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Arbeiten im Rathaus

Langweilig wird es im geschlossenen Rathaus nicht

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Die Verwaltungsangestellte Kerstin Buttler arbeitet im Vorzimmer von Florstadts Bürgermeister Herbert Unger. Sie ist immer herzlich und zugewandt - auch in der Corona-Krise.

Alle Rathäuser sind geschlossen. Die Mitarbeiter nur noch per Telefon und E-Mail erreichbar, nach Terminabsprache auch persönlich, aber nur, wenn es wirklich dringend ist. Ist ihr langweilig? Kerstin Buttler fängt an zu lachen. »Nein. Das normale Tagesgeschäft läuft ja weiter, Corona kommt obendrauf.«

Am vergangenen Freitag, als die Kita- und Schulschließungen verkündet wurden, ging der Organisationsmarathon los. Stadtverwaltung und Kindergartenleitungen sprachen sich ab, die Elternbeiräte informierten die anderen Mütter und Väter. »Am Montag wusste jeder, was auf ihn zukommt. Keiner stand ratlos vor der Kindergartentür«, berichtet Buttler und lobt ihren Chef: »Herr Unger ist der absolute Krisenmanager.«

Auch Erzieherinnen haben genug zu tun

Die Notbetreuung in den Kitas nehmen nur ganz wenige in Anspruch. Alle Erzieherinnen, sofern sie nicht zu einer Risikogruppe gehörten, arbeiten weiter in den Einrichtungen. Sie kümmern sich um Aufgaben, für die im Alltag wenig Zeit bleibt: Sie räumen zum Beispiel die Spielschränke auf und streichen draußen die Spielgeräte.

Diese Entschleunigung, wie Buttler es nennt, ist bei ihr selbst noch nicht angekommen. Am Montag hat sie ihren Arbeitstag um 6 Uhr begonnen, »weil ich nicht wusste, was auf uns zukommt«. Normalerweise besucht Bürgermeister Unger alle Senioren zu runden Geburtstagen, und er schüttelt auch Gold- und Diamanthochzeitspaaren die Hand. Solche Besuche müssen abgesagt werden, vor allem zum Schutz der älteren Bürger, ebenso gebuchte Feiern in den Bürgerhäusern, wenn zu erwarten ist, dass mehr als 100 Gäste kommen. Das betrifft Privatpersonen ebenso wie Vereine, etwa die SG Stammheim, den SC Nieder-Mockstadt und den FC Nieder-Florstadt, die alle ihr 100-jähriges Bestehen feiern wollten.

»Wir müssen den Menschen ruhig und sachlich erklären, worum es geht«

»Die meisten haben den Ernst der Lage inzwischen begriffen und sagen teilweise schon selbst ab«, erzählt Buttler. Anfang der Woche war das noch nicht bei allen so. Einer Bürgerin musste sie länger erläutern, warum der runde Geburtstag eines älteren Verwandten nicht wie geplant im großen Rahmen gefeiert werden kann. »Aber am Ende hatte ich den Eindruck, dass sie es verstanden hat.«

Das ist überhaupt eine wichtige Aufgabe der Kommunen in diesen verunsichernden Zeiten: »Wir müssen den Menschen ruhig und sachlich erklären, worum es geht. Wir dürfen nicht aufhören, sie zu informieren. Die Botschaft muss ankommen.« Handlungsbedarf gibt es hier nach wie vor, denn auch in Florstadt standen die Menschen Mitte der Woche noch dicht gedrängt in der Schlange vor der Eisdiele.

Nur noch sechs Personen bei Hochzeiten zugelassen

Um solche Menschenansammlungen zu vermeiden, sind die Trauerhallen geschlossen worden. Auch für Trauungen gibt es eine klare Vorgabe, und die heißt derzeit: »Nicht mehr als sechs Personen«, sagt Buttler, die selbst Standesbeamtin ist. Absagen gebe es deshalb nicht, ganz im Gegenteil: »Wir haben einen Run auf Hochzeiten. Einige wollen nun schnell heiraten.«

Damit nicht plötzlich doch eine Gesellschaft von 50 Menschen vor der Tür steht, müssen die Brautleute vorher ein Formular unterschreiben: Wer mit mehr als sechs Personen erscheint, wird nicht getraut.

Nachbarkommunen arbeiten eng zusammen

Solche neuen Formulare tauschen die Kommunen auch untereinander aus, ebenso aktuelle Informationen vom Wetteraukreis und vom Ministerium, denn täglich gibt es neue Richtlinien, die beachtet werden müssen. »Wir arbeiten eng mit unseren Nachbarn in Echzell, Reichelsheim und Wölfersheim zusammen«, erzählt Buttler. Auch Fragen wie »Wollt Ihr ab nächster Woche auch einen Schichtdienst einführen, und wie handhabt Ihr das momentan mit der Zeiterfassung?« werden besprochen.

»Das ist das Positive, das ich Corona abgewinnen kann«, sagt Buttler. »Alle sind füreinander da.« Das gelte auch für Bürger: Keiner sei unfreundlich am Telefon, keiner laufe Sturm. »Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt«, sagt Kerstin Buttler und lächelt.

Hilfsangebote in Florstadt

»Je kleiner die Kommune, desto persönlicher ist es dort«, sagt Kerstin Buttler, die in der Florstädter Stadtverwaltung arbeitet. »Viele ältere, kranke und schwache Menschen in Florstadt, die zur Risikogruppe gehören, werden von Verwandten und Nachbarn gut versorgt.« Dennoch gibt es auch dort Menschen, die das Haus nicht verlassen können oder sollen und niemanden haben, der ihnen den Einkauf von Lebensmitteln, Medikamenten oder anderen notwendigen Dingen abnimmt. Zwei Initiativen haben sich angeboten, das dür ihre Mitbürger zu übernehmen:

Sport-Union Nieder-Florstadt und FCC »Niddageister« in Zusammenarbeit mit der Bürgerhilfe, Telefon 01 72/1 42 00 38, karlheinz.reitz@rmg.com

Ahmadiyya-Jugend für Bürger in Florstadt, Niddatal und Umgebung, Tel. 01 57/33 74 13 17, amj.florstadt@gmx.com

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