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Der Ort der Liebe

  • vonred Redaktion
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Wo willst du sein? Das fragte ich die Kinder der ersten Klasse im Religionsunterricht. Vor ihnen lag ein Ausmalbild, auf dem die Schüler Jesus sehen konnten, wie er Kinder segnet. Andere Kinder schauen auf dem Bild zu oder sitzen ihm zu Füßen. Man sieht aber auch, wie Männer eine Gruppe von Eltern mit ihren Kindern abweisen wollen, weil sie der Meinung sind, dass Kinder nur stören würden.

Nun sollten sich die Kinder der Klasse mit ihrem Namen eintragen, wo sie gern im Bild sein möchten. Mehrere Mädchen trugen sich bei einem sitzenden Mädchen ein. Begründung: "Weil es so schöne Haare hat." Einige Jungs schrieben ihre Namen auf den Baum, in dessen Schatten Jesus saß. "Wir klettern gerne" war ihre Begründung. Zwei Jungs schrieben ihren Namen auf Jesus direkt. Sie sagten: "Wir wollen so sein wie er." Ein Junge war ganz angetan von dem Jünger, der in die Ferne zeigte und damit die Eltern mit ihren Kindern abwies. Unbewusst hatte der Junge sich für diese Figur entschieden, weil er gerade selbst so etwas erlebte. Und schließlich fragte ich ein Kind: "Warum hast du deinen Namen zu dem Kind geschrieben, das bei Jesus auf dem Schoß sitzt?" "Weil es ein Ort der Liebe ist", antwortete es mir. Ich war sprachlos über diese Erkenntnis.

Alle Aussagen der Kinder hatten etwas Existenzielles: Es geht ihnen um das, was ihnen wichtig ist. Und schließlich die Erkenntnis, dass es Orte gibt, die voller Liebe sind. Für Kinder ist das gewiss die Geborgenheit, die sie bei Eltern, Großeltern, in der Kita oder Schule finden können. Oder eben auch in der Religion.

Wo ist der Ort der Liebe für Sie als Erwachsene? In der Familie, im Ehrenamt, im Verein oder Beruf?

Der Monatsspruch für Oktober aus dem Buch des Propheten Jeremia weist uns auf einen besonderen Ort hin: "Suchet der Stadt ihr Bestes und betet für sie. Denn wenn’s ihr wohl geht, geht es auch euch wohl." Da, wo wir uns für ein gutes Zusammenleben in der Stadt einsetzen, entsteht ein Ort der Liebe, weil alle davon profitieren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Suche nach Ihrem Ort der Liebe.

Pfarrer E. Dautenheimer, ev. Gesamtkirchengemeinde Karben

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