Flexibilisierung der Arbeitszeit und Vereinbarung von Familie und Beruf sind zwei Themen, die Hauptamtsleiter Alexander Jung und seiner Stellvertreterin Yvonne Gräser im Schönecker Rathaus am Herzen liegen. FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF

INFO

Mit Leib und Seele Hauptamtsleiter

Gestalten, ohne dabei selbst Politik zu machen, das ist das Kunststück, an das sich Alexander Jung, der neue Hauptamtsleiter im Schönecker Rathaus, vor etwas mehr als einem Jahr gewagt hat. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Reichelsheimer über seine Aufgaben und darüber, wie sich die kommunale Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Altenstadt und drei weiteren Kommunen entwickeln soll.

Für diese Zeitung wagte Alexander Jung kürzlich eine erste Zwischenbilanz und startet sogleich mit einem großen Lob für seine Mitarbeiter: »Ich fühle mich hier im Rathaus so, als gehörte ich schon die ganze Zeit zu der Mannschaft. Es herrscht hier wirklich ein toller Teamgeist.« Jung weiß, wovon er spricht, denn seine Karriere begann er 1995 bei der Frankfurter Stadtverwaltung. Dort startete er zunächst im Mittleren Dienst mit Stationen in der Ausländerbehörde und im Jugend- und Sozialamt. Nebenbei studierte Jung noch Betriebswirtschaft und wechselte später in den Gehobenen Dienst als Schatzmeister nach Eschborn.

Über Egelsbach, wohin er vor circa vier Jahren als Haupt- und Personalamtsleiter wechselte, kam der gebürtige Reichelsheimer vor etwas mehr als einem Jahr nach Schöneck. Wiederum als Hauptamtsleiter mit dem Personalbereich als Schwerpunkt. »Nach Schöneck und damit näher an meinen Wohnort Maintal-Wachenbuchen hat es mich vor allem wegen meiner Familie gezogen«, verrät der 43-jährige zweifache Familienvater. Doch auch die neue Herausforderung im Rathaus habe ihn zu dem Wechsel veranlasst. Denn die dortige Stelle des Hauptamtsleiters war mit einer kurzen Unterbrechung seit längerem nicht besetzt gewesen. Und so seien in dieser Zeit einige organisatorische Dinge etwas zu kurz gekommen.

Deshalb habe er sich zunächst an die Erstellung eines neuen Organigramms gemacht, berichtet Jung. So wurden aus vier Abteilungen nun fünf. »Die Finanzen habe ich als erstes ausgegliedert, weil dieser Bereich einfach zu komplex ist«, sagt Jung. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Ausbildung von Nachwuchskräften. »Vor der Corona-Krise war es nämlich schwierig, geeignetes Personal zu bekommen. Deshalb das verstärkte Augenmerk auf die Ausbildung.« Möglicherweise ändere sich das nach der Krise, weil durch sie der öffentliche Dienst wieder attraktiver geworden sei.

Internetangebot ausbauen

Unter den 70 Mitarbeitern in den beiden Rathäusern in Kilianstädten und Büdesheim sowie den etwa 100 Erzieherinnen in den Kindertagesstätten befinden sich zurzeit nur zwei Auszubildende. Im nächsten Jahr soll die Anzahl der Azubis verdoppelt werden mit der Aussicht auf Festanstellung nach Abschluss der Ausbildung, wie Jung versichert. »Das ist deshalb so wichtig, weil schon 2030 ein Drittel unserer derzeitigen Mitarbeiter das Rentenalter erreicht haben werden«, begründet Jung seine Anstrengungen.

Neben der Flexibilisierung der Arbeitszeit legt Jung großen Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. »Dabei soll die eigene Verantwortung jedes Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin zukünftig stärker betont werden«, berichtet Jung weiter. Eine stärkere Herausforderung bedeutet für ihn auch die Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes und der Datenschutzgrundverordnung, die der Gesetzgeber den Kommunen vorgeschrieben hat.

»Das bedeutet für uns erst einmal viel Arbeit, für den Bürger aber stellt es später eine große Erleichterung dar, wenn er von zu Hause aus über das Internet Leistungen der Gemeinde abrufen kann«, erklärt der Hauptamtsleiter, der sich auch ehrenamtlich in der Ausbildung betätigt. So unterrichtet er als Dozent im hessischen Verwaltungsschulverband Staatsrecht und Buchführung und ist Mitglied im Prüfungsausschuss für Verwaltungsfachwirte.

Die Neuorganisation im Rathaus und vor allem deren Digitalisierung hat mittlerweile aber auch Folgen für die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen. So wurde die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Altenstadt im Bereich Personalwesen zum Jahresende im beiderseitigen Einvernehmen aufgekündigt. »Die enge Zusammenarbeit in den restlichen Bereichen bleibt natürlich bestehen«, betont Jung. Im Gegenteil: Sie werde sogar ausgebaut, beispielsweise jetzt durch das Schaffen eines neuen Ordnungsamtsbezirks oder der Schaffung einer neuen zentralen Vergabestelle mit vier größeren Gemeinden. »Wer das ist, ist allerdings derzeit noch geheim«, macht Jung neugierig auf Kommendes. Allerdings solle die Vereinbarung bereits 2021 greifen.

Kommunen können sich zur gemeinsamen Aufgabenwahrnehmung verschiedener Organisationsformen bedienen. Die öffentlich-rechtlichen Formen der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) sind in Hessen im Gesetz über die Kommunale Gemeinschaft (KGG) geregelt. Danach ist neben dem Abschluss von öffentlich-rechtlichen Verträgen mit unterschiedlicher Bindungswirkung vor allem auch die Gründung von Zweckverbänden möglich. Weitere öffentlich-rechtliche Verwaltungsgemeinschaften sind der Gemeindeverband oder die Zweckgemeinde. Kommunale Zusammenarbeit kann aber privatrechtlich durch gemeinsame Gründung eines öffentlichen Unternehmens organisiert werden oder durch vertragliche Zusammenarbeit etwa per Werkvertrag, einem Kooperationsvertrag. jwn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare