Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, informiert sich über die ehrenamtliche Arbeit des Ehepaares Grabsch. FOTO: HESSISCHE STAATSKANZLEI
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Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, informiert sich über die ehrenamtliche Arbeit des Ehepaares Grabsch. FOTO: HESSISCHE STAATSKANZLEI

Preis für einen Knochenjob

  • vonInge Schneider
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Limeshain(pm/im). Sie leisten Knochenarbeit im wahrsten Sinne des Wortes: Christina und Ernst Grabsch aus Limeshain haben schon Tausende Scherben, Gebeine und Steine gereinigt, beschriftet und verpackt. Zuletzt reinigte, sortierte, katalogisierte und archivierte das Paar alle 460 Skelette, die in Tausenden von Einzelteilen in einem Merowinger-Grabfeld bei Berstadt gefunden worden waren und ein Alter von rund 1500 Jahren aufweisen.

Seit 24 Jahren ist das Ehepaar ehrenamtlich in der archäologischen Denkmalpflege des Wetteraukreises tätig. Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, hat die Limeshainer kürzlich auf einer Rundreise an ihrem "Arbeitsplatz" in der Kreisverwaltung in Friedberg besucht. In Begleitung von Landrat Jan Weckler, Kreisbeigeordnetem Matthias Walther sowie Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal informierte er sich dort über die vielseitige Arbeit des Ehepaares, das zu den drei Kandidaten gehört, die in der Kategorie "Ehrenamt" für den Hessischen Denkmalschutzpreis vorgeschlagen wurden. Dieser ist mit 7500 Euro dotiert.

Arbeit des Paares "unbezahlbar"

Die Tätigkeit des Paares sei sowohl auf Kreis- als auch auf Landesebene unbezahlbar, erläuterte Weckler. Dem stimmte auch Lindenthal zu: "Mit dem Begriff ›Hobby-Archäologie‹ ist das, was Familie Grabsch seit Jahrzehnten leistet, äußerst unzureichend beschrieben." Es sei "hochprofessionelle und präzise Arbeit", die landesweit von Berufsarchäologen und Restauratoren anerkannt, geschätzt und für eigene Forschungsprojekte genutzt würde.

"Christina und Ernst Grabsch sind ein Glücksfall für die Archäologie im Wetteraukreis", sagte Staatsminister Wintermeyer. "Sie helfen verlässlich dabei, die vielfältige Geschichte unseres Landes sichtbar zu machen." Als Beispiele nannte er die Grabungen an der keltischen Saline und dem Badehaus in Bad Nauheim und die Grabungen am Elvis-Presley-Platz in Friedberg nach den römischen und mittelalterlichen Vorbebauungen. "Ihr kontinuierliches ehrenamtliches Engagement im Dienste der Geschichte ist nicht selbstverständlich und verdient deshalb großes Lob und Anerkennung."

Jährlich 8 Millionen Euro Zuwendungen

Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen könnten Christina und Ernst Grabsch selbst Tätigkeiten übernehmen, die eigentlich für Restauratoren vorgesehen seien. "Für uns ist es von großer Bedeutung, das historische Erbe zu schützen und zu bewahren", sagte Wintermeyer. Es gehöre zur Identität des Landes und sei ihnen deshalb jährlich rund acht Millionen Euro für Zuwendungen wert, die zum Erhalt von Kulturdenkmälern beitragen.

Ernst Grabsch fand 1996 über die damalige Kreisarchäologin Dr. Vera Rupp und den Limeshainer Geschichts- und Kulturverein zu seiner erfüllenden Tätigkeit und rasch steckte er seine Ehefrau Christina mit dieser Passion an. Vorgeschlagen wurden das Paar von Lindenthal. Er kennt das Ehepaar seit 1996, damals war er noch Archäologiestudent und Leiter der Grabung in Rockenberg-Oppershofen.

Bescheiden und dabei sachkundig und begeistert, informierte das Ehepaar die Besucher im Kreishaus über alle diese Tätigkeiten. "Für uns ist es spannend, einen Beitrag zum Wissen rund um unsere Vorfahren, ihr Leben, ihren Alltag, ihre Sorgen und ihre oft genialen Lösungen zu leisten", sagte Ernst Grabsch, und seine Frau ergänzte: "Was manchem vielleicht unheimlich erscheinen mag - das Reinigen von Knochen, das Zusammenpuzzeln von Gefäßen, das Auffinden von Grabbeigaben - ist für mich Teil einer wichtigen Arbeit, mit der diesem Erbe unserer Vorfahren Bedeutung und Würde zurückgegeben wird."

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