Lioba Albus in einer ihrer Rollen: Als Promille-Philosoph Detlef rechnet sie lallend mit der Schickimicki-Gesellschaft ab. 	FOTO: LUTZ
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Lioba Albus in einer ihrer Rollen: Als Promille-Philosoph Detlef rechnet sie lallend mit der Schickimicki-Gesellschaft ab. FOTO: LUTZ

»Lachen stärkt die Infektabwehr«

  • vonStephan Lutz
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Am Donnerstag haben »Florstadt kulturell« und »BUNTerLEBEN« im Saalbau Lux gemeinsam den Weltfrauentag nachgefeiert. Und zwar so richtig, auch weil man inzwischen wusste, dass es wegen der Corona-Pandemie wohl für längere Zeit die letzte kulturelle Zusammenkunft gewesen ist.

Da erst seit Samstag das Verbot gilt, öffentliche wie auch private Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern durchzuführen, konnten noch am Donnerstagabend im Nieder-Florstädter Saalbau Lux »Florstadt kulturell« und der interkommunale Zusammenschluss »BUNTerLEBEN« den Weltfrauentag mit vielen Besuchern nachfeiern.

Zunächst sorgte Kabarettistin Lioba Albus mit Highlights aus ihrem Best-of-Programm »Von der Göttin zur Gattin« für humoristische Furore, unmittelbar danach lieferten die »Honey Twins« bis weit nach Mitternacht optimale musikalische Unterhaltung. Renate Gantz-Bopp und Gerald Reutzel waren kurzfristig engagiert worden und sorgten dafür, dass ein aufrechter Frauenchor lautstark bei Stücken wie »Oh Happy Day« oder »Stand by me« mitsang.

Lioba Albus wird zur »Coronistin«

Alle nutzten die Chance auf einen vorerst letzten unterhaltsamen Abend und ließen trotz eines Wochentags noch mal sprichwörtlich »die Sau raus«.

»Florstadt kulturell«-Frontfrau Karola Backes-Richter hatte das Zusammenwirken mit Rochsane Mentes von »BUNTerLEBEN« gelobt und interessante Zitate zu Gleichberechtigung und Gleichbehandlung beigesteuert. Und da Frauen noch immer von Diskriminierung und Ungerechtigkeit betroffen sind, sei dies auch ein Thema für »BUNTerLEBEN«.

Frauen müssten viele Situationen im Leben mit Humor nehmen. Denn der Humor sei der Knopf am Hemd, der hilft, dass einem nicht der Kragen platzt. Da sei es nur legitim, auch mal über Männer zu lachen.

Und da kam Lioba Albus ins Spiel. Die gebürtige Sauerländerin, die seit 30 Jahren in Dortmund lebt, ist ausgebildete Schauspielerin und greift auf die Erfahrung von zehn Soloprogrammen zurück. Mit »Von der Göttin zur Gattin« war sie bis vergangene Woche auf Tour, bis auch sie zwangsläufig zur »Coronistin« wurde. Nach dem Auftritt im Saalbau Lux folgte noch einer in Kaiserslautern, ehe sie in die durch die Pandemie bedingte Zwangspause ging. »Dabei stärkt Lachen doch die Infektabwehr«, warf sie ein. Sie halte nichts von der Hysterie, man müsse sozial und gesund miteinander leben. Auffällig für sie: »In den letzten 14 Tagen gab es nicht einen einzigen Huster aus dem Publikum.«

Während ihres Auftritts erzählte sie, dass die ein grundlegendes Bedürfnis verspüre, die Beziehungen von Frauen und Männern auch sozialpolitisch zu betrachten. Deshalb aktualisiere sie ihre Auftritte regelmäßig »und rette so gelungene Nummern älterer Stücke wieder in die Gegenwart«, sagte Albus. Dafür hatte sie drei Protagonisten im Gepäck: die reife Sauerländerin Mia Mittelkötter, Detlef, der Promille-Philosoph und die »Pommes-Schlampe« Witta, wobei jede Persönlichkeit der Welt individuell den Spiegel vorhielt.

Mia Mittelkötter zeigte ihre Version der Schöpfungsgeschichte und damit verbunden ihren göttlichen Auftrag, wieder Frieden unter den Menschen zu stiften. Und das so delikat, dass selbst die wenigen Besucher mit Y-Chromosomen noch ihren Spaß hatten. Erst recht, als Promille-Philosoph Detlef mit der immer leerer werdenden Wodka-Flasche in der Hand zum sozialkritischen Rundumschlag in der Schickimicki-Gesellschaft ausholte.

Sarg mit »Sessel-Spoiler«

Den zweiten Teil eröffnete die »Pommes-Schlampe«, die eindrucksvoll verdeutlichte, dass Frauen heutzutage selbst dafür verantwortlich sind, für den eigenen Spaß zu sorgen. Der Abschluss war dann wieder der guten alten Mia vorbehalten, die Tipps zur Problemverwaltung parat hatte, wenn man als Frau einen Rentner zu Hause hat. Irgendwann komme die Erkenntnis: »Der ist am Sessel festgewachsen«, weshalb sie sich schon mal nach einem Sarg mit »Sessel-Spoiler« umschaue.

Auch weil sie sich politisch zur Weltpolitik mit Trump, Erdogan oder Putin sowie zum Kandidaten-Karussel für den CDU-Vorsitz äußerte, war diese großartige Künstlerin ein toller Gast bei »BUNTerLEBEN«.

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