Für Frank Wittich hat gerade die Erntezeit begonnen.
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Für Frank Wittich hat gerade die Erntezeit begonnen.

Erntezeit

Landwirt aus Friedberg will Ärger vermeiden und bittet um Verständnis

  • vonHarald Schuchardt
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Frank Wittich ist Landwirt in Friedberg-Bauernheim. Vor der Erntezeit hat er in der örtlichen Facebook-Gruppe um mehr Verständnis gebeten, sollte es zu Beeinträchtigungen bei der Ernte kommen.

Es geht nur miteinander und nicht gegeneinander«, begründet Frank Wittich seine Initiative auf der Bauernheimer Facebook-Seite. Dort hatte der 56-Jährige um mehr Verständnis gebeten, sollte es zu Beeinträchtigungen bei der Ernte kommen. Wittich ist einer von noch immer vier Landwirten im kleinsten Friedberger Stadtteil. Drei von ihnen betreiben die Landwirtschaft, die das Dorf über Jahrhunderte geprägt hat, noch im Vollerwerb, so auch Wittich.

Die Schweinezucht hat er vor 13 Jahren eingestellt. Seitdem konzentriert er sich ganz auf den Anbau von Winterweizen, -gerste und -raps sowie Zuckerrüben und Mais. Dazu kommt der Anbau von Hirse, die in einer Biogasanlage verwendet wird.

Dieser Tage hat die Ernte begonnen, und der Landwirt, der in Bauernheim aufgewachsen ist, hofft, dass es in diesem Jahr keine unangenehmen Begegnungen mit Menschen, ins besondere mit Radfahrern, gibt. »Kaum ist beim Dreschen Stroh auf dem Feldweg gelandet, schon werde ich von Radfahrern angemacht, noch während ich am Ernten bin«, sagt Wittich. Auch der bei der Erntearbeit entstandene Staub regt so manchen Radler und Wanderer auf.

»Maximal drei Wochen dauert die Ernte, da fällt auch schon mal Staub und Schmutz an. Ich entferne den Dreck immer, sobald ich mit mähen und dreschen fertig bin«, erklärt der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder.

Kurzes Zeitfenster, um die Ernte einzufahren

Es sei doch sehr schön, dass die Landwirtschaft im Wetteraukreis und in Dörfern wie Bauernheim noch immer eine große Rolle spiele, sagt Wittich. Alle und gerade diejenigen, die sich über Schmutz oder Erntelärm aufregen, sollten sich bewusstmachen, »dass wir alle von den Erzeugnissen der Landwirtschaft leben. Wir Landwirte geben unser Bestes, gerade in dieser Zeit.«

Wann immer es möglich ist achten Wittich und seine Kollegen darauf, nicht durch den Ort zu fahren oder auf den Feldern am Rande der Ortsbebauung nicht abends oder gar in der Nacht zu dreschen. »Wir haben ja nur ein kurzes Zeitfenster, um die Ernte einzubringen«, verdeutlicht Wittich. Vergangene Woche begann er mit dem Ernten der Wintergerste, sehr zur Freude der Nachbarskinder Luise und Linus Valler, die das Dreschen begeistert beobachteten und Wittich zuwinkten.

Zuvor war der Bauernheimer Ortslandwirt zu einem Anwohner des Feldes gegangen, um ihm mitzuteilen, dass er nun mit dem Mähdrescher auf dem Acker unterwegs sei. »Ich habe ihm geraten, seinen Pool abzudecken, so dass er anschließend nicht das Wasser reinigen muss.« Genau das versteht Wittich unter einem vernünftigen Miteinander zwischen Landwirten, Nachbarn und Verbrauchern. Manchmal ist er gezwungen, spätabends oder sogar nachts mit Mähdrescher und Traktor aufs Feld zu fahren. Ist der Reifegrad des Getreides erreicht, richtet sich das Ernten der Feldfrüchte nach dem Trocknungsgrad und der Wettervorhersage. Die Frucht darf maximal einen Feuchtigkeitsgrad von 14,5 Prozent haben. »Es gibt in dieser Zeit meist nur wenige Tage mit optimalen Witterungsbedingungen«, weiß Wittich aus seiner langjährigen Berufserfahrung.

Wunsch nach Gelassenheit

Auch Schmutz auf der Straße lässt sich nicht immer vermeiden, ebenso wie die Staubbelastung in der Luft. Große landwirtschaftliche Maschinen auf den Straßen bilden für manche Verkehrsteilnehmer »unüberholbare Hindernisse«, sind aber für Wittich bei den heutigen Betriebsgrößen in der Landwirtschaft für die Ernte und den Transport absolut notwendig. »Gelassenheit und nicht gleich meckern«, wünscht sich der passionierte Landwirt, der festgestellt hat, dass es meist jüngere Menschen seien, die sich aufregten und beschwerten. »Die Älteren sind meist mit der Landwirtschaft groß geworden und kennen das alles aus ihrer Jugend«, stellt Wittich fest und betont: »Es geht nur gemeinsam. Das ist mir wichtig.

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