Das Friedenslicht findet immer neue Leuchtstellen in den Höfen und Häusern. FOTOS: HAUSMANNS
+
Das Friedenslicht findet immer neue Leuchtstellen in den Höfen und Häusern. FOTOS: HAUSMANNS

Licht in dunkler Zeit

  • vonAnnette Hausmanns
    schließen

Einen eigenen Gottesdienst für die Messdiener von St. Remigius hatte es noch nicht gegeben. Auch der "Ministrant des Jahres" ist neu für Ober-Mörlen. Und dass das Friedenslicht aus Bethlehem von den "Minis" zu den Menschen getragen wird, war ebenso noch nie vorgekommen. Dass mit Corona auch neue Türöffner einhergehen können, durfte die Pfarrei am Sonntag erleben.

Manch ein Ober-Mörler mag sich am Sonntag um 15.45 Uhr gewundert haben, als die Glocken läuteten. Tatsächlich eine ungewöhnliche Zeit für einen Gottesdienst im Advent. Es war aber auch ein ungewöhnlicher Gottesdienst in einem außergewöhnlichen Jahr. Erstmalig wurde für die Messdiener von St. Remigius eine Messe gehalten - eine Messe von und mit den Ministranten, die 52 Wochen im Jahr ihren Dienst am Altar versehen. Auch zu Corona-Zeiten.

Pfarrer Ryszard Strojek freute sich sehr, gut 20 junge Menschen im Kirchenschiff begrüßen zu dürfen. Mit Ausnahme der beiden Messdiener "im Dienst" hatten sich die "Minis" coronakonform im Gotteshaus verteilt, um einmal "nur" Gottesdienstbesucher zu sein.

Nach der jungen geistlichen Musik aus einem klangvollen Bluetooth-Lautsprecher übernahm Pfarrer Strojek gerne die ihm aufgetragene Aufgabe, den "Messdiener des Jahres" auszuzeichnen: Matthias Dahl war vollends überrascht, von seinen Weggefährten gewählt worden zu sein.

Er sei immer für alle da, hieß es in der Begründung, Matthias springe ein, wann immer er gebraucht werde, und leiste seinen Dienst am Altar mit derart viel Begeisterung, dass es ansteckend sei, erzählte Strojek. Seit sechs Jahren gehört der Geehrte zur Messdienergemeinschaft, die den stets freundlichen jungen Mann ihrerseits trägt, wenn er wegen seiner körperlichen Einschränkung Hilfe braucht. Er liebe es, die Glocken zu läuten und sich ums Licht zu kümmern, erzählte der Messdiener des Jahres nach dem Gottesdienst, der mit drei weiteren Ehrungen aufwartete: Für ihren langjährigen Dienst am Altar gebührte Jonas Jox (15 Jahre), Jakub Polanik (12 Jahre) und Alicia Meiß (10 Jahre) Lob und Anerkennung.

Viel Herzblut hatten die älteren Messdiener in die Gestaltung des Gottesdienstes mit junger Musik und selbstgeschriebenen Texten gegeben. Frei nach dem "Kleinen Prinzen" stellten sie in vier szenischen Alltagssituationen fest: "Du siehst nur mit dem Herzen gut" und entzündeten jeweils eine Kerze. Nicht von ungefähr trugen die Kerzen den Schriftzug "Licht von Bethlehem". Im Anschluss an den Gottesdienst waren sie den Messdienern Wegbegleiter für ihren besonderen Rundgang durchs Dorf: Sie trugen das Friedenslicht zu denjenigen Menschen, die ihr Angebot angenommen und sich in eine Liste eingetragen hatten - statt wie zu Vor-Corona-Zeiten ihr Friedenslicht am vierten Advent von der Messe aus mit nach Hause zu nehmen.

Dass es am Sonntagabend Bindfäden regnete, konnte die Ministranten nicht davon abhalten, gut gestimmt ins Dorf auszuschwärmen und das Friedenslicht zu 45 angemeldeten Haushalten zu tragen - mit Maske und Abstand und doch ganz im Einklang mit dem diesjährigen Motto der Aktion "Frieden überwindet Grenzen". Mal stand eine Laterne zum Anzünden bereit vor der Tür, mal öffnete jemand aufs Klingeln hin, um das Licht entgegenzunehmen. Strahlende Gesichter im Kerzenschein sprachen von Freude und Dankbarkeit, und zu gerne hätte man Leonard Cohen’s "Hallelujah" mitgeschmettert, das dank Mini-Lautsprecherbox durch den nieseligen Abend trug.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare