Beton statt Acker

Landwirte demonstrieren bei HR1-Sendung zum Gewerbegebiet Limes

  • schließen

Das interkommunale Gewerbegebiet Limes hatte sich der HR als Pilotthema für seine Sendereihe "Wir reden drüber" in HR 1 ausgesucht. Vor Ort diskutierten Befürworter und Gegner. Seitenhiebe blieben nicht aus.

Eine Stunde Sendezeit hatte der HR für die Live-Übertragung der Diskussion unter dem Motto "Beton statt Acker – Immer mehr Logistiklager in Hessen" eingeplant. Wenig angesichts der verhärteten Fronten zwischen Kim Sen-Gupta von der Bürgerinitiative "Schatzboden" und Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Kreisbauernverbands Wetterau/Frankfurt, die gegen eine Erweiterung kämpfen, sowie dem Hammersbacher Bürgermeister Michael Göllner und Dr. Gunther Quidde, IHK-Geschäftsführer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, als Befürworter eines vergrößerten Gebiets bei Hammersbach.

Bei der Debatte mit Moderatorin Marion Kuchenny wurde deutlich, wie verhärtet die Fronten zum Teil sind. Das Zelt mit der Diskussionsrunde bildete eine Grenze zwischen rund 15 Befürwortern einer Erweiterung des Gewerbegebiets auf der einen Seite und den Gegnern auf der anderen. Der Regionalbauernverband hatte eine Demonstration mit einem Dutzend Traktoren organisiert. Auch sonst zeigten sich die rund 100 Gegner des Ausbaus gut vorbereitet: Sie hatten zahlreiche Plakate mitgebracht – und Verpflegung.

Emotionale Debatte

"Wenn man sieht, dass da auf Hunderte Jahre keine Landwirtschaft mehr möglich sein wird, blutet einem das Herz", erklärte Rahn-Farr, dass sie die Vernichtung von Ackerflächen für Gewerbegebiete auch emotional berühre. "Was ist ein Landwirt ohne Land?" Sie erläuterte, dass Deutschland schon jetzt nicht mehr in der Lage sei, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Das Problem sei, dass landwirtschaftliche Fläche zu billig sei und die Bauern in den Genehmigungsverfahren keine Lobby hätten.

Die Befürworter der Erweiterung argumentieren vor allem mit Arbeitsplätzen. Göllner stellte fest, dass das Interkommunale Gewerbegebiet auch deshalb so groß sei, weil sich seine Gemeinde mit Büdingen und Limeshain zusammengetan habe, um gemeinsam Gewerbeflächen anzubieten. "Wir haben gesagt, wenn hier 200 Arbeitsplätze entstehen, wäre es gut." Jetzt habe eine Firma, die demnächst eröffne, sogar alleine 500 Arbeitsplätze geschaffen. Kuchenny hielt entgegen, dass sie mit dem Unternehmen gesprochen habe. Dort habe man noch keine Arbeitsverträge bestätigt.

Als sie Göllner fragte, woher er sich Fachwissen hole, da Kommunalpolitiker bei solchen komplexen Entscheidungen "an den Rand ihrer Möglichkeiten gebracht werden", blaffte er zurück. "Ich habe auch den Eindruck, dass Journalisten an den Rand ihrer Möglichkeiten gebracht werden."

Vorwurf: Bauern vernichten Natur

Der scharfe Ton setzte sich fort. Als Rahn-Farr "Waffengleichheit" für die Landwirte in den Genehmigungsverfahren einforderte, rief Büdingens Bürgermeister Erich Spamer dazwischen: "Wir brauchen Waffengleichheit mit der Natur." Er warf den Landwirten vor, mit Monokulturen ohne Feldholzinseln den Artenreichtum zu vernichten. Auch Göllner griff die Gegner an. "Es ist immer leicht, gegen etwas zu mobilisieren." Er warf ihnen vor, mit Halb- und Unwahrheiten Angstbilder zu erzeugen. "Das ist pure Demagogie."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare