im Gelände nördlich des Hofes zu erkennen sind. Auf diesen »Wölbäckern« sind nun Streuobstwiesen zu finden.

Das Kulturlandschaftskataster wird auch in Zukunft stetig wachsen. So sollen auch die Daten von den vier weiteren Wetterauer Kommunen, die dieses Jahr dem Regionalverband beigetreten sind, hinzukommen: Echzell, Glauburg, Nidda und Ranstadt.

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