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Lebenselixier Sole und Salz

  • vonAnnette Hausmanns
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Wer an das ehemalige Bad Nauheimer Salzmuseum denkt, dem fällt sicher sofort das Teichhausschlösschen ein. Die Erinnerung an das Vorgänger-Modell im ehemaligen Kurhaus, dem heutigen Hotel "Dolce", dürfte verblasst sein. Am gestrigen Donnerstag vor 60 Jahren wurde hier das stadtgeschichtliche Schatzkästchen eröffnet, nur ein Jahr nach Schließung der Bad Nauheimer Saline.

Am 27. August 1960 wurde in Bad Nauheim das Salzmuseum gegründet. Drei Abteilungen waren zu diesem Zwecke im Kurhaus des hessischen Staatsbades eingerichtet worden. Im bundesweit ersten Museum seiner Art konnten die Besucher auf Zeitreise gehen zur keltischen Salzgewinnung, zum Aufbau Nauheims zur bedeutendsten Sudsaline Deutschlands unter dem Salzgrafen Waitz von Eschen und zum Aufstieg Nauheims vom Söderdorf zum Herzheilbad.

Gefeiert wurde die Museumseröffnung auch in den Medien: "Der 27. August 1960 wird in die Geschichte Bad Nauheims eingehen als ein Tag, an dem kulturelle Taten aus Vergangenheit und Gegenwart zukunftsweisend aufgezeichnet wurden", schrieb die Kurzeitung.

Besucher aus aller Welt im Jahr 1970

"Wenn wir uns vorstellen, was durch die Ausgrabungen für die vergangenen 2000 Jahre belegt ist, dass die Existenz der Menschen dieses Raums von jeher durch die Solquellen und damit durch das Salz bestimmt wird, so lag es nahe, das Museum als Salzmuseum aufzubauen", wird Kurdirektor Dr. Ernst Kleinert bei der Eröffnung im Foyer des Kurtheaters zitiert. Mit dem Museum schließe sich eine Lücke im Kulturleben der Stadt und des Bades, schrieb die Kurzeitung weiter. Und: "Es war ein Körnlein Salz, das Handel und Wandel in Bewegung setzte, das ein Söderdorf zum Herzheilbad der Welt schuf und im Erforschen des Bodens noch immer nicht zur Ruhe gekommen ist."

Anlässlich des Deutschen Bädertages 1968 in Bad Nauheim kamen die Kurdirektoren sämtlicher deutscher Badeorte, Fremdenverkehrsverbände und Politiker.

Zum Zehnjährigen wies Museumsleiter Walter Klein laut Wetterauer Zeitung vom 27. August 1970 auf namhafte deutsche und internationale Besucher und Gruppen hin, darunter Studenten aus Afrika, Indien, Pakistan, Südamerika, Australien und Universitätsprofessoren aus Tokio. Binnen zehn Jahren hatten 45 000 Besucher die stets erweitere Sammlung bewundert.

Im Sprudelhof "zwischengelagert"

Das Museum im Bad Nauheimer Kurhaus platzte bald aus allen Nähten und zog 1977 ins renovierte Teichhausschlösschen um. Als das Staatsbad das Schlösschen veräußerte, musste das Museum im Jahre 1996 geschlossen werden. Alle Exponate wurden registriert, Dokumente, Bücher, Bilder, Fotos und Modelle, Salzkristalle, Steinsalz, keltische Mahlsteine, Werkzeuge, Holzpflöcke, Keramik, Glas, Bronzeschmuck und vieles mehr verpackt und im Sprudelhof "zwischengelagert".

Viele Gedanken hat man sich um ein Nachfolge-Museum gemacht, über Jahre auch ein auf Initiative der Bürgerstiftung "Ein Herz für Bad Nauheim" eigens gegründeter "Verein Bad Nauheimer Museen". Landesdenkmalpflege, Kreisarchäologie, städtischer AK Museum und Kulturamt, Keltenverein, Jugendstilverein, AG Geschichte, Nieder-Mörler Geschichtsverein, Elvis-Presley-Verein, Agenda 21, Seniorenbeirat, politische Parteien, bildende Künstler, Gästeführer, Schulen, Kirchen und interessierte Bürger trugen Ideen bei in der Hoffnung, die Entwicklung der Stadt über 2500 Jahre lückenlos bis in die Gegenwart veranschaulichen und sich womöglich als "Herz Deutschlands" positionieren zu können.

Die Überlegungen reichten von einem "Museum im Museum" im Gradierbau III, einem zentralen Museum in der Trinkkuranlage, im Bahnhof oder in der ehemaligen Saline über ein Keltenzentrum im Sprudelhof bis zu dezentralen Erlebnisbereichen. Die Kunstinstallationen "Mehrsalz" und "HerzSchmerz" in den Jahren 2010 und 2011 in der einstigen Saline sowie 2010 ein Benefizkonzert der Gießener Philharmoniker im Jugendstiltheater belebten das öffentliche Interesse an einer Darstellung der spannenden Stadtgeschichte.

Objekte eines Tages wieder zeigen

Aktuell hat die Stadt Bad Nauheim, in deren Besitz die Staatsbad-Immobilien übergegangen sind, die in verschiedenen Badehäusern des Sprudelhofs eingelagerten Museums-Objekte zusammengesucht und in einer Halle auf dem Gelände des Kur- und Servicebetriebs gesichert.

Wie Bad Nauheims Erster Stadtrat Peter Krank erklärt, werde an Konzepten gearbeitet, die Objekte eines Tages, auch unabhängig von einem Museum, wieder zeigen zu können.

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