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Berufung nach Hebebühnen-Unglück

Limeshain/Gießen (tan). Ein 30-jähriger Vater von vier Kindern steht im März 2013 in einer Werkstatt unter einer Hebebühne, begutachtet einen 1575 Kilogramm schweren Renault von unten. Plötzlich bricht die Hebebühne zusammen, der Mann wird unter dem herabstürzenden Auto eingeklemmt. Er stirbt.

Im Januar 2014 wird der 39-jährige Betreiber der Werkstatt in einem Limeshainer Ortsteil vom Büdinger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro verurteilt. Die Hebebühne war laut Gericht nicht ausreichend gewartet (die WZ berichtete). Gegen das Urteil ist der 39-Jährige in die Berufung gegangen. Am Landgericht Gießen wurde am Donnerstag erneut verhandelt.

Noch einmal wurden die Fakten thematisiert. Der Betreiber der Werkstatt, ein Ortenberger mit polnischen Wurzeln, saß zum Zeitpunkt des Unglücks im Gefängnis. Drei Jahre wegen schwerer Körperverletzung. Seine Mutter war von ihm in der Zeit seiner Haft als Geschäftführerin der Werkstatt samt Reifenshop eingesetzt gewesen.

Bereits beim Verfahren am Amtsgericht Büdingen war geklärt worden, dass der Ortenberger die Hebebühne 2005 gekauft hatte. Eine TÜV-Plakette wies auf die nächste Prüfung hin, die bereits 2004 fällig gewesen wäre. Auch wenn der 39-Jährige im damaligen Verfahren behauptet hatte, mehrfach nachgeschaut zu haben, dass mit der Bühne alles in Ordnung war – Unterlagen über TÜV-Prüfungen hatte er nicht vorlegen können.

Ein Sachverständiger hatte beim ersten Verfahren erläutert, dass laut Vorgaben Hebebühnen einmal jährlich durch einen sachkundigen Mitarbeiter geprüft werden müssten. Einer TÜV-Überprüfung bedürfe es nicht ausdrücklich. Der Experte hatte zudem berichtet, dass Trag- und Sicherheitsmuttern der Bühne verschlissen gewesen seien, die Wiederauffahrsicherung habe nicht funktioniert. Sie verhindere normalerweise, dass die Anlage mit einem Fahrzeug nach oben fahre, wenn ein technisches Problem vorliege. Die Gewindespindel sei nicht wie vorgeschrieben geölt, sondern gefettet gewesen. Der Verteidiger des Ortenbergers hatte damals vorgebracht, es sei verboten gewesen, den Bereich unter der Hebebühne zu betreten. Zwei Warnschilder hätten ausdrücklich darauf hingewiesen. Der Angeklagte habe, da er nicht vor Ort gewesen sei, keinen Zugriff auf die Werkstatt gehabt.

"Nicht um Wartung gekümmert"

Vorsitzender Richter Dr. Johannes Nink sagte am Donnerstag: "Wie immer im Leben sind hier einige Fehler zu viel zusammen gekommen." Dem Angeklagten werde nicht zum Vorwurf gemacht, übersehen zu haben, dass die Tragmuttern der Hebebühne verschlissen gewesen seien. In dubio pro reo müsse man davon ausgehen, dass sich der Unfall in seiner Abwesenheit zugetragen habe. Vorwerfbar sei dem 39-Jährigen aber, dass er sich nicht um eine fachgerechte Wartung der Anlage gekümmert und Prüfungsintervalle nicht beachtet habe. Die Ursächlichkeit für den Unfall sei nicht wegzudiskutieren. Zudem habe der 39-Jährige die Anlage ohne fachgerechte Aufsicht zurückgelassen.

Nach einer Rücksprache mit seinem Verteidiger zog der Ortenberger die Berufung zurück. Es bleibt damit bei der Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 10 Euro.

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