1,50 Meter Mindestabstand - auch das sorgt in der Gastronomie für starke Einschränkungen. Mehr als 50 Wirte, Hoteliers und Caterer beraten deshalb auf Burg Gleiberg bei Gießen Sorgen und Nöte, aber auch Perspektiven ihrer Branche. FOTO: SO

Lauter Ruf nach Hilfe

Die Abstandregeln und das Geld - das sind die zentralen Themen für Gastronomen in Corona-Zeiten. Mehr als 50 Hoteliers, Caterer, Restaurantbetreiber und Gastwirte haben auf Burg Gleiberg bei Gießen Sorgen und Befürchtungen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht - und eine Resolution an die Politik erarbeitet. Hubertus Schultz vom Schlosshotel aus Gedern war dabei. Eine ab heute neu geltende Regel sorgt für etwas Hoffnung.

Wenn sich nichts ändert, dann sehe ich schwarz«, sagt ein Restaurantbetreiber verzweifelt. »Es stellt sich schlicht die Frage, wie lange wir durchhalten.«

Mit der Angst um seine berufliche Existenz ist er nicht allein. Mehr als 50 Gastronomen und Hoteliers. Caterer und Betreiber von Cafés und Kochschulen aus vier mittelhessischen Landkreisen sind am Dienstag auf Einladung von Axel Horn und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) auf Burg Gleiberg bei Gießen zusammengekommen. Um sich auszutauschen und um die Öffentlichkeit auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen.

Denn die Nöte der Branche sind groß. Mit der bis Dienstag geltenden Vorgabe, dass jedem Gast fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen, dass auch künftig der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden muss, sind die Gastronomiebetriebe sehr limitiert. Spontaner Applaus brandet deshalb auf, als die Nachricht in das Treffen hereinplatzt, dass die Fünf-Quadratmeter-Regelung ab Donnerstag wegfällt. Das hilft wieder etwas weiter, aber es können auch dann längst nicht alle Sitzplätze in einer Gaststätte belegt werden. Denn Gastronomen müssen weiterhin für einen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Gästen sorgen.

Der weiteren Lockerung zum Trotz ist die Einschätzung von Hubertus Schultz eher pessimistisch: Es steht zu befürchten, dass 30 Prozent der Kollegen auf der Strecke bleiben, prognostiziert der Gastronom aus dem Schlosshotel in Gedern. Denn die Kosten sind höher als die Einnahmen. »Von Gewinn will ich gar nicht reden«, sagt er.

Ein anderer Restaurantbetreiber spricht von vielleicht 15 Prozent dessen an Umsatz, was er sonst im Mai hat. Viele hielten noch den Sommer über durch, aber dann werde es eng. Denn Mieten, Pachten Versicherungen - all das läuft ja weiter.

Daran hängen Existenzen, nicht nur der Wirtsleute selbst. Viele haben ihre Festangestellten in Kurzarbeit geschickt. Und die Aushilfskräfte in Service und Küche? Nun ja - bedauerndes Schulterzucken in der Runde.

Dabei ist allen klar: Gute Aushilfen braucht es dann umgehend wieder, wenn der Laden wieder läuft. Was aber, wenn die eingearbeiteten Kräfte und eingespielten Teams sich in der Zwischenzeit anders orientiert haben, weil sie eben Geld verdienen müssen?

Gleichwohl appelliert der Gederner Schultz an die Berufskollegen, das Virus und die Auflagen ernst zu nehmen: »Wir müssen uns an die Spielregeln halten, sonst werden wir alle verlieren.« Eben die Abstandsgebote und Hygienevorschriften strikt zu wahren, auch wenn dies Aufwand ist und Geld kostet. Der eine oder andere Wirt behilft sich da schon mit einer »Hygienepauschale« auf der Rechnung. Doch das rettet ein Geschäft mit drastisch reduziertem Umsatz auch nicht.

Um das Überleben nach Monaten der Not und einem eigentlich wirtschaftlich »abgehakten« Jahr 2020 aber zu sichern, da bedürfe es Unterstützung vom Land und vom Bund, ist als Forderung immer wieder zu vernehmen.

Die Soforthilfe sei angekommen, sei wichtig und richtig gewesen. Doch darüber hinaus bedürfe es weiterer Mittel: »Und zwar Geld, das wir nicht zurückzahlen müssen.« Die Fragen, die das Gastgewerbe umtreiben, lauten: »Wann kommt dieser Zug aus dem Tunnel wieder raus, und wann sehen wir Licht? Vor allem aber: Wann steigen wieder Leute ein?

Denn nicht nur, dass Familienfeiern, Hochzeiten, Konfirmationen, Messen und Tagungen seit Mitte März bis auf Weiteres weitgehend abgesagt oder auf 2021 verschoben sind. Zudem haben die Menschen Ängste. Sie sind deshalb vielfach zurückhaltender geworden, was den Besuch im Restaurant, in der Bar oder der Kneipe angeht.

Mindestens genauso wichtig wie Geld ist den versammelten Gastronomen derweil der Blick nach vorn, um auch künftig für ihre Gäste da zu sein: Gastronomie ist ein Stück Kultur und Lebensart, hat eine große Bedeutung für die Menschen. Das gilt es, in die Zukunft zu denken.

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