Die Initiatorin der Ausstellung "Wir und jetzt", Su-Kyoung Yu, - hier in ihrem Friedberger Atelier - hofft mit ihrer Arbeit Menschen zu trösten und ihnen etwas Gutes zu tun.	FOTO: VON PROSCH
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Die Initiatorin der Ausstellung »Wir und jetzt«, Su-Kyoung Yu, - hier in ihrem Friedberger Atelier - hofft mit ihrer Arbeit Menschen zu trösten und ihnen etwas Gutes zu tun. FOTO: VON PROSCH

Kunst begegnet Krise

  • vonHanna von Prosch
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»Wir und jetzt« nennt eine Wetterauer Künstlergruppe um Su-Kyoung Yu ihre Ausstellung, die ab dem 23. August in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage zu sehen ist. In verschiedensten Sicht- und Ausdrucksweisen reflektieren sieben Kunstschaffende das vergangene halbe Jahr. Mit Installationen, Text und Bild stellen sie die Frage: »Was können wir - Künstler und Betrachter - gemeinsam tun, um die Zeit mit Corona zu verarbeiten?«

Su-Kyoung Yu hatte schon früh von den Verwandten aus ihrer südkoreanischen Heimat mitbekommen, dass sich die Corona-Krise auch in Europa ausbreiten könnte. Zunächst empfand sie die Situation als beängstigend. Je mehr sie sich aber damit beschäftigte, desto kreativer sprudelten ihre Gedanken, wie man der Krise begegnen könne. Seit 30 Jahren lebt Su-Kyoung Yu in der Wetterau und kennt auch die deutsche Mentalität. »Ich vermisse die Gelassenheit, die wir in Südkorea haben. Da ist niemand genervt, wenn man Masken tragen oder warten muss. Da heißt es: Das Virus darf nicht unsere Gedanken infizieren«, sagt sie. Vor allem überlegte sie, wie sie andere Menschen dazu bringen könnte, nicht einfach wegzuschauen oder sich aufzuregen, sondern damit umzugehen. »Ich wollte keine Online-Ausstellung machen nur um der Kunstdemonstration willen. Ich will die sinnliche Wahrnehmung, die direkte Konfrontation. Ich will junge und alte Menschen erreichen, diejenigen, die zufällig vorbeikommen, und die Kunstinteressierten und sie sensibilisieren. Schaut her!«

So war es ein Glücksfall, dass die Suche nach einem Ausstellungsraum beim Kunstverein Bad Nauheim erfolgreich war, aber auch befreundete und bekannte Künstlerinnen und Künstler sofort ihre Zusage zur Ausstellung gaben. Su-Kyoung Yu ist sehr dankbar, dass sie organisatorische Hilfe durch den Vorsitzenden bekam und der Wetteraukreis mit dem Land Hessen die Ausstellung aus dem Programm »Demokratie lebt« fördert.

Käfige und Lego-Kunst

Das Thema birgt für sie so viele Facetten und individuelle Einstellungen, dass die Mischung an Ausstellern nahezu ideal ist. Da wenig Zeit zur Vorbereitung gewesen ist, suchen einige Passendes aus ihrem Bestand aus, andere entwickeln Neues zum Thema. Yu selbst wird eine spannende Installation aus Baumstamm und Käfigen erstellen, die das Zuhause und die Freiheit der Natur, das Geborgene und das Eingesperrtsein verdeutlicht. Dagmar Reichardt bringt gestaltete Texte über Menschenwürde mit. Elisabeth Müller wird meditative Gedichte formen. Marcel Pfeffer ist mit abstrakten und impressionistischen Bildern vertreten. Von Axel Gallun aus Büdingen hat sich die Initiatorin eine schwebende Installation gewünscht. Und Lego-Künstler Uli Meyer will mit seiner Arbeit auch Kinder und Jugendliche interessieren. Die Glaskünstlerin Beate Jakob hat sich für feine Strich- und Punktzeichnungen entschieden, zu denen Yu sagt: »Ein Punkt allein ist nichts. Erst viele Punkte ergeben ein Ganzes. So ist es auch mit uns. Kunst kann insgesamt viel für die Gesellschaft bewirken.«

Die Ausstellung in der Galerie der Trinkkuranlage ist vom 23. August bis zum 13. September geöffnet. Die Künstlerinnen und Künstler sind wechselnd anwesend. Am 12. September findet dort eine Lesung mit der Verlegerin Britta Jürgs über Frauenliteratur im 20. Jahrhundert statt.

Für die Vernissage am Sonntag, 23. August, denkt sich Yu noch etwas Besonderes zum Thema Geduld unter Corona-Bedingungen aus. Ein musikalisches Intermezzo im Freien soll die Zeit illustrieren. Eingeladen sind ausdrücklich alle, die sich mit dem »Jetzt« beschäftigen wollen. Genaue Zeiten werden noch bekannt gegeben.

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