Pianist Mikhail Mordvinov hat im Bürgerhaus in Nidderau-Ostheim für wunderbare Klaviermusik gesorgt. Statt 80 Gäste sind coronabedingt lediglich 30 im Saal. FOTOS: GEORGIA LORI
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Pianist Mikhail Mordvinov hat im Bürgerhaus in Nidderau-Ostheim für wunderbare Klaviermusik gesorgt. Statt 80 Gäste sind coronabedingt lediglich 30 im Saal. FOTOS: GEORGIA LORI

"Die Kultur hat sich verändert"

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Kultur in Corona-Zeiten anzubieten ist eine Herausforderung. Pianist Mikhail Mordvinov gastiert in der Reihe "Weltklassik am Klavier" im Bürgerhaus in Nidderau-Ostheim. Für Jürgen Reuling und den Kulturbeirat ist der Auftritt ein Lichtblick und ein Kraftakt zu gleich. In Zeiten von Corona hat sich die Kultur in Nidderau verändert.

Es macht ihm Spaß, das kulturelle Angebot mit beeinflussen zu können", sagt Jürgen Reuling. Der 77-jährige ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Kulturbeirates. "Es war reiner Zufall, dass ich gewählt wurde, denn ich war bei der Auswahl für einen neuen Vorsitzenden dabei, hatte aber nicht kandidiert", erinnert er sich. Auf die Basis seines Vorgängers Horst Körzinger habe er gut aufbauen können. Das Handicap sei gewesen, dass sich die Stadt von Anfang an schwer damit getan habe, ein vernünftiges Budget für Kulturangebote bereitzustellen.

Für die Veranstaltungen des Kulturbeirats steht ein Budget von 16 000 Euro im Jahr zur Verfügung. In den zehn Jahren seiner Amtszeit sei das Budget nur einmal ohne Schuld des Kulturbeirates überschritten worden. Für die zehn bis zwölf Veranstaltungen jährlich, wünscht sich Reuling mehr Zuschauer.

Die Reihe "Weltklassik am Klavier" läuft im fünften Jahr mit vier Veranstaltungen pro Jahr. Die durchschnittlichen Besucherzahlen liegen zwischen 50 und 80. Coronabedingt sind an diesem Sonntag etwa 30 Gäste im Ostheimer Bürgerhaus. Die Künstler seien sehr positiv eingestellt und kämen gerne nach Nidderau. Zwei Konzerte mussten Anfang des Jahres abgesagt werden sowie weitere Kulturveranstaltungen wie "Klassik unter Sternen". Es sei gelungen, die Veranstaltungen zu verschieben. In diesem Jahr werde noch ein weiteres Konzert in der Reihe "Weltklassik am Klavier" am Sonntag, 11. Oktober, angeboten. Am Samstag, 24. Oktober, gastiert das politische Kabarett "Die Herkuleskeule" aus Dresden in Nidderau. Die Nidderauer Orgelnacht könne wegen Auflagen zur Pandemie nicht angeboten werden.

Das ist das Hygienekonzept

In Deutschland gebe es kein einheitliches klar geregeltes Vorgehen, was Kulturveranstaltungen betrifft. "Das wäre notwendig, um Planungssicherheit zu bekommen, und den Künstlern und Besuchern gerecht zu werden", regt Reuling an. Die Kulturszene sei beeinträchtigt durch Corona. Reuling wünscht sich von den Verantwortlichen, die verstanden haben müssten, dass die Kultur in Hessen Bestandteil der Hessischen Verfassung ist und somit ein Staatsziel, "dass sie mit mehr Power und forscher vorangehen".

Um gegenzusteuern, müsse man mit Überzeugung in den Gremien der Kommune arbeiten und Möglichkeiten ausarbeiten, wie Limitierungen angepasst werden könnten, damit sie nicht in der ganzen Härte zuschlagen.

Seitens der Stadt sei für Veranstaltungen ein Hygienekonzept ausgearbeitet worden, das gut funktioniere. Dazu zählt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Desinfizieren der Hände, die Besucherlenkung beim Ein- und Ausgang und die Registrierung der Besucher, das Sitzen auf Abstand. Catering gibt es nicht, nur Getränke in Flaschen.

In dieser Atmosphäre spielte der preisgekrönte Pianist Mikhail Mordvinov. Er zog die Gäste mit seinen Interpretationen von Beethovens Pathétique und c-Moll-Variationen in seinen Bann. Für die Zukunft spricht sich Reuling dafür aus, die seit fünf Jahren praktizierte Neuausrichtung der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit beizubehalten sowie die Überparteilichkeit des Neujahrsempfangs der Stadt. "Die Offizialisierung von Städte- und Schulpartnerschaften sollte Ziel sein, um die Zusammenarbeit in Europa zu stärken und zu entwickeln", sagt Reuling. Auch Aktivitäten zur deutschen Geschichte müssten fortgesetzt werden.

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