Sie wird dieses Mal zwei Jahre lang die Krone tragen: Laternenkönigin Karina I. mit (v. l.) Martina Rexterroth, Ludger Stüve und Inge Tatzel vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Büdesheimer Laternenfest.  	FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF
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Sie wird dieses Mal zwei Jahre lang die Krone tragen: Laternenkönigin Karina I. mit (v. l.) Martina Rexterroth, Ludger Stüve und Inge Tatzel vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Büdesheimer Laternenfest. FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF

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Laternenkönigin bleibt im Amt

  • vonJürgen W. Niehoff
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Nun ist auch das Büdesheimer Laternenfest für dieses Jahr abgesagt. Dabei wäre es ein besonderes Fest geworden, denn die Arbeitsgemeinschaft, die die Umzüge seit 1960 ausrichtet, feiert in diesem Jahr ihren 60.Geburtstag.

Eigentlich gibt es die Umzüge in Büdesheim schon seit Anfang der 1950er Jahre. Damals schlossen sich auf einem Sommernachtsball des Sport- und Kulturvereins spontan die Kapelle und Gäste zu einem kleinen Umzug mit Lampions und Lichterketten zusammen und zogen durch Büdesheim. Aus diesen zunächst spontanen, später dann aber von der Gemeinde geförderten Umzügen wurde dann schon bald eine feste Einrichtung, die 1960 von der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft Büdesheimer Laternenfest übernommen und fortgeführt wurde.

»Mit all den schönen Traditionen mussten wir dieses Jahr brechen, nachdem Bund und Länder bekannt gegeben haben, dass als Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie bis zum 31. August Großveranstaltungen wie auch Volksfeste untersagt sind. Daraufhin mussten wir auch unser Büdesheimer Laternenfest 2020 abgesagt«, berichtet der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ludger Stüve, Schönecks langjähriger Bürgermeister.

Vorbereitungen liefen bereits

Nachdem man im Vereinsvorstand Anfang März beim Ausbruch der Epidemie noch gezögert habe, sei dann die endgültige Entscheidung, nämlich das Fest für dieses Jahr abzusagen, in der Vorstandssitzung Anfang Mai gefallen. »Den Freunden des Laternenfestes ist die Situation im Festzelt, am Straßenrand, an den Verkaufsständen und in den privaten Gärten hinreichend bekannt. Dort herrscht eine derartige Enge, dass der Verbreitung des Coronavirus Tür und Tor geöffnet würde, was niemand zum jetzigen Zeitpunkt verantworten kann«, begründet Stüve die Entscheidung. Dabei waren die Vorbereitungen für das Laternenfest 2020 bereits im vollen Gange.

Weil nach alter Tradition jedes Jahr am ersten Samstag im August mit dem Entzünden der Festbeleuchtung am alten Büdesheimer Rathaus und dem Beginn der Wasserspiele an der Nidderbrücke das Büdesheimer Laternenfest durch die Laternenkönigin eröffnet wird, hatte man sich bereits auf eine neue Laternenkönigin samt Hofdamen geeinigt, die ersten Gespräche mit Sponsoren waren geführt und auch mit den örtlichen Vereinen war über deren Teilnahme bereits gesprochen worden. »Alles umsonst«, bedauert die Vorsitzende des Krönungsausschusses der Arbeitsgemeinschaft, Martina Rexterrot. Die Namen der beinahe Laternenkönigin 2020 und deren Hofdamen will sie jedoch trotzdem nicht verraten. »Die stehen uns auch nächstes Jahr zur Verfügung und deshalb bleiben die Namen geheim.«

er Ausfall des diesjährigen Festes trifft nun allerdings die amtierende Laternenkönigin Karina I. umso mehr. Ihre Amtszeit als Laternenkönigin verlängert sich nämlich jetzt um ein weiteres Jahr.

»Das ist nicht weiter schlimm, denn seit meiner Krönung und dem Laternenfest im vergangenen August hatte ich noch nicht mal zehn Termine in den folgenden Monaten als Laternenkönigin«, sagt die 26-jährige Floristin. Sie denke immer noch mit Freude an das Festwochenende im vergangenen Jahr. »So voll wie am Freitagabend im Festzelt zur FFH-Party war es noch nie. Da hatte ich selbst als Laternenkönigin Schwierigkeiten, ins Zelt zu kommen«, berichtet sie.

Zeit der Krisen eigentlich vorbei

»In der Tat scheint die Attraktivität des Festes wieder zuzunehmen« pflichtet Schatzmeisterin Inge Tatzel bei. Sie gehört der Arbeitsgemeinschaft seit ihrer Gründung an und hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. »Vor etwa 20 Jahren steckte der Verein in einer Krise. Es fehlte die richtige Motivation. Doch diese Zeit ist gottseidank vorbei«, berichtet Tatzel. Das hänge wohl damit zusammen, dass jeder im Verein eine Aufgabe habe. »Wir haben rund 50 Mitglieder, aufgeteilt in vier unterschiedliche Arbeitsgruppen. Und wer da nicht mitmacht, kann gehen«, nennt Stüve die ungeschriebenen Gesetze des Vereins.

Mit langer Tradition ist das Laternenfest weit über Schönecks Grenzen hinaus bekannt. Jetzt hoffen alle, dass der Ausfall des 69. Festes unbeschadet überstanden wird und keine Lücken in die Reihen der Mitwirkenden reißt.

Als Vorgänger des Büdesheimer Laternenfestes können die traditionellen Sommernachtsbälle des Sport- und Kulturvereins bezeichnet werden. 1950 schlossen sich spontan Tanzkapelle und Festgäste zu einem Umzug zusammen, der von der Turnhalle des SKV zur Schlossstraße und zurück führte. Aus diesem Erlebnis heraus entstand der Wunsch, im folgenden Jahr ein Sommernachtsfest zu veranstalten. So fand am ersten Samstag im August 1951 im Saal und Hof der Turnhalle ein Sommernachtsfest mit Lampions und Lichterketten statt. Und wieder formierten sich Festbesucher und Kapelle zu einem Umzug von der Turnhalle bis zum Rathaus und zurück, diesmal mit Lampions und Fackeln. Als sich dann auch die Gemeinde offiziell daran beteiligt, war das Büdesheimer Laternenfest geboren. jwn

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