Ganz bei sich selbst: Melanie Greif liebt Spaziergänge in der Natur.	FOTO: PV/FOTOGRAFIE SILKE GESSER
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Ganz bei sich selbst: Melanie Greif liebt Spaziergänge in der Natur. FOTO: PV/FOTOGRAFIE SILKE GESSER

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Der lange Weg zu sich selbst

  • Frauke Ahlers
    vonFrauke Ahlers
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Eine einschneidende Krankheitsgeschichte und der lange Weg zu sich selbst: Die Assenheimerin Melanie Greif hat es erlebt. Mit ihrem Buch »Sei Dein Wunder« möchte sie andere bestärken, Schicksalsschlägen mutig zu begegnen.

Ihre Stimme am Telefon ist hell und lebhaft, ein Foto in ihrem kürzlich erschienen Buch »Sei Dein Wunder« zeigt Melanie in Gedanken versunken durch eine Blumenwiese gehen. Das alles wirkt unbeschwert, als hätte es die Gehirntumore in ihrem Leben nie gegeben. »Ich habe meine innere Leichtigkeit wieder gefunden«, sagt sie, »an sich bin ich ein strahlender Mensch.«

Doch dieses Strahlen schien lange verschüttet. Sie selbst, räumt sie im Rückblick ein, habe lange nicht auf ihren Körper gehört, der ihr immer wieder Warnzeichen sandte.

In Kaichen aufgewachsen, arbeitete Melanie Greif als junge Frau zunächst in der Gesundheitsbranche, wechselte dann ins Investmentbanking, lebte zeitweise in den USA und machte so richtig Karriere. Bis ihre Erkrankung dem ein jähes Ende setzte.

Der Tumor kam zurück

Mit zunächst 34 Jahren, dann noch einmal mit 38 warf jedes Mal ein Gehirntumor ihre Lebensplanung komplett über den Haufen. Statt weiter einen 15-Stunden-Tag im Job zu absolvieren, standen dann Untersuchungen, Behandlungen, Bestrahlungen an der Tagesordnung. Verdrängt hatte sie: Kopfschmerzen, schnelle Ermüdung am PC und andere Anzeichen. Warum auch darauf achten, wenn man ein lebensfroher, zupackender Mensch ist, der gewohnt ist, sich im Beruf voll zu verausgaben.

Und heute? Die 47-Jährige kann nicht mehr erwerbstätig sein, sie hat gelernt, »die kleinen Dinge zu schätzen.« Aufenthalte in der Natur, etwas Sport, Fahrrad fahren - das tut ihr gut. Wo sie kann, hilft sie ihrer Familie, den Eltern, zu denen sie ein sehr gutes Verhältnis hat, der Schwester mit zwei kleinen Kindern. Von einer Reise nach Kanada zu Verwandten erzählt sie mit Sehnsucht und Freude. »Familie ist das Beste, was man haben kann«, sagt sie.

Den Tagesablauf selbst zu gestalten, ist für sie nicht so leicht, wie es Außenstehenden wohl manchmal erscheint. »Meine Krankheit ist mir nicht anzusehen«, sagt Melanie Greif, »doch ich fühle mich schnell überlastet und müde.« Zu viel Eindrücke, zu viel Anspannung kann sie ihrem Kopf und sich selbst nicht mehr zumuten. Ihr Wunsch ist es jetzt, Reha-Kliniken zu besuchen und dort von ihrer Krankengeschichte zu erzählen.

Aus einem Notizbuch, das ihr eine Freundin schenkte, entstand nach und nach das Buch, das sie als »Mutmachbuch« bezeichnet.

Im Vorwort schreibt Melanie Greif: »Haben wir nicht alle schon mal die Erfahrung gemacht, dass wir dachten, nichts läuft mehr und steckten in einem sogenannten Voodoo-Zauber fest und kamen da nicht mehr raus? Dann kommen noch die Selbstzweifel hinzu: Alles, was ich gerade angehe wird nicht besser sondern schlimmer? Die Frage lautet: Wo soll das noch hinführen? Ich steckte auch in dieser Kapsel und startete, Negatives zu denken und war nicht bereit, das Schöne wahrzunehmen, sondern war offen, noch mehr Negatives zu empfangen. Was mir nicht gutgetan hat. Darin stecken zu bleiben, ist meistens einfacher, anstatt etwas zu verändern und dafür zu kämpfen und sich vorzustellen, dass es auch wieder anders aussehen kann.« Melanie Greif hat gekämpft. »Sei Dein Wunder« ist der Leitspruch einer Frau, die dieses Wunder an sich selbst - schmerzhaft - erfahren hat und daraus zu neuer Stärke und Wiedererstrahlen gelangt ist.

Das Buch »Sei Dein Wunder« der Assenheimer Autorin Melanie Greif ist erhältlich überall dort, wo es Bücher gibt, ISBN: 978-3-347-01249-3; es kostet 17,99 Euro. fa

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