Der Kursaal liegt zu Corona-Zeiten brach. Das Hotel Dolce bereitet sich auf die Wiedereröffnung am 1. Juli vor.
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Der Kursaal liegt zu Corona-Zeiten brach. Das Hotel Dolce bereitet sich auf die Wiedereröffnung am 1. Juli vor.

Der Kursaal hat Geburtstag

  • vonAnnette Hausmanns
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Das heutige Vier-Sterne-Hotel Dolce kann auf eine lange Tradition als Kurhaus Bad Nauheim zurückblicken. 1864 als Spielbank erbaut, wurde es 1910 um das Jugendstiltheater und 1982 um das Parkhotel erweitert. Am 20. Juli 1944 fielen Bomben auf den Komplex. An die Stelle eines barock angehauchten Theatersaals rückte vor 60 Jahren der verglaste Kursaal.

Wir schreiben den 24. Juni 1960. Hessens Finanzminister Dr. Wilhelm Conrad übergibt im Kurhaus Bad Nauheim den Schlüssel für den neu errichteten "Kleinen Saal" (Kursaal). Damit ist offiziell auch der Wiederaufbau des exponierten Gebäudekomplexes nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen. Am 20. Juli 1944 hatten ihn Fliegerbomben mitten ins Herz getroffen. Zerstört wurde neben dem Mittelteil und dem Bühnenhaus hinter dem großen Konzertsaal ein schmucker kleiner Theatersaal, der in den 80 Jahren seines Bestehens viele hochrangige Künstler gesehen hatte.

Lange klaffte im Kurhaus nach dem Weltkrieg diese letzte Lücke. Umso größer war die Freude, als sie nach 16 Jahren Wiederaufbau geschlossen wurde. Beim Festakt im neuen Saal mit Tanzturnier und "Ball der Goldenen Blätter" am nächsten Tag berichtete der damalige Finanzminister, dass man für den Wiederaufbau 2,8 Millionen Mark in die Hand genommen habe. Den Schlüssel übergab Conrad "zum Wohl der Kurgäste und Nutzen der Bad Nauheimer Bevölkerung".

Bad Nauheims damaliger Kurdirektor Dr. Ernst Kleinert sagte laut Kurzeitung: "Wenn das Staatsbad heute wiederum die führende Stellung unter den deutschen Heilbädern und als ein Zentrum der kardiologischen und balneologischen Forschung einnimmt, so ist das entscheidend auf die Hilfe des Landes Hessen zurückzuführen."

Mit dem Wunsch, der Saal möge zum musikalischen, geistigen und gesellschaftlichen Zentrum Bad Nauheims werden, leitete der Kurdirektor über zur musikalischen Umrahmung. Das Kurorchester spielte unter der Leitung von Willy Naue Musik von Beethoven sowie Webers wörtlich zu nehmende "Aufforderung zum Tanz".

Freier Blick ins Grüne

Beim neuen "kleinen" Saal hatte man bewusst auf eine architektonische Anbindung an bestehende Gebäudeteile verzichtet. Der dreiseitig verglaste Saal gibt bis heute den Blick ins Grüne frei. Zahllose Kongresse, Ausstellungen, Firmenfeiern, Vereinsfeste, Bälle mit prominenten Orchestern und Gästen, Galas oder Tanztees hat der Kursaal mit seiner Großzügigkeit und seinen Gestaltungsmöglichkeiten bis heute erlebt. Auf einer Bronzetafel an der parkseitigen Gebäudefront steht heute noch zu lesen: "Dieses Kurhaus wurde nach dem 2. Weltkrieg in den Jahren 1951-1952 und 1959-1960 wieder aufgebaut."

Zugleich war damals die Umgehungsstraße hinter dem Kurhaus fertig geworden, um die bis dahin dort verkehrenden Autos aus dem Bereich zwischen Terrasse und Park zu verbannen und eine bequeme Zufahrt zum Teichhaus und zum Eisstadion am Großen Teich im Kurpark zu schaffen. Auch der Parkplatz oberhalb des Kurhauses wurde fertig und mit ihm der fußläufig zu erreichende Hintereingang zum Theatersaal.

Als der große Saal abbrannte

Überhaupt stand das Jahr 1960 für viele Neuerungen im Kurhaus. Am 10. März war schon der große Saal (heute Jugendstiltheater) nach einer Restaurierung wieder eingeweiht worden. Dass er am 19. Juni 1980, nur vier Wochen nach der Grundsteinlegung für das damalige Parkhotel (heute Dolce by Windham), in der Folge von Dacharbeiten abbrennen würde, ahnte natürlich niemand. Die Katastrophe nutzte man damals, um den Saal in seiner ursprünglichen Jugendstilgestaltung wieder aufzubauen und um die Option als Kongressraum zu erweitern.

Im August 1960 zog dann das Salzmuseum ins Kurhaus ein - Stoff für eine neue Geschichte. Aktuell sind die Mitarbeiter des Hotels Dolce mit großer Leidenschaft dabei, die Wiedereröffnung des Vier-Sterne Tagungs- und Wellnesshotels am 1. Juli nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie vorzubereiten.

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